10:59 11 Dezember 2018
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    kubanische Soldaten (Archiv)

    Waffenbündnis mit Kuba? „Da kommt Russland sicher noch hin“

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    Swobodnaja Pressa
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    Russland könnte Truppen auf Kuba stationieren, sollte Washington aus dem INF-Vertrag aussteigen. Das schürt Ängste im Westen, schreibt das Portal „Swobodnaja Pressa“. Wohl nicht ohne Grund, sagen Experten.

    Dass die Ängste im Westen womöglich nicht unbegründet sind, zeigt laut dem Portal der jüngste Besuch des kubanischen Staatschefs in Moskau. In der russischen Hauptstadt traf sich Miguel Diaz-Canel mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Besprochen haben die Politiker auch eine mögliche Zusammenarbeit im Militärbereich.

    Nach dem Treffen der beiden Staatschefs berichtete eine britische Zeitung laut dem Portal, Russland könnte eine einst geschlossene Aufklärungsstation reanimieren und weitere Stützpunkte auf der Karibikinsel bauen.

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    „Absolut grundlos sind derlei Befürchtungen sicher nicht“, sagt der Politologe Alexander Perendschijew laut dem Portal. „Ich denke, Russland betrachtet Kuba letztlich auch als einen zuverlässigen militärischen Partner.“ Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu habe bereits erklärt, eine militärische Zusammenarbeit mit Kuba sei notwendig. „Schließlich tun die USA alles, um Russland einzukreisen – ob mit Stützpunkten und feindlichen Regimen, siehe die Baltischen Staaten, Georgien und die Ukraine“, so der Experte.

    Die britische Zeitung schreibt laut dem Portal, Russland könnte die Aufklärungsstation in Lourdes wieder in Betrieb nehmen. Macht das überhaupt Sinn?

    „Ja, sicher. Für Russland ist es überlebenswichtig, einen Aufklärungsposten auf Kuba zu haben“, sagt der Experte Perendschijew. „Was außerdem noch getan werden könnte, wäre ein Marinestützpunkt wie im syrischen Tartus und eine Luftwaffenbasis wie in Hmeimim. Vielleicht noch ein Truppenkontingent, extra für Spezialeinsätze trainiert – für den Fall, dass die USA zu drohen anfangen.“

    Und eigentlich „ist es längst an der Zeit, dass Russland und Kuba ein Abkommen schließen, welches die Russen dazu verpflichtet, Kuba im Angriffsfall zu schützen. Aber ich denke, da kommen wir wieder hin, wie es aussieht.“

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    Die Frage ist allerdings, wie das Portal schreibt, ob Russland sich ein neues Wettrüsten überhaupt leisten kann. Dazu sagt der Experte: „Ein Wettrüsten, wie es einst zwischen den USA und der Sowjetunion war, wird es natürlich nicht mehr geben. Damit ging es um Quantität: Wer hat mehr Flugzeuge, mehr Schiffe, mehr Raketen usw. Heute geht es um etwas ganz Anderes: Ein Wettrüsten im Innovationsbereich – es geht um die Qualität, nicht um die Quantität.“

    In der russischen Militärdoktrin steht es laut dem Experten ganz klar drin: Es müssen so viele Waffen vorhanden sein, dass eine Bedrohung zurückgeschlagen werden kann. Nicht mehr und nicht weniger.

    In dieses Konzept passt Kuba sehr gut: „Wenn die USA aus dem INF-Vertrag aussteigen und Mittelstreckenraketen nach Europa bringen, werden wir natürlich unsere Raketen so nah wie möglich an den amerikanischen Grenzen stationieren müssen. Kuba ist in dieser Hinsicht bestens geeignet.“

    Das könnte in der Tat bedrohlich klingen. Ist wieder eine „Kuba-Krise“ möglich? Politikexperte Stanislaw Byschok vom Thinktank GIS-EMO sagt, sehr viel wichtiger sei etwas ganz Anderes: „Die Kuba-Krise fand in einer bipolaren Welt statt, in Zeiten einer handfesten ideologischen Konfrontation. In unserer digitalen Welt von heute besteht die Gefahr nicht darin, ob Washington oder Moskau einen Atomknopf drückt. Die Frage ist, ob wir die Gefahr wirklich ausschließen können, dass auf der einen Seite zufällig Raketen abgefeuert werden und automatische Systeme auf der anderen Seite einen Gegenangriff starten.“

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    Tags:
    Präsenz, Militär, Truppen, Zusammenarbeit, INF-Vertrag, Miguel Diaz-Canel, Sergej Schoigu, Wladimir Putin, Westen, Kuba, USA, Russland