17:33 14 Dezember 2018
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    Chinesicher Zerstörer Hefei auf Reede von St. Petersburg (Archivbild)

    1:0 für Peking: US Navy kreuzt im strittigen Gebiet – China pariert und gewinnt

    © AFP 2018 / Olga Maltseva
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    Swobodnaja Pressa
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    Was sich vor wenigen Wochen im Südchinesischen Meer zwischen der US Navy und der chinesischen Marine abgespielt hat, zeigt: Die USA scheuen einen offenen Konflikt mit der Volksrepublik und geben lieber nach, statt eine Kollision mit den Chinesen zu riskieren, schreibt das Portal „Swobodnaja Pressa“.

    „Bitte geht, um Missverständnisse zu vermeiden“ – so klingt die schärfste Warnung an die USA, die sich China bislang erlaubte. Die chinesische Flugabwehr richtete diesen Funkspruch 2015 an einen Seefernaufklärer der US Navy vor der Küste Chinas. Was ein chinesischer Marinekapitän vor wenigen Wochen einem amerikanischen Kollegen im Südchinesischen Meer an den Kopf geworfen hat, hört sich dagegen schon ganz anders an.

    Seit sieben Jahren fährt die US-Marine regelmäßig Einsätze im Südchinesischen Meer, unter anderem unweit der Spratly-Inseln. 2011 ordnete der damalige US-Präsident Obama die Missionen an, die seitdem unter dem Namen „Freedom of Navigation“ (FONOP) stattfinden.

    Pearl Harbor
    © AP Photo / The Honolulu Advertiser/ Dennis Oda
    Donald Trump hat die Missionen nicht gestoppt, sondern sogar noch verstärkt. Die US-Marine werde überall dort Flagge zeigen, „wo die Schifffahrt durch internationales Recht zulässig ist“, heißt es dazu vom Pentagon. Dabei fahren Kriegsschiffe der US Navy näher als zwölf Meilen an die Inseln heran.

    China betrachtet das umstrittene Gebiet als seine Hoheitsgewässer – die USA aber wollen offenbar zeigen, dass sie es weiterhin als internationales Territorium ansehen. Bislang habe China immer „richtig reagiert“ und die sichere Fahrt der US Navy im Südchinesischen Meer zugelassen, so das Pentagon.

    Mit anderen Worten: Amerika will wieder einmal zeigen, wer im Südchinesischen Meer das Sagen hat. Über die Missionen der US Navy wurde die chinesische Marine im Vorfeld informiert. Doch nach dem Handelskrieg gegen die Volksrepublik, den die US-Regierung vom Zaun gebrochen hat, reagieren die Chinesen deutlich harscher auf den amerikanischen Besuch.

    „Ihr habt einen gefährlichen Kurs eingeschlagen. Wenn ihr den Kurs nicht ändert, wird euer Schiff die ganzen Folgen zu spüren bekommen“ – so etwas musste sich in letzter Zeit sicherlich kein US-Kapitän anhören.

    Genau das sagte aber der Kommandeur des chinesischen Zerstörers „Luyang“ seinem Kollegen auf dem US-Zerstörer „Decatur“, als er vor wenigen Wochen im Südchinesischen Meer dessen Weiterfahrt blockierte.

    In der Nähe der Gaven Reefs – einer 1988 zu chinesischem Gebiet erklärten Inselgruppe – ist die „Luyang“ dem US-Zerstörer praktisch vor den Bug gefahren, um ihn zum Umdrehen zu zwingen.

    Das Manöver ist in einem Video zu sehen, das die „Morning Post“ aus Hongkong veröffentlicht hat: Auf gerade einmal 16 Meter nähert sich das chinesische Kampfschiff der „USS Decatur“. Die Amerikaner geben klein bei, um einen Zusammenstoß zu vermeiden.

    Hintergrund dieser Aktion ist, dass die USA am 29. September 2018 ankündigte, Kampfjetkomponenten nach Taiwan zu liefern. Um von dem umstrittenen Deal und Pekings berechtigter Kritik daran abzulenken, hatte die US Navy ihren Zerstörer zu den Spratly-Inseln entsandt, die von vier weiteren Staaten aus der Region beansprucht werden.

    Doch die Provokation ging nach hinten los: Dass ein chinesischer Zerstörer einem US-Schiff Konsequenzen androht, hat es schon lange nicht mehr gegeben. Ein Sprecher der US-Pazifikflotte sagte, die „Luyang“ habe ein „unsicheres und unprofessionelles Manöver“ gefahren.

    Klingt irgendwie kraft- und zahnlos… Und macht deutlich, dass die Vereinigten Staaten zwar gern mit ihren Muskeln spielen, aber eine direkte Konfrontation doch lieber vermeiden – auch mit China, einem Gegner, der ihnen an Kampfkraft ziemlich unterlegen ist.

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    Tags:
    Inselstreit, Kriegsflotte, Eskalation, Marine, U.S. Navy, US-Pazifikflotte, Donald Trump, Südchinesisches Meer, USA, China