22:04 17 November 2018
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    Soldaten der Türkei an der Grenze zwischen der Türkei und Syrien (Archiv)

    Syrien: USA düpieren Türkei - mit gefährlichen Folgen

    © AP Photo / Lefteris Pitarakis
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    Vor einiger Zeit haben sich die Beziehungen zwischen der Türkei und den USA nach einer Krise etwas verbessert. Nun weigern sich die Amerikaner anders als abgesprochen, die kurdischen Einheiten aus Manbidsch abziehen zu lassen. Daraufhin drohte Ankara mit der „Beerdigung“ der Kurden in deren eigenen Kampfgräben.

    In Ankara wird Fethullah Gülen bis heute der gescheiterte Putschversuch von 2016 vorgeworfen. Damals bezeichnete Erdogan sofort Gülen als größtes Übel der Türkei. Allerdings lebt Gülen seit langem ungestört in den USA und propagiert von dort aus seine Ideen des politischen Islams. Erdogan setzte sich einst zum Ziel, den unerwünschten Intellektuellen in die Heimat zu bekommen, doch Washington kam ihm nicht entgegen. Gülen befasst sich weiter mit seiner Tätigkeit und macht sich keine Sorgen. Das sorgt für große Empörung bei den türkischen Behörden.

    Doch während die Türken erbost über Gülen und die USA als dessen Schutzherr sind, sind die USA über das Vorgehen der Türkei in Syrien verärgert. Das erste, was Erdogan in Syrien tat, war der Kampf gegen die kurdischen YPG-Einheiten, die als wichtigste Verbündete der USA in Syrien gelten. Ankara zerschlug zunächst die Kurden im Norden der Provinz Aleppo und begann nach einem Jahr eine weitere Kampagne gegen sie im Nordwesten der Provinz. Sie endete mit der Zerschlagung der Kurden und der Eskalation der amerikanisch-türkischen Krise.

    Es kam sogar dazu, dass Washington Ankara Sanktionen androhte und sogar die versprochenen  F-35-Lieferungen einfrieren ließ. Die Türken drohten ihrerseits mit einem Angriff auf Manbidsch im Nordosten von Aleppo. Wenn die Amerikaner diese Gebiete nicht verlassen sollten, würden sie dort zusammen mit den Kurden ums Leben kommen, so Ankara.

    Ungefähr so sah die Lage bis vor kurzem aus, bevor Trump den ehemaligen US-Außenminister Rex Tillerson zum Treffen mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu schickte. Das Treffen endete relativ erfolgreich – Washington versprach den Abzug der Kurden aus Manbidsch, wonach gemeinsame amerikanisch-türkische Patrouillen von Nordwest-Aleppo beginnen sollten. Die Spannungen gingen zurück. Ein neuer Spannungsfaktor war die Geschichte um einen in der Türkei festgenommenen US-Priester, doch Erdogan ließ ihn frei, und alles endete gut für die Beziehungen der beiden Staaten.

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    Dennoch stellte sich heraus, dass der Unmut der Türken wächst. Die USA versprachen Ankara, dass der Abzug der Kurden aus Manbidsch demnächst beginnen würde und bereits teilweise ihre Kräfte in der Region abgebaut worden seien. Doch die türkische Armee wurde nicht in die Stadt gelassen.  US-Generäle hatten den Kurden versprochen, dass die Türken Manbidsch nie betreten würden – sie müssten sich nur mit den Vororten abfinden. Nun hatte Ankara den Eindruck, dass die USA die Türkei für dumm halten.

    Vor einigen Tagen sagte Erdogan, dass die Militäroperation der türkischen Armee gegen die syrischen Kurden fortgesetzt werde. Bislang sind keine ernsthaften Kampfhandlungen zu verzeichnen, doch die YPG-Einheiten werden ab und zu beschossen. Es kam bereits zu Opfern. Die USA sind unzufrieden, die Kurden sind unzufrieden, die Türkei droht mit harten Maßnahmen. Der Verteidigungsminister Hulusi Akar versprach vor kurzem, die Kurden in ihren eigenen Kampfgräben zu beerdigen, die sie um Manbidsch anlegen. Das ähnelt dem Beginn einer weiteren Krise, die die USA nicht so einfach überwinden können.

    Der türkische Experte Keram Yildirim meint, dass Ankara einfach keinen anderen Ausweg habe.

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    „Je größer der Einfluss dieser Terrorgruppierungen ist, desto mehr Risiko droht der Türkei. Die YPG-Einheiten sind Teil der Kurdischen Arbeiterpartei PKK, die für die meisten Terroranschläge in der Türkei die Verantwortung trägt, sie ist für den Tod von Tausenden friedlicher Einwohner verantwortlich. In Syrien befasst sich die YPG ebenso mit Terror, manchmal sind sogar  Merkmale eines Genozids gegenüber Arabern und einigen anderen Nationalitäten zu erkennen. Sie stellen eine Gefahr nicht nur für die Türkei und Syrien, sondern auch für andere Staaten der Region dar. Zu ihren Plänen gehört das Erobern eines Teils des türkischen Territoriums. Wozu die Macht der Terrorregimes führt, das wissen wir sehr gut am Beispiel des Islamischen Staates*. Es wäre also besser, ihr Erstarken nicht zuzulassen. Derzeit gibt es keine andere Lösung als eine militärische. Ich habe früher darauf aufmerksam gemacht, dass diese Aufgabe für die Türkei und das syrische Regime gemeinsam ist. Auf dieser Grundlage hätte man ein Zusammenwirken organisieren können. Bislang erscheint es fast unmöglich wegen verschiedener Einstellungen zur syrischen Tragödie, doch in der Zukunft könnte es Ereignisse geben, die die Situation ändern. Sogar die USA gingen auf eine Kooperation mit dem Regime ein, als es um den Kampf gegen ISIL ging. Die Türkei ist viel loyaler gegenüber Assad als die USA“, so der Experte.

    Laut dem Experten werden die USA weiterhin versuchen, Erdogan in die Irre zu führen, doch dieser wird ihren Märchen kaum glauben, obwohl er womöglich auch ihre Vorschläge besprechen würde. Anscheinend wird sich die Situation nicht stark ändern, weil Washington keine Probleme mit der Türkei in Syrien sowie an anderen Orten haben will. Die Türkei wird also wohl ihre Ziele weiterverfolgen, aber vorsichtig, um niemanden zu undurchdachten Handlungen zu provozieren. 

    *Islamischer Staat (IS, ISIL) wurde durch Beschluss des Obersten Gerichts Russlands vom 29. Dezember 2014 als Terrororganisation eingestuft, ihre Tätigkeit ist in Russland verboten

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    Abzug, Kurden, kurdische Selbstverteidigungskräfte YPG, Rex Tillerson, Fethullah Gülen, Recep Tayyip Erdogan, Mevlüt Cavusoglu, Manbidsch, Türkei, Syrien, USA