10:54 16 November 2018
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    Norwegiens Marine während der NATO-Übungen

    Befähigung verballert? Norwegens Marineprofis versenken guten Nato-Ruf im Nordmeer

    © AFP 2018 / Gorm KALLESTAD / NTB scanpix
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    Ein „Mangel an Können und Geschick“ – so bewerten Fachleute das, was mit einer norwegischen Fregatte gerade passiert ist. Das Kriegsschiff ist vor der Küste Norwegens mit einem Öltanker kollidiert, als es vom „Trident Juncture“-Manöver zurückfuhr. Die schwere Havarie ist einer von vielen Unfällen, die in letzter Zeit mit Nato-Schiffen passieren.

    Klar, auch die Kriegsflotten anderer Länder sind vor solchen Zwischenfällen nicht gefeit. Auch bei der russischen Marine passieren Unfälle. Es ist nur auffällig, wie häufig Pannen bei der Nato in diesem Jahr geworden sind.

    „Nahezu jedes Jahr müssen Nato-Flotten, allen voran die USA, schwere Unfälle verzeichnen, bei denen Menschen sterben oder verletzt werden“, sagt Michail Nenaschew, Brigadekapitän a. D. „Die Statistik zeigt, dass es in den letzten fünf Jahren pro Jahr mindestens einen schweren Unfall gab, mal bei den Amerikanern, mal bei deren Verbündeten, den Briten.“

    Auch die norwegische Fregatte „Helge Insgtad“ ist nun in die Pannenstatistik eingegangen. Am Donnerstag ist das Kriegsschiff mit einem Öltanker vor der Küste Norwegens zusammengestoßen. Laut der Nachrichtenagentur „NRK“ wurden beim Aufprall sieben Menschen verletzt. Die Fregatte mit 137 Besatzungsmitgliedern an Bord schlug leck, geriet außer Kontrolle und trieb auf die Küste zu. Inzwischen ist die Besatzung evakuiert worden. Die Fregatte hat starke Schlagseite, das Heck ist fast vollständig im Wasser versunken.

    Gerade erst ist auch ein anderes Nato-Schiff negativ aufgefallen. Am Tag vor der Havarie mit der norwegischen Fregatte wurde berichtet, der US-Flugzeugträgerverband – angeführt von der „USS Harry Truman“ – sei vorzeitig aus dem Übungsgebiet in der Arktis abgezogen worden.

    Begründet wurde der Abzug mit schweren Wetterbedingungen: Ein starker Sturm mit bis zu 10-meter-hohen Wellen sei im Anmarsch gewesen, hieß es vom US-Flottenkommando. Wegen des Sturms und des hohen Wellengangs soll sogar die „USS Gunston Hall“, ein Landeschiff der US-Marine, fast in Seenot geraten sei.

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    Es gibt jedoch auch Berichte, die Amerikaner hätten ihren Flugzeugträgerverband abgezogen, weil die russische Luftwaffe schwere Bomber ins Übungsgebiet entsandt hatte. Überschallbomber Tu-160 und Schiffsjäger Tu-142 seien in nur wenigen Kilometern an einem Flaggschiff der US-Marine vorbeigeflogen, berichtet das Portal „Avia.pro“.

    Wie dem auch sei: Das amerikanische Kommando beruft sich auf schlechtes Wetter, welches (nebenbei bemerkt) in den arktischen Breiten eigentlich niemanden hätte überraschen dürfen.

    Der vorzeitige Abzug des Verbands plus die Havarie der Fregatte – beides zusammen wirft kein gutes Licht auf das größte Nato-Manöver im Norden seit dem Ende des Kalten Krieges. Und es war übrigens das erste Mal seit 30 Jahren, dass die USA einen Flugzeugträger in die Arktis entsandt hatten.

    Doch in den letzten Jahren passierte bei den Flotten der Nato und ihren Verbündeten weitaus Gefährlicheres. Im Juni letzten Jahres kollidierte der US-Zerstörer „Fitzgerald“ vor der Küste Japans mit einem Containerschiff.

    Drei amerikanische Matrosen mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Leider gab es auch Tote: Im beschädigten und gefluteten Teil des Zerstörers wurden im Nachhinein sieben tote Matrosen entdeckt.

    Noch mehr Seeleute starben, als nur wenige Wochen später, im August letzten Jahres, der US-Zerstörer „John McCain“ in der Straße von Malakka mit einem Tanker zusammenstieß. Fünf Besatzungsmitglieder wurden beim Zusammenstoß verletzt, zehn Matrosen waren einige Zeit verschollen, bis man ihre Leichen in den vollgelaufenen Schiffsbereichen fand.

    „Solche Vorfälle sind selten. Aber zwei in einem Sommer, beide Male mit Beteiligung der 7. Flotte – das ist nicht zu fassen“, wertete ein US-Experte die Situation damals.

    Was das Unglück mit der norwegischen Fregatte angeht, so können mehrere Faktoren dafür maßgeblich gewesen sein, sagt Flottenadmiral Wladimir Komojedow, ehemaliger Kommandeur der russischen Schwarzmeerflotte.

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    „Ein ungeschicktes Manöver oder schlechtes Wetter kann dazu geführt haben, dass die Fregatte dem Tanker gefährlich nah kam. Aber es ist ja die Aufgabe des Steuermanns, Kollisionen zu vermeiden. Ich würde jetzt dazu raten, erstmal weitere Details zum Unfallhergang abzuwarten. Aber eins kann ich sagen: Wir sehen hier einen Mangel an Können und Geschick der norwegischen Besatzung“, so der ehemalige Admiral.

    Der Brigadekapitän Michail Nenaschew sagt, es könne noch ein anderer Umstand den Unfall verursacht haben: „Die norwegische Flotte ist sehr klein. Von den fünf Fregatten und fünf U-Booten, die sie haben, sind, soviel ich weiß, nur je zwei einsatztauglich. Die gesamte norwegische Marine ist nichts weiter als nur ein Unterstützungsverband der Nato zur Aufklärung der russischen Nordmeerflotte. Den Norwegern kann also schlicht die Erfahrung fehlen, um Unfälle auf See zu vermeiden.“

    Schwedische Soldaten (Archivbild)
    © AFP 2018 / SOREN ANDERSSON / TT NEWS AGENCY
    Beide Experten betonen aber: „Man soll jetzt keine voreiligen Schlüsse ziehen und glauben, die Zwischenfälle bei der Nato-Übung seien ein Anzeichen für die angebliche Inkompetenz der Nato-Matrosen“, sagt Nenaschew.

    „Von einem Chaos oder von Unfähigkeit kann bei den Seestreitkräften der Nato keine Rede sein. Die Norweger, die Amerikaner, die Briten – sie alle sind wirklich gute Seefahrer“, betont Admiral Komojedow.

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    Tags:
    Fregatte, Kollision, Flotte, Manöver, Marine, Tu-142, NATO, Norwegen, USA