13:45 15 November 2018
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    Russlands Panzer während der Übungen (Archiv)

    Russische Armee die „stärkste in Europa“: US-Ranking legalisiert Feindbild Russlands

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    Das Projekt Global Firepower hat ein Ranking der mächtigsten Streitkräfte erstellt, in dem das russische Militär auf Platz zwei weltweit und auf dem ersten Platz in Europa rangiert.

    Streitkräfte basieren auf ganz anderen Kriterien

    Als Kriterien wurden von Experten Faktoren wie Gesamtzahl der Truppengattungen und Militärtechnik, Entwicklung des Landes im Ganzen sowie mehrere zusätzliche Bedingungen wie Logistik und aktuelle Kriegserfahrungen genutzt.

    Natürlich lösen solche Rankings bei den führenden westlichen Zeitungen großes Interesse in Russland aus, doch in der Praxis kann auf diese Weise die tatsächliche militärische Schlagkraft einer konkreten Armee nicht bestimmt werden. Da hängt vieles von den geopolitischen Bedingungen sowie von konkreten Aufgaben ab, die vor den heutigen Streitkräften stehen.

    Die russische Armee steht den vereinigten Kräften der Nato gegenüber. Dabei hat sie eine direkte Landverbindung mit den Kräften des Gegners, was Russland von den USA unterscheidet.

    In diesem Sinne bilden die Grundlage der US-Streitkräfte mobile Gruppierungen wie Flugzeugträgerverbände der Kriegsflotte, Marineinfanteriekorps, Angriffsverbände der Luftstreitkräfte sowie weltweit operierende Expeditionseinheiten.

    Solche Ranglisten dienen der Propaganda

    Aus diesem Grund haben die USA keine bedeutenden Kräfte zur Verteidigung der eigenen Grenzen, verfügen weltumspannend jedoch über Angriffsmittel durch ihre vielen Militärstützpunkte. Dort dienen jenseits der US-Grenzen fast 500.000 Soldaten.

    Deswegen ist es sehr schwierig, die Streitkräfte Russlands und der USA zu vergleichen, besonders angesichts des Vorhandenseins der strategischen Kräfte, die bislang nie in der Weltgeschichte gegen einen ebenbürtigen militärischen Gegner eingesetzt wurden. Es ist also unklar, was im Falle eines realen Hybrid-Kriegs geschieht. Vor der Weltgemeinschaft stehen also Fragen, die nach ihrer Größenordnung mit denen aus den 1930er-Jahren vergleichbar sind.

    Laut dem russischen Militärexperten Igor Nikolaitschuk hinkt der Vergleich der Streitkräfte, denn sämtliche Rankinglisten dieser Art werden für Propagandazwecke erstellt und spiegeln nicht die reale Situation wider. Aus dem Kontext werden bestimmte statistische Angaben genommen – zum Beispiel die Zahl der Panzer, was dann in einer bestimmten ideologischen Doktrin Niederschlag findet.

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    Armee kümmert sich um nationale Sicherheit

    Laut dem Experten wird eine Armee nicht mit dem Ziel aufgebaut, um eine bestimmte Zahl von Panzern und Soldaten in den Dienst zu stellen, sondern zur Lösung konkreter Aufgaben eines Staates.

    „In Russland bedeutet das die Gewährleistung der nationalen Sicherheit und Souveränität, und in der Praxis – die militärische Sicherheit. Darunter werden rein politische Aufgaben verstanden – Abwehr einer möglichen Aggression sowie alle Aufgaben, die vor Russland in diesem Koordinatensystem entstehen können“, so der Experte.

    Dazu gehören zahlreiche spezifische Parameter – die Lage der Truppen, ihr strategischer Ausbau sowie die Kampffähigkeit und Ausgewogenheit verschiedener Truppengattungen.

    „In diesem Fall sollte man sich an die Situation aus dem Zweiten Weltkrieg erinnern, als vor dem 22. Juni 1941 die Einheiten der Roten Armee nach ihrer Zahl und Militärtechnik der Wehrmacht deutlich überlegen waren“, so Nikolaitschuk.

    Russlands Hauptgegner ist die Nato

    Neue Waffen für die russische Armee (Archiv)
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    Das schützte die Rote Armee jedoch nicht vor ihrer Zerschlagung — als Folge des deutschen Angriffs auf die Armee, die sich noch im Prozess des strategischen Ausbaus befand, und angesichts der Überlegenheit der Deutschen in der operativen Verwaltung.

    Man sollte sich daran erinnern, die die Luftwaffen-Einheiten sowie Panzerabwehrgruppen, die das größte Angriffspotential der Wehrmacht darstellten, an allen Fronten im Einsatz waren. Damals beschloss das sowjetische Kommando, den Gegner in erbitterten Kämpfen zu zermürben, was zum strategischen Sieg für Moskau führte.

    „Die Deutschen hatten auch den entscheidenden Vorteil des ersten Angriffs, der auch für die aktuelle Disposition im Rahmen der Konfrontation zwischen Russland und der Nato kennzeichnend ist“, so der Experte.

    Dabei spielen also zahlreiche Faktoren eine große Rolle – die strategische Lage der Truppen, ihre Kampferfahrung, die Entschlossenheit der Militärführung sowie das Verständnis von den Zielen.

    „Das Ranking hat also Recht, dass die russischen Streitkräfte zahlenmäßig die ‚zweitstärkste Armee in der Welt‘ und die ‚stärkste Armee in Europa‘ sind. Doch im Ernstfall würden wir doch nicht gegen Luxemburg, sondern gegen die Nato kämpfen, das ist nicht die Armee Deutschlands bzw. der USA, sondern das Militärpotenzial des gesamten Westens. Somit rücken solche statistischen Zahlen in den Hintergrund“, so der Experte.

    Diese Vergleiche werden im Westen angestellt, um Russland als Bedrohung für Europa darzustellen, damit die Nato heute ihre aggressive antirussische Politik rechtfertigen kann.

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    Tags:
    Vergleich, Souveränität, Ranking, Sicherheit, Streitkräfte, Armee, Hybrid-Krieg, NATO, USA, Russland