01:28 14 Dezember 2018
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    Flugabwehrsystem S-400 (Archiv)

    S-400 überzeugt: Länder stehen Schlange für Fla-Raketen aus Russland

    © Sputnik / Witalij Ankow
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    Swobodnaja Pressa
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    China, Indien, die Türkei… Große Armeen rund um den Erdball entscheiden sich für das Flugabwehrsystem S-400 – gegen die starke Konkurrenz aus den USA. Wie der Erfolg der russischen Technik zu erklären ist, dazu hat manch ein US-Experte einige geistreiche Einfälle, schreibt das Portal „Swobodnaja Pressa“.

    Ein S-400 kostet alles in allem rund 500 Millionen Dollar. Für einen Patriot-Verband muss der Kunde das Doppelte hinblättern. Und das neueste THAAD-Mobilsystem aus den USA ist drei Mal so teuer. Allein der Preis der russischen Technik ist also schon ein starkes Argument.

    Wie kann es aber sein, dass ein neuentwickeltes System deutlich günstiger ist, als seine älteren Rivalen? Der TV-Sender „CNBC“ hat eine Antwort darauf. Der Militärexperte Andrew Hunter sagte dem Sender laut dem Portal, mit einem Flugabwehrsystem aus den USA kaufe der Kunde mehr als nur eine Waffe: „Wenn ausländische Streitkräfte amerikanische Rüstungssysteme kaufen, dann erwerben sie gleichzeitig auch die Partnerschaft mit der US-Armee.“ So komme der Preisunterschied zustande.

    Der US-Experte nennt noch einen angeblichen Vorteil beim Kauf von US-Technik: Diese sei immer im Paket mit technischem Support zu haben – das russische System hingegen nicht.

    Nun hätte Hunter als Fachmann wissen müssen, schreibt das Portal, dass in einem S-400-Vertrag die Personalschulung, die technische Wartung, die Ersatzteillieferung und die Modernisierung bereits enthalten sind.

    Und was die „Partnerschaft mit der US-Armee“ angeht, so wäre es laut dem Portal ehrlicher von der „Loyalität der US-Regierung“ zu sprechen. Das ist die Eigenschaft, je nach politischer und wirtschaftlicher Konjunktur die Augen vor offensichtlichen Missständen zu verschließen.

    Aber vielleicht ist die Gunst des Weißen Hauses dem Kunden weniger wert als die handfesten Vorteile eines S-400? Wie sonst wäre es zu erklären, fragt das Portal, dass gegenwärtig über ein Dutzend Länder das russische Flugabwehrsysteme statt der amerikanischen kaufen wollen?

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    Das S-400 ist schließlich ein Mehrzwecksystem, welches alle statt nur einiger weniger Typen von Luftzielen abfangen kann. Mit Kampfjets wird es ebenso fertig wie mit schwebenden Hubschraubern, bodennah fliegenden Marschflugkörpern und ballistischen Raketen.

    Das russische Flugabwehrsystem ist mit sieben Raketen bestückt, die dem Einsatzzweck entsprechend jeweils unterschiedliche Reichweiten, Höhen und Geschwindigkeiten haben.

    Die größte Rakete trifft das Ziel in einer Entfernung von 400 Kilometern. Die schnellste Rakete fliegt 2.500 Meter pro Sekunde und fängt deshalb auch hyperschallschnelle Ziele ab. Die schwerste Rakete hat einen 180-Kilogramm-schweren Sprengkopf – gegenüber den 14,5 Kilo der leichtesten Abfangrakete.

    Manche Raketen sind hochmanövrierfähig und halten Belastungen von bis zu 22G aus. Sie sind nicht nur mit Leitflossen, sondern auch mit einer Schubvektorsteuerung ausgerüstet, um auch im erdnahen Orbit lenkbar zu bleiben.

    Zum Vergleich: Von den drei Raketen des Patriot-Systems ist ein Flugkörper zur Bekämpfung gegnerischer Radarstellungen bestimmt, die übrigen zwei sollen eigentlich alle Typen von Luftzielen und ballistische Raketen bekämpfen können.

    Eigentlich. Denn während das US-System mit Kampfflugzeugen relativ gut zurechtkommt, hat es mit tieffliegenden Marschflugkörpern und erst recht mit ballistischen Raketen erhebliche Schwierigkeiten. Die Amerikaner haben nämlich am Radar gespart: Das Patriot-System verfügt über eine einzige Radarstation.

    Die Anlage ist sowohl für die Erfassung von Zielen als auch für die Zielführung der Raketen zuständig. Die Betreiber von Patriot-Systemen müssen deshalb sowohl bei der Reichweite als auch bei der Reaktionszeit Abstriche machen.

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    Nur 300 Kilometer weit sieht das Radarauge des Patriots. In den Siebzigerjahren, als das System entwickelt wurde, wäre das akzeptabel – heute wirkt die Waffe hoffnungslos veraltet. Das russische S-400 verfügt hingegen über zwei Radarstationen zur Zielortung und Zielführung sowie über weitere Anlage zur Bekämpfung langsam und bodennah fliegender Objekte. Die Höchstreichweite des Warnradars beträgt 600 Kilometer.

    Der Patriot-Hersteller, der US-Rüstungskonzern Raytheon, hat kürzlich eine neue Version des Fla-Systems vorgestellt: die Patriot PAC 3. Damit seien höhere Trefferquoten möglich, so das Versprechen des Herstellers laut dem Portal.

    Die Einsatzanalysen des neuen Systems zeigen jedoch ein anderes Bild: Um eine uralte Scud-Rakete aus Sowjetzeiten abzufangen, verschießt ein Patriot PAC 3 der saudischen Streitkräfte im Schnitt bis zu vier Abfangraketen. Ein Treffer kostet also 12 Millionen Dollar – das ist der Preis für die vier Flugkörper.

    Eine bessere Anti-Werbung für das amerikanische System kann es nicht geben. Das erklärt, warum die indischen Streitkräfte das Angebot des US-Konzerns ausgeschlagen haben. Auch das THAAD-System hat die Verantwortlichen in Indien nicht überzeugt, ist es doch dafür konzipiert worden, ballistische Raketen in großen Höhen abzufangen.

    Gemäß dem Einsatzzweck verfügt das THAAD über eine Abfangrakete. Muss die indische Flugabwehr ein Flugzeug, einen Hubschrauber, einen tieffliegenden Marschflugkörper oder eine Drohne abwehren, sähe sie mit diesem Abwehrsystem alt aus. Und ganz nebenbei bemerkt: Eine Abfangrakete für das THAAD kostet 25 Millionen Dollar – soviel wie ein moderner Kampfjet.

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    Tags:
    Verkauf, Raketenabwehrsystem S-400, Luftabwehrsystem THAAD, Türkei, Indien, USA, Russland, China