02:58 11 Dezember 2018
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    Deutschlands Eurofighter Typhoon (Archiv)

    Machtlose Bundeswehr: Warum der Eurofighter gegen das russische S-400 nichts tun kann

    © AP Photo / Mindaugas Kulbis
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    Swobodnaja Pressa
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    Wenn es darum geht, die russische Flugabwehr auszuschalten, kann sich die Nato auf die Bundeswehr nicht verlassen, schreibt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Das Portal „Swobodnaja Pressa“ geht der Sache auf den Grund: Was ist nur los mit den Eurofightern, den teuersten deutschen Kampfjets aller Zeiten?

    Die deutsche Luftwaffe sei „derzeit nicht in der Lage, moderne russische Luftabwehrsysteme wirksam zu bekämpfen“, so die „FAZ“. Das liegt nicht allein an der hervorragenden Leistung russischer Flugabwehrsysteme, sondern auch an den Schwächen des Eurofighters, schreibt das Portal „Swobodnaja Pressa“.

    Vier EU-Länder haben den Kampfjet gemeinsam entwickelt: Deutschland, Großbritannien, Spanien und Italien. Mit dem Eurofighter ist dem Konsortium ein im Großen und Ganzen gutes Flugzeug gelungen: „Der Eurofighter hat ein beeindruckendes Tempo von 2,3 Mach, die Dienstgipfelhöhe liegt bei 20 Kilometern, mit bis zu 315 Metern pro Sekunde steigt der Kampfjet in die Höhe – das alles bei ordentlicher Reichweite von 1.400 Kilometern“, schreibt das Portal.

    Aber: Ausgelegt wurde der Eurofighter ursprünglich nur als Jagdflugzeug. Daraus erklären sich die hervorragenden Flugeigenschaften des europäischen Kampfjets. Erst im Nachhinein entschied sich die Bundeswehr, die wenigen Jäger auch zur Bekämpfung von Bodenzielen einzusetzen.

    Nachträglich wurden die Bordsysteme des Eurofighters so überarbeitet, dass damit laut dem Portal auch der Einsatz von Luft-Boden-Raketen und freifallenden Bomben möglich wurde. Mehr noch: Die Flugzeuge wurden auch mit einer Anti-Radar-Rakete zur Bekämpfung von Flugabwehrstellungen bestückt.

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    Am russischen Flugabwehrsystem S-400 kommt der Eurofighter trotzdem nicht vorbei. Schon mit dem älteren S-300-System haben westliche Kampfflugzeuge erhebliche Probleme, wie das Beispiel Israels zeigt. Seitdem Russland seine S-300 nach Syrien geliefert hat, scheut sich die israelische Luftwaffe ihre Tarnkappenjets F-35 in den syrischen Luftraum zu schicken.

    Selbst die israelischen Stealth-Fighter sind für das ältere Flugabwehrsystem nicht unsichtbar. Den Eurofighter erkennt das S-300-System erst recht, weil dessen Radarsignatur nur unwesentlich geringer ist als die einer Su-35 oder MiG-35. Ein umso kleineres Problem ist der deutsche Kampfjet für das neuere S-400-System.

    Da der Eurofighter jedoch mit Anti-Radar-Waffen bestückt werden kann, wäre ein Einsatz des deutschen Kampfflugzeugs gegen die russische Flugabwehr zumindest theoretisch denkbar. Was wäre von einem solchen Zweikampf zu erwarten?

    Der Eurofighter setzt zwei Typen von Anti-Radar-Waffen ein, schreibt das Portal: Eine AGM-88 HARM aus amerikanischer Produktion und eine ALARM aus britischer Fertigung. Die HARM-Rakete erreicht ein Tempo von 2.300 Kilometern und hat einen Wirkungsradius von rund 110 Kilometern.

    Seit 1983 ist der Flugkörper im Einsatz und wurde seitdem mehrfach modernisiert. Er kann eine Radarstation selbst dann noch bekämpfen, wenn sie abgeschaltet oder deren Frequenz nach Zufallsprinzip verändert wurde.

    Die britische ALARM-Rakete ist auch nicht mehr die jüngste, wird sie doch seit 1991 bei der Luftwaffe eingesetzt. Höchsttempo: 2.500 Stundenkilometer. Die Reichweite liegt bei rund 100 Kilometern.

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    Die ALARM ist vielmehr eine Gleitbombe denn ein Flugkörper: Nach dem Start fliegt die Rakete in 20 Kilometer Höhe und öffnet einen Fallschirm. Im Sinkflug sucht die Rakete die Radarstrahlung möglicher Flugabwehrstellungen. Ist ein Ziel identifiziert stürzt die Rakete sich nahezu senkrecht darauf.

    Derart bewaffnet wäre ein Eurofighter also durchaus gefährlich – aber nur für eine technisch unausgereifte Flugabwehr. Beim Zusammenstoß mit den russischen S-400-Systemen stellt sich die Sache ganz anders dar.

    Zu einem Zweikampf käme es gar nicht erst, weil die russische Flugabwehr den deutschen Kampfjet erwischen würde, noch bevor er seine HARM- oder ALARM-Rakete abfeuern könnte. Je nach eingesetzter Abfangrakete liegt der Aktionsradius eines S-400 bei 150 bis 400 Kilometern. Der Eurofighter müsste weit in den Wirkungsbereich der russischen Flugabwehr hineinfliegen, um sie überhaupt bekämpfen zu können.

    Von einem S-400 beschossen, könnte ein Eurofighter sich nicht mal mehr durch seine Wendigkeit retten. Die Belastungsgrenze dieses Kampfjets liegt – trotz eingebauter Schubvektorsteuerung – bei maximal 9G. Die Abfangrakete eines S-400 fliegt jedoch Manöver, die eine Belastung von 20G erfordern, bei einer Geschwindigkeit von bis zu 2.500 Metern pro Sekunde.

    Doch von all dem abgesehen: Allein schon die technische Ausstattung der deutschen Luftwaffe macht das Ausschalten der russischen Flugabwehr in jeder Hinsicht unmöglich. Laut deutschen Medien sind von den 130 deutschen Eurofightern nur acht wirklich einsatzfähig, schreibt das Portal. Die Zahl spricht für sich.

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    Tags:
    Kampfjet, Luftwaffe, Raketenabwehrsystem S-400, Eurofighter Typhoon, F-35, Bundeswehr, Deutschland, Russland