08:30 21 November 2018
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    Ölfarrinerie, Russland (Archiv)

    Welt muss sich auf starke Ölpreis-Rallye gefasst machen

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    Nach Angaben vom August sind die USA auf Platz eins bei den Ölfördermengen in der Welt gelandet. Nach russischen Angaben vom Oktober wurde der historische Rekord bei der Fördermenge - umgekehrt - durch Russland gebrochen. Die Einschränkung der Ölförderung wird durch ein Rennen um die größten Fördermengen abgelöst.

    Die Meinungen der Experten bezüglich des Einflusses dieser Ereignisse auf die Ölpreise gehen auseinander – die Gründe des Rückgangs sind zwar offensichtlich, doch es gibt auch andere Faktoren.

    Zu aktiv?

    In diesem Sommer haben die USA den ersten Platz in der Welt bei der Fördermenge mit durchschnittlich 11,346 Mio. Barrel pro Tag belegt, wie die Agentur für Wirtschaftsinformationen „Prime“ unter Berufung auf Angaben des US-Energieministeriums und des OPEC-Berichts vom August berichtete. Damals überholten die USA Russland und Saudi-Arabien, die auf Platz zwei und drei landeten.

    Die jüngsten Angaben zur Ölförderung in Russland bedeuten, dass sie bereits im Oktober um 0,5 Prozent auf 1,557 Mio. Tonnen pro Tag stieg, wie das Portal „Finanz“ schreibt.

    Damit war die russische Fördermenge höher als das vorige Maximum vor zwei Jahren. Russland baut die Förderung seit März und am aktivsten seit Juni (Anstieg um 2,9 Prozent auf 1,512 Mio. Tonnen Pro Tag) aus.

    Die Förderung wächst auf Beschluss der OPEC-plus-Länder, was mit dem starken Rückgang der Produktion in Venezuela und Mexiko verbunden ist. Zudem treten im November harte Sanktionen gegen den Iran in Kraft, deren Ziel die Aufhebung des iranischen Imports ist, obwohl dies kaum möglich ist.

    Russland produzierte im September 11,37 Mio. Barrel pro Tag und im Oktober bereits 11,4 Mio., wie die Analystin der Firma Expert Plus Maria Salnikowa sagte. Laut den USA erreichte die Fördermenge 11,2 Mio. Barrel pro Tag wegen der Wiederherstellung der Schieferprojekte. Saudi-Arabien erklärte, dass es sich kontinuierlich auf elf Mio. Barrel pro Tag zu bewegt. Doch bei Bedarf kann es die Fördermenge auf zwölf Mio. steigern, wie der Energieminister Khalid Al-Falih sagte.

    Der Grund für diese optimistische Dynamik ist die Verpflichtung Saudi-Arabiens und Russlands, mehr Öl zu pumpen, um den Rückgang in Venezuela zu kompensieren und Nachteile wegen der US-Sanktionen gegen den Iran auszuschließen.

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    Die Prognose für die Ölpreise unter den Bedingungen eines aktiven Ausbaus der Förderung ist negativ, so Salnikowa. Wenn sich die Dynamik Anfang November nicht ändert, vielleicht würden dann zumindest die USA stoppen, weil ihr Ölmarkt im Überschuss ist. Sonst könnte es zu Ölpreisen von 70 Dollar kommen. Weder die US-Wahlen noch die Geldpolitik der USA können jetzt die Spekulanten beim Anstieg der Ölpreise unterstützen. Für November gilt die Priorität für den Rückgang des Selbstkostenpreises von Öl in der Welt.

    USA in rätselhafter Lage

    Im Ganzen ist die Position der USA bezüglich der Ölförderung keine Überraschung, so der Analyst Alexej Antonow von Alor Broker. Angesichts des ständigen Ausbaus der Menge in den letzten Jahren hätte es zum Überschreiten der Marke von 11 Mio. Barrel pro Tag laut Einschätzungen internationaler Agenturen bereits in der ersten Hälfte 2018 kommen sollen. Es gibt also keine unangenehmen Überraschungen. Im Unterschied zu Saudi-Arabien, Iran, Irak und sogar Russland sind die USA die weltweit einzige Öl-Supermacht, die noch Öl selbst importiert. Alleine im September wurden aus Venezuela in die USA 0,6 Mio. Barrel geliefert, was der Höchstwert seit zwei Jahren ist.

    Damit wird das Wachstum der Fördermenge in den USA auch vom Ausbau des Imports begleitet. Dabei machte der US-Ölexport im September nur 2,1 Mio. Barrel aus. Als offizieller Abschreckungsfaktor der zunehmenden Öllieferungen an die Außenmärkte gilt ein akutes Defizit der Pipeline-Kapazitäten, die keine größeren Rohstofflieferungen in die Häfen ermöglichen. Zudem gibt es nur einen Hafen, der Tankschiffe wie VLCC aufnehmen kann, die Öl nach Asien und Europa befördern können.

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    Allerdings wird der Appetit der Exporteure in der nächsten Zeit deutlich eingeschränkt. Ein wichtiger Vertriebsmarkt bleibt der asiatische Markt, doch im Oktober stellte China den Ankauf von US-Öl völlig ein. Bis zum Jahresende kann dieser Beschluss unverändert bleiben. Zudem stehen vor Washington nun die Aufgabe der Dämpfung der Ölpreise auf dem Binnenmarkt, das Wachstum der Lieferungen auf die Außenmärkte widerspricht dieser Aufgabe.

    Jetzt die wichtigste Frage: Warum bauen die USA die Fördermengen aus, ohne die Möglichkeit zu haben, beim Export zu verdienen? Die USA sind nicht nur das größte Förderland, sondern auch größter Verbraucher von Ölprodukten. Je höher die Ölpreise sind, desto niedriger ist das Tempo des Wachstums der US-Wirtschaft, die billigen Rohstoff braucht. Es war gerade Trump, der die OPEC-Länder sowie Russland dazu aufrief, die Fördermenge um zwei Mio. Barrel pro Tag während des aktiven Wachstums Mitte des Jahres zu erhöhen.

    Obwohl die Ölpreise seit Anfang Oktober fast um zehn Dollar gesunken sind, wird dieser Rückgang anscheinend bereits im November kompensiert, weil am 4. November Sanktionen gegen den Iran in Kraft treten. Europäische Länder und sogar China würden auf Lieferungen aus dem Iran verzichten, dem drittgrößten OPEC-Land bei der Fördermenge nach Saudi-Arabien und dem Irak. Bereits im November würden dem Weltmarkt zwei Mio. Barrel pro Tag fehlen, die wohl weder durch Saudi-Arabien noch durch Russland mit dem Ausbau der Fördermenge im September um 0,4 beziehungsweise 0,03 Prozent kompensiert werden, so der Experte.

    Dem Experten zufolge wird man in der Zukunft eine spannende und lange Ölrallye sehen, die das Wachstumstempo der US-Wirtschaft stark beeinflussen kann. So ist der Ausbau der Ölfördermenge in den USA nur eine Schutzmaßnahme für den Binnenmarkt, während der Weltmarkt davon kaum stark beeinflusst wird.

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    Tags:
    Ölpreise, Dynamik, Priorität, Sanktionen, OPEC, Saudi-Arabien, USA, Russland