06:59 10 Dezember 2018
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    Projektmodell eines LNG-Terminals von Gazprom

    Flüssiggas-Markt: Russland kann Katar Führungsrolle streitig machen

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    Russland setzt auf die Flüssiggasproduktion. In den kommenden 20 Jahren könnte sie auf 100 Millionen Tonnen pro Jahr aufgestockt werden.

    Schwerpunkt auf LNG-Markt

    Kennzeichnend war in diesem Zusammenhang die jüngste Erklärung des russischen Energieministers Alexander Nowak, der Moskaus Interesse am Energiemarkt Thailands zeigte. Dieses Land gilt als aussichtsreicher Absatzmarkt für die Projekte des Konzerns Novatek auf der Halbinsel Jamal sowie für das Projekt „Sakhalin-2“ des staatlichen Energieriesen Gazprom.

    Moskaus aktives Vorgehen auf dem globalen LNG-Markt ist durch die Politik des Präsidenten Wladimir Putin bedingt. Dabei beansprucht Russland einen Marktanteil von 15 bis 20 Prozent (statt der aktuellen vier bis fünf Prozent).

    Es geht um einen LNG-Produktionsausbau um 50 bis 120 Millionen Tonnen, und für solche Mengen sind entsprechende Absatzmärkte nötig. Länder des Asien-Pazifik-Raums, insbesondere Thailand, würden für diese Rolle gut passen.

    Der stellvertretende Generaldirektor des russischen Fonds für nationale Energiesicherheit, Alexej Griwatsch, sagte, dass Thailand zwar ein relativ geringer LNG-Markt wäre, aber im Allgemeinen ist er nach seinen Worten überzeugt, dass dies eine positive Tendenz sei.

    Russland muss sich auf harte Konkurrenz auf dem LNG-Markt gefasst machen

    „Bei Thailand geht es zwar um einen nicht besonders großen Markt, und es wäre wohl kaum möglich, darauf den Hauptakzent zu setzen, besonders wenn man ihn mit dem chinesischen oder einem anderen Markt in dieser Region vergleicht. Dennoch ist es ein Schritt nach vorne“, stellte der Experte fest.

    Man muss sagen, dass die größten LNG-Verbraucher in der Welt Südkorea und Japan sind. Deshalb sind die Behauptungen der US-Politiker und —Experten, das amerikanische Flüssiggas könnte etwas auf dem europäischen Markt ersetzen, sinnlos: Denn das gesamte Flüssiggas wird aus der Alten Welt in den Asien-Pazifik-Raum befördert.

    Noch mehr als das: Der LNG-Marktanteil der Amerikaner in Europa beläuft sich auf weniger als ein Prozent, wo solche Länder wie Norwegen und Katar die Führungsrolle spielen.

    „Jedenfalls wird Thailand für Russland zu einer neuen Adresse, so dass es auch weiter seinen Erd- und Flüssiggasexport diversifizieren  könnte. Deshalb sind die Pläne des Energieministeriums ein sehr gutes Zeichen“, so Griwatsch.

    LNG-Bedarf der Asien- und Pazifik-Länder wird immer größer

    Der Branchenkenner verwies zugleich darauf, dass Russland in Thailand mit der Konkurrenz rechnen müsste: Novatek habe ziemlich lange mit dem dortigen Konzern PTT über ein längerfristiges Zusammenwirken verhandelt, jedoch erfolglos. „Inzwischen hat Thailand aber mehrere Abkommen mit Katar, dem Primus des LNG-Marktes. Das ist aber auch kein Wunder: Katar liegt näher als Russland, und die Zuverlässigkeit der Lieferwege spielt eine wichtige Rolle“, betonte Griwatsch.

    Was den Asien-Pazifik-Raum selbst angeht, so erwartet der Experte, dass die LNG-Nachfrage wegen des unaufhaltsamen Wachstums der dortigen Wirtschaften immer größer sein werde. Allerdings hänge vieles von der Konjunktur ab. Aber gerade in dieser Region sei das Problem sehr akut, wie der Steinkohleverbrauch verringert werden könnte.

    Besonders krass sei das Beispiel Chinas, wo das Smog-Problem in der kalten Jahreszeit enorm groß sei. Und es lasse sich eben auf den riesigen Steinkohleverbrauch zurückführen, so Griwatsch.

    Wirtschaftswachstum im Asien-Pazifik-Raum atemberaubend

    Der Dozent Pjotr Zwetow von der Diplomatischen Akademie beim Außenministerium Russlands bestätigte, dass Russland sehr gute Perspektiven habe, auf dem wachsenden Gasmarkt der Asien-Pazifik-Länder mitzumischen.

    Eine andere Frage sei allerdings, dass vieles von der Qualität des russischen Angebots abhänge, ergänzte der Experte. Es gehe darum, ob die dortigen Länder die Bedingungen attraktiv finden, die ihnen Moskau bieten könnte. Positiv sei allerdings, dass der gesamte LNG-Markt im Asien-Pazifik-Raum laut Prognosen in den kommenden 20 Jahren um 200 Millionen Tonnen wachsen könnte.

    „Die Länder dieser Region pflegen sehr intensive Kontakte mit den USA, Japan, Südkorea und Westeuropa. Deshalb stehen in dieser Frage die rein kommerziellen Interessen im Vordergrund. Falls wir ihnen lukrative Angebote aus der Sicht des Preises, der Lieferungsbedingungen usw. machen werden, würden die Länder dieser Region Flüssiggas in Russland kaufen“, konstatierte Zwetow.

    Sollten aber die kommerziellen Bedingungen weniger attraktiv sein, würden Moskau selbst seine politischen Partnerschaften wohl nicht helfen, ergänzte der Branchenkenner.

    „Diese Länder entwickeln sich im Unterschied zu Europa und Amerika enorm intensiv und brauchen deshalb immer neue Energieträger, und zwar egal welche – und das ist offensichtlich“, resümierte Experte Griwatsch.

    Dementsprechend sei Flüssiggas gerade die Ware, die auf diesem regionalen Markt wirklich gefragt sei, fügte er hinzu.

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    Tags:
    Marktkonkurrenz, LNG, Gaslieferungen, Jamal-SPG, Gazprom, Wladimir Putin, asiatisch-pazifische Region, Fernost, Pazifik, Thailand, Japan, Südkorea, USA, Russland, China