11:29 10 Dezember 2018
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    Schrauben des Flugzeugträgers „Charles de Gaulle“ (Archiv)

    Kriegsschiffe im Vergleich: „Queen Elizabeth“ vs. „Charles de Gaulle“

    © REUTERS / Jean-Paul Pelissier/File Photo
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    Dem „Briten“ fehlt die Flugweite der Kampfjets, der „Franzose“ neigt zu spontanen Pannen.

    Zum letzten Mal gab es Auseinandersetzungen zwischen Briten und Franzosen auf hoher See noch im 19. Jahrhundert. Damals zerschlug die Flotte von Admiral Nelson die französischen Schiffe. Zuvor hatte er auch Spanien bezwungen. Damit gewann er für seine Heimat den Titel „Herrscher der Meere“.

    Alles änderte sich aber 1945. Nach dem Zweiten Weltkrieg musterten die Briten immer mehr alte Schiffe aus, während immer weniger neue Schiffe vom Stapel liefen.

    Seit dieser Zeit spielten die USA immer mehr die „erste Geige“, und zu ihrer wichtigsten Waffe auf hoher See wurden gewaltige Flugzeugträger. Dabei hatte Westeuropa überhaupt keine Schiffe in dieser Größenordnung.

    Nur die Franzosen wagten es, die USA auf diesem Gebiet herauszufordern. 1994 wurde ihr Stolz, der Flugzeugträger  „Charles de Gaulle“, gebaut. Bis 2017 blieb das das einzige Schiff dieses Typs in der ganzen Alten Welt. Aber dann lief der neuste britische Flugzeugträger, HMS „Queen Elizabeth“ R08, vom Stapel.

    Angesichts dessen stellt sich die Frage: Was wäre, wenn sich die Schlacht bei Trafalgar wiederholen würde?

    Auf den ersten Blick

    Die „Charles de Gaulle“ ist der wahre Stolz der französischen Marine. Das langjährige Flaggschiff der Fünften Republik, das stärkste Kriegsschiff der Alten Welt. „Unbesiegbarer Poseidon“ – so wird es im Tuileries-Palast genannt.

    Allerdings stellte sich schon bald nach dem Stapellauf heraus, dass der 138 Meter lange und 29 Meter breite Flugzeugträger etliche Probleme hatte. Zudem kappte die französische Regierung 1995 die Finanzierung, so dass die „Charles de Gaulle“ erst 1999 auf hohe See gehen konnte.

    In London verband man mit dem Flugzeugträger „Queen Elizabeth“ anfangs große Hoffnungen. Er wurde immerhin nicht umsonst nach der großen Elizabeth I. (1558 bis 1603) benannt, der das Vereinigte Königreich den Titel des „Herrschers der Meere“ zu verdanken hatte.

    Die flugzeugtragende „Queen“ sollte die veralteten leichten britischen Flugzeugträger der Invincible-Klasse ablösen. Die Bauarbeiten begannen im schottischen Rosyth Dockyard 2009. Im Jahr 2017 erfolgte der Stapellauf.

    Klassik, die der Innovation gleich ist

    Die „Queen Elizabeth“ hat gleich zehn Decks.  Das höchste – die Landepiste – wurde wesentlich vergrößert. Die wichtigste Besonderheit der „Queen“ ist die 13-Grad-Schanze, die sich für Kurzstart-Kampfjets eignet.

    Eine weitere Abweichung von der „Klassik“ machen zwei kleine Aufbauten (statt eines, aber eines großen) aus. Das hat einen großen Vorteil: Im vorderen Aufbau arbeitet die Besatzung, die das Schiff lenkt, und im hinteren sitzen die Flugleiter.

    Die „Charles de Gaulle“ hat im Unterschied zur „Queen Elizabeth“ das traditionelle Schema – mit einem großen Aufbau am rechten Bord. Sie hat einen geschweißten Rumpf, der in mehrere wasserdichte Abteilungen aufgeteilt ist, so dass das Schiff im Falle des Flutens von drei benachbarten Abteilungen nicht sinkt. Es hat auch einen Doppelboden. Der Meiler, die Munitions- und die Brennstoffbehälter  sind gepanzert.

    Das „Herzstück“ jedes Flugzeugträgers ist der Hangar. Die „Charles de Gaulle“ hat einen eingeschossigen Hangar, der für 25 Flugzeuge und Hubschrauber geeignet ist. Hier befinden sich auch der Wartungsraum und das Munitionslager für insgesamt 550 Tonnen. Im Hangar des britischen Flugzeugträgers können bis 40 Kampfjets untergebracht werden: Der „Brite“ ist immerhin um 23 Meter länger als der „Franzose“.

    Die „Charles de Gaulle“ hat zwei Dampfschleudereinrichtungen C-13F, so dass gleich zwei Kampfjets pro Minute gestartet werden können. Allerdings gibt es eine wesentliche Beschränkung: Der Start bei gleichzeitiger Landung ist unmöglich. Die „Queen Elizabeth“ ist dafür aber geeignet. Sie hat aber keine Dampfschleuder – und das ist ein wichtiger Nachteil.

    Fazit:

    Einen definitiven Spitzenreiter gibt es nicht – die beiden Flugzeugträger sind im Großen und Ganzen ziemlich gut.

    „Atomherz“ vs. Gasturbine

    Die „Charles de Gaulle“ ist der einzige atombetriebene Flugzeugträger in der ganzen Alten Welt. Sie verfügt über zwei Atommeiler K15 mit einer gesamten Kapazität von 21,4 MW. Das Schiff kann eine Geschwindigkeit von 50 km/h erreichen.

    Eine Aufladung der Atombatterie reicht für etwa sechs Jahre. In dieser Zeit kann das Schiff zwölf Weltreisen bei einer Geschwindigkeit von 25 Knoten absolvieren.

    Die Briten haben ihrerseits auf ein nukleares Triebwerk verzichtet und sich für das integrierte Elektro-Triebwerk „Integrated Electric Propulsion“ (IEP) entschieden. De facto geht es um zwei Gasturbinen Rolls-Royce Marine MT30 von je 36 MW. Die Geschwindigkeit ist mit der des „Franzosen“ vergleichbar: 48 km/h.

    Allerdings hat die „Charles de Gaulle“ eine Besonderheit, die einen wichtigen Vorteil gegenüber der „Queen Elizabeth“ ausmacht: das selbsttätige Stabilisierungssystem SATRAP. Das ist im Grunde das digitale „Gehirn“, das mithilfe spezieller Gegengewichte jegliche Hindernisse ausgleicht: Wind, Schlingern, Krängung. Selbst beim Seegang 6 dürfen Kampfjets starten und landen. 

    Noch mehr als das: Der „Franzose“ hat einmalige Propeller, die gleichzeitig als Dämpfer und Vibrationsabsorber dienen. Allerdings fiel einer der Propeller während eines Manövers bald nach dem Stapellauf wegen der mangelhaften Qualität der Werkstoffe aus – wodurch in Frankreich ein großer Korruptionsskandal ausgelöst wurde.

    Die „Queen Elizabeth“ hat ein zuverlässigeres Triebwerk. Die Ironie des Schicksals für die Franzosen: Die Propeller wurden im französischen Nantes hergestellt.

    Fazit:

    Die „Charles de Gaulle“ ist besser aus der Sicht der Festigkeit. Die „Queen Elizabeth“ ist aber zuverlässiger und deshalb sicherer.

    Kampfjets und Landungskräfte

    Und nun das Wichtigste: Die „Queen Elizabeth“ wurde so konstruiert, dass sie Kampfjets der fünften Generation an Bord nehmen kann.

    Die Kampfjet-Gruppierung bilden US-amerikanische Senkrecht- bzw. Kurzstartmaschinen Lockheed Martin F-35B. Aber neben 24 Flugzeugen dieses Typs kann die „Queen“ auch noch 14 britische Hubschrauber Merlin tragen.

    Außerdem kann der britische Flugzeugträger Hubschrauber AH-63 „Apache“, AW159 „Wildcat“ und sogar CH-47 „Chinook“ an Bord nehmen, und zwar weil die „Queen Elizabeth“ auch an Küsteneinsätzen teilnehmen kann. Dafür gibt es an Bord Platz für 900 Marineinfanteristen.

    Allerdings gibt es Probleme mit der Reichweite der Einsätze der Kampfjets von der „Queen Elizabeth“. Denn eine F-35B-Maschine kann höchstens etwa 833 Kilometer vom Flugzeugträger fliegen. Selbst bei dem französischen „Rafale“-Kampfjet vierter Generation beträgt diese Entfernung 1400 Kilometer. Deshalb halten viele Experten auf der Insel diesen Aspekt für einen wichtigen Nachteil – denn für einen Flugzeugträger ist die Schlagweite ein entscheidender Faktor.

    Die „Charles de Gaulle“ ist im Unterschied zur „Queen Elizabeth“ mit reinen „Franzosen“ bestückt: Sie kann bis zu 25 Kampfjets an Bord nehmen – Jagdbomber „Rafale M“, Kampfjets „Super Étendard“, Aufklärungsflugzeuge „Grumman E-2 Hawkeye“ sowie Hubschrauber  SA-365 und „Cougar“.

    Zudem finden 800 Marineinfanteristen an Bord der „Charles de Gaulle“ Platz.

    Fazit:

    Obwohl der britische Flugzeugträger nur für superneue und effiziente Kampfjets der fünften Generation bestimmt ist, sind die Fliegerkräfte der „Charles de Gaulle“ stärker und effizienter.

    Schnellfeuer-Maschinengewehr vs. Fla-Komplex

    Die „Achillesferse“ der „Queen Elizabeth“ scheinen ihre Defensivwaffen zu sein. Sie ist nur mit drei Schnellfeuer-Maschinengewehren Phalanx CIWS (20-Millimeter-Kaliber) gerüstet. Ihre Aufgabe ist, Anti-Schiffs-Raketen mit Unterschall- und Überschallgeschwindigkeit zu bekämpfen.

    Zudem gibt es an Bord nur vier 30-Millimeter-Maschinenpistolen DS30M Mk2 und ein paar Maschinengewehre. Diese sind für den Kampf gegen Terroristen und Piraten geeignet.

    Für diese schwachen Defensivwaffen bei der enormen Größe gilt der britischen Flugzeugträger als bequeme Zielscheibe.

    Die Waffen des „Franzosen“ sind vor diesem Hintergrund überzeugender – sie entsprechen den Waffen eines kleinen Zerstörers. So hat er insgesamt sechs Senkrechtstart-Raketenanlagen Aster-15, deren Reichweite etwa 30 Kilometer beträgt. Zudem verfügt die „Charles de Gaulle“ über acht 20-Millimeter-Artillerieanlagen Giat 20F2, deren Kadenz 720 Schüsse pro Minute ausmacht.

    Fazit:

    Die „Charles de Gaulle“ ist in dieser Hinsicht wesentlich besser als die „Queen Elizabeth“.

    Überraschendes Fazit:

    Im Herbst machte die britische Marine eine wahre Sensation publik: Die neueste „Queen Elizabeth“ hat zwei Kampfjets Lockheed Martin F-35B „Lightning II“ an Bord genommen.

    Und ihr französisches Pendant, die „Charles de Gaulle“, weilte zu diesem Zeitpunkt in einer Werft bei Toulon, wo das Schiff repariert werden musste. Die Regierung in Paris scheint sehr enttäuscht zu sein, dass der Flugzeugträger abgeschrieben werden könnte.

    Stattdessen wollen die Franzosen einen neuen britischen Flugzeugträger des Typs „Queen Elizabeth“ kaufen.  Der Grund für diese schockierende Entscheidung: die endlosen Probleme und Pannen, die in den ersten Jahren nach dem Stapellauf aufgetaucht waren.

    Und dieser Schritt wäre durchaus nachvollziehbar: Trotz aller Vorteile der „Charles de Gaulle“ hat sie einfach zu viel Zeit in Reparaturdocks verbracht. Während die „Queen Elizabeth“ allmählich in Schwung kommt.

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    Tags:
    Vergleich, Flotte, Flugzeugträgers HMS Queen Elizabeth, Flugzeugträger „Charles de Gaulle, Frankreich, Großbritannien