08:35 16 November 2018
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    Raketensystem „Iskander“

    Gegen böse Pläne des Nachbarn: Welche russischen Waffen könnte Minsk gebrauchen?

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    Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko war lange Zeit dagegen, russisches Militär auf weißrussischem Boden zu stationieren. Doch die Absicht der polnischen Führung, eine Panzerdivision der US-Armee in Polen aufzustellen, hat Lukaschenko offenbar veranlasst, eine russische Militärpräsenz in seinem Land anders zu bewerten.

    Es ist aus Sicht von Experten eine auffällige Erklärung, die der weißrussische Präsident abgegeben hat: „Ich sagte dem polnischen Außenminister bei seinem Besuch in Minsk: Wir haben nicht vor, gegen euch zu kämpfen. Deshalb braucht man keine überflüssigen Stützpunkte zu bauen. Anderenfalls werden wir mit den Russen darauf reagieren müssen. Also werden wir etwas stationieren müssen, um gegenzusteuern“, sagte Alexander Lukaschenko.

    Bislang hat Minsk die Stationierung russischer Truppen auf weißrussischem Boden immer wieder abgelehnt. So etwa 2015, als der russische Präsident Wladimir Putin die russische Regierung beauftragte, das Abkommen zwischen Russland und Weißrussland über die Stationierung der russischen Luftwaffe auf weißrussischem Gebiet zu unterzeichnen.

    Damals sagte Lukaschenko: „Wir brauchen derzeit keinen Stützpunkt. Erst recht keine Luftwaffe. Wir brauchen bestimmte Waffen. Darüber sprach ich auch öffentlich mit Putin und vorher mit Medwedew.“

    Der weißrussische Außenminister Wladimir Makej betonte dann im Mai dieses Jahres: „Gegenwärtig haben wir nicht vor, neue ausländische Stützpunkte auf weißrussischem Gebiet zu stationieren, weil wir in unserer Region Stabilität wollen.“ Doch werde Minsk, so der Außenminister, „das Vorgehen seiner Nachbarn“ berücksichtigen.

    Offenkundig ist es dieses „Vorgehen der Nachbarn“, das die weißrussische Führung zum Umdenken bewegt hat. Schon im Juli sagte der weißrussische Botschafter in Moskau, Igor Petrischenko, er werde Polens Absicht, eine Panzerdivision der US-Armee auf polnischem Gebiet zu stationieren, „zur Kenntnis nehmen“.

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    Im September hatte der polnische Präsident Andrzej Duda erklärt, Warschau beabsichtige, einen amerikanischen Stützpunkt auf polnischem Boden aufzubauen und ihn nach dem derzeitigen US-Präsidenten als „Fort Trump“ zu benennen. Präsident Trump hat im Gegenzug erklärt, er werde die Bitte der polnischen Führung „ernsthaft prüfen“.

    Ende Oktober erklärte dann der polnische Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak, Warschau habe sich die Unterstützung Washingtons beim Aufbau eines US-Stützpunkts gesichert.

    „Jede Militäraktivität an unseren Grenzen und die Aufstockung des Truppenkontingents erhöht die Kriegsgefahr. Natürlich berücksichtigen wir diesen Faktor beim nationalen Militäraufbau und bei der militärischen Zusammenarbeit im Rahmen der OVKS“, sagte der weißrussische Botschafter in Moskau.

    Dass die Pläne, einen US-Stützpunkt in Polen aufzubauen, auf Russlands Widerstand stoßen würden, war deutlich. Selbst US-Experten haben Washington davor gewarnt. Es könnte die Konfrontation zwischen Russland und den USA weiter verschärfen.

    >>Andere Sputnik-Artikel: NI: USA brauchen kein „Fort Trump“ in Polen

    Und jetzt Lukaschenkos Erklärung. Der Militärexperte Anton Lawrow wertet sie als „eine durchaus positive Veränderung der Minsker Position“. Sein Kollege Viktor Korottschenko weist jedoch darauf hin, dass der Aufbau der US-Basis in Polen noch gar nicht besiegelt ist. Die USA hätten auch noch gar nicht zugesagt. Alles, was man momentan wirklich habe, seien bloß die Erklärungen polnischer Politiker.

    Dennoch: Wenn Warschau und Washington sich darauf einigen, dann sind zusätzliche Kräfte auf weißrussischem Gebiet wirklich notwendig. „Dann geht es um die Stationierung einer russischen Luftwaffenbasis auf einem weißrussischen Flugplatz“, sagt der Militärexperte Korottschenko. „Es wäre ein Verband neuester Kampfjets, bewaffnet mit Präzisionswaffen. Natürlich unter russischem Kommando.“

    Das wäre laut dem Experten „die bestmögliche Reaktion auf die aggressiven Pläne Warschaus und Washingtons“, zumal Russland und Weißrussland in einer Union sind und eine gemeinsame Militärplanung betreiben.

    Was außerdem notwendig wäre, ist aus Expertensicht die Stationierung russischer Raketensysteme „Iskander“ in Weißrussland. Das könnte den Aufbau von „Fort Trump“ verhindern, noch bevor damit überhaupt begonnen wurde. In Washington sitzen doch „keine Dummköpfe“, die eine Panzerdivision zum Ziel hochpräziser russischer Raketen machen würden.

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    Raketensystem, Stationierung, Reaktion, Soldaten, Alexander Lukaschenko, Polen, Weißrussland, USA, Russland