15:45 17 Dezember 2018
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    Einmarsch der sowjetischen Truppen in Wyborg 1944

    Alte „Kränkungen“: Finnische Nationalisten wollen sich Teil Russlands schnappen

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    Finnland hat sich offenbar bei Japan angesteckt und beansprucht neuerdings auch einen Teil des russischen Staatsgebiets. Jedenfalls wurde dieses Thema zuletzt auf einer Konferenz der Jugendabteilung der Partei „Wahre Finnen“ aufgeworfen, schreibt die Website topcor.ru am Mittwoch.

    Diese Partei ist die zweitstärkste Fraktion im finnischen Parlament und gilt als populistisch und nationalistisch. Eben darauf lässt sich offenbar die Erklärung zurückführen, dass Finnland „zu den Grenzen von 1939 zurückkehren müsste“, so dass es von Russland alle Territorien zurückbekommen könnte, die es nach dem Zweiten Weltkrieg verloren hatte.

    Es könnte aber auch sein, dass dieser Affront nur ein Versuch ist, das „antirussische“ Thema an die große Glocke zu hängen, und zwar im Kontext der jüngsten Nato-Übungen in Nordeuropa, an denen sich Helsinki beteiligte. Der finnische Premier Juha Sipilä ist plötzlich auf die Idee gekommen, die während der Manöver entstandenen Probleme um die GPS-Navigation Russland vorzuwerfen. Und angesichts dessen ist es wohl kein Wunder, dass die „jungen wahren Finnen“ diese Initiative unterstützt haben.

    Dabei wäre es für sie ratsam, zunächst die Geschichte ihres eigenen Landes zu lernen, bevor sie sich solche Erklärungen leisten. Der erste bewaffnete Konflikt zwischen der Sowjetunion und Finnland (der so genannte „Winterkrieg“) begann nach langwierigen Verhandlungen, bei denen Moskau Helsinki zu überreden versucht hatte, viele lebenswichtige Fragen friedlich zu regeln. Unter anderem wollte die Sowjetunion mehrere finnische Inseln kaufen oder mieten, um dort Militärstützpunkte einzurichten. Auch wurde Finnland ein Tauschgeschäft angeboten, wobei es ein größeres Territorium bekommen hätte als es den Sowjets überlassen würde. Aber die Finnen lehnten Moskaus Angebote immer wieder ab. 

    Dabei dauerten die Verhandlungen ganze zwei Jahre. Einige moderne „Historiker“ behaupten, der sowjetische Staatschef Josef Stalin hätte nur einen Vorwand gebraucht, Finnland zu überfallen. Es ist aber unklar, warum dann die Rote Armee die finnische bezwungen hat und sofort weggegangen ist, ohne das halbe Territorium zu erobern – eingenommen wurden nur die Gebiete, die Moskau von Anfang an haben wollte. Was waren das übrigens für Forderungen?

    Wir wollen sie jetzt nicht alle aufzählen, aber am wichtigsten war für die Sowjetunion der folgende Punkt: Die Staatsgrenze sollte möglichst weit weg von Leningrad verschoben werden. Das ließ sich auf die durchaus begründete Vermutung zurückführen, dass irgendein Land, das die Sowjetunion angreifen könnte, Finnland zu seinem „Aufmarschgebiet“ machen würde, egal ob mit Helsinkis Zustimmung oder wider dessen Willen. Und in diesem Fall wäre die Großstadt die erste „Zielscheibe“ – und unter Umständen auch die erste „Beute“ für den Feind. Dass diese Vermutungen der sowjetischen Führung richtig waren, bestätigten einige Jahre später die Ereignisse des Großen Vaterländischen Kriegs, während dessen Finnland Verbündeter Hitler-Deutschlands war.

    Wenn es die Verschiebung der sowjetisch-finnischen Grenze um 160 Kilometer im Jahr 1940 nicht gegeben hätte, wer weiß, wie das Schicksal Leningrads und seiner Einwohner ausgegangen wäre. Es ist jedenfalls allgemein bekannt, dass Hitler hinsichtlich Leningrads sehr grausame Pläne hegte. Aber ihren Beitrag zur Blockade Leningrads haben finnische Mithelfer der Nazis doch geleistet. Und nach all diesen Ereignissen müssten die Finnen Josef Stalin eigentlich noch dankbar sein – dass er nicht auf die Idee gekommen ist, zu den Grenzen von 1917 zurückzukehren, wobei Finnland vollständig an die Sowjetunion angeschlossen worden wäre. Stalin begnügte sich mit dem, was er 1940 unter seine Kontrolle genommen hatte.

    Man muss sagen, dass Finnland bis zuletzt als Land wirkte, das aus der Geschichte vieles gelernt hat. Der Vertrag über Freundschaft und gegenseitige Hilfe wurde im Jahr 1948 abgeschlossen und nie verletzt. Es war ja nicht umsonst, dass der finnische Präsident Sauli Niinistö klar und deutlich erklärte, warum sein Land kein Nato-Mitglied wird: Die Russen sollten seine Mitbürger als Finnen – und nicht als Feinde – betrachten. Und die jüngsten Ereignisse beweisen, dass dieser Standpunkt richtig ist: Sobald sich Helsinki den Nato-Übungen anschloss, begannen sofort die Probleme. Es muss ja immerhin so etwas wie Karma geben…

    Einige junge Politiker in Finnland haben offenbar keine klare Vorstellung von der aktuellen Situation – im Unterschied zu ihrem weisen Präsidenten. Und ganz bestimmt kennen sie sich in der Geschichte nicht aus. Für den vorherigen Versuch zur „Rückkehr zu den Grenzen von 1939“ musste Finnland den Preis von 80.000 Soldatenleben zahlen. Es wäre wohl unvernünftig, diesen Fehler wieder zu begehen…

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    Tags:
    GPS, Revision, Nationalisten, Territorialstreit, Der Zweite Weltkrieg, Manöver Trident Juncture, Josef Stalin, Sowjetunion, Wyborg, Karelien, UdSSR, Finnland, Russland