08:23 10 Dezember 2018
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    Neandertaler (Archiv)Neandertaler (Symbolbild)

    Neue Erkenntnisse: So viel Sex hatten Neandertaler mit Menschen

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    Menschen haben sich mit Neandertalern nicht nur einmal, sondern offenbar viel öfter gepaart. Besonders häufig ist das in Ostasien passiert, wo die Einwohner 20 Prozent mehr Neandertaler-Gene haben als Europäer, was eine neue Studie ans Licht bringt.

    Im Genom der meisten Menschen gibt es etwa zwei bis sechs Prozent der Neandertaler-DNA, und das ist ein Beweis dafür, dass sich Menschen in einer gewissen Zeit mit Neandertalern gepaart haben. Früher ging man davon aus, dass eine solche Vermischung nur einmal passiert wäre. Aber Experten von der Temple University (Philadelphia, USA) behaupten jetzt, dass sich die genetischen Linien der Menschen und der Neandertaler mehrmals gekreuzt hätten. Die Ergebnisse der entsprechenden Studie wurden im Fachmagazin „Nature Ecology & Evolution“ veröffentlicht.

    Nach der Migration aus Afrika vermischten sich Menschen mit Neandertalern aus Europa und Asien. Die Menschen, deren Vorfahren in Afrika geblieben waren, haben keine Spuren von Neandertaler-DNA.

    Die Forscher haben die Verteilung der Neandertaler-DNA-Fragmente im Genom der heutigen Europäer und Ostasiaten analysiert. Als Basis galten dabei die Angaben des „1000 Genomes project“. Dabei stellte sich heraus, dass die Asiaten um zwölf bis 20 Prozent mehr Neandertaler-DNA haben als die Europäer.

    Mit einem Computer-Programm imitierten die Experten die Verteilung der Neandertaler-DNA bei unterschiedlicher Vermischungsintensität. Der erste Kontakt fand vermutlich bald nach der Trennung der Europäer- und Asiaten-Genome statt. Und dann folgten in jeder Population weitere „Wellen“ der Vermischung von Menschen und Neandertalern statt – schon unabhängig voneinander.

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    Nach Auffassung der Forscher zeugt das davon, dass sexuelle Kontakte zwischen Menschen und Neandertalern in Ostasien öfter stattfanden und dass es mehrere solche Perioden gab.

    „Ich glaube, dass es viel mehr solche Vermischungen gab als man bisher dachte“, sagte Dr. Joshua Schreiber, einer der Teilnehmer dieser Forschung. „Wenn zwei Gruppen im Laufe einer gewissen Zeit nebeneinander leben, dann wird es wohl sexuelle Kontakte zwischen ihnen geben.“

    „Das Szenario um mehrfache Vermischungen zwischen Homo sapiens und Neandertalern korreliert mit der neuen Ansicht in Bezug auf die komplizierten und häufigen Kontakte zwischen Gruppen von Menschenaffen“, äußerte der Genetiker Fabrizio Mafessoni.

    Es gibt aber auch andere Versionen. So könnten sich die genetischen Linien der Neandertaler und der Menschen nur ein einziges Mal überschnitten haben, dann jedoch verloren die Vorfahren der heutigen Europäer einen Teil der Neandertaler-Gene – aus demografischen Gründen oder wegen der natürlichen Auslese. Und eine andere Hypothese beinhaltet, dass Ureuropäer nach der Vermischung mit Neandertalern sich mit einer anderen Menschenpopulation vermischt haben könnten, so dass die Neandertaler-Gene durch menschliche ersetzt wurden.

    Darüber hinaus haben sich Menschen mit so genannten Denisova-Menschen vermischt, und zwar mehrmals.

    Die meisten Spuren der Denisova-Menschen lassen sich im Genom der Südostasiaten und Südchinesen finden. Bei der Entwicklung einer neuen Technik zum Vergleich der vollständigen Genome zwischen modernen Menschen und ausgestorbenen Gruppen entdeckte ein Forscherteam mit der Genetikerin Sharon Browning an der Spitze, dass die DNA-Spuren der Denisova-Menschen im Genom der Einwohner Ozeaniens und Ostasiens unterschiedlich sind.

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    Dann verglichen die Experten die DNA-Varianten, die sich vom Genom moderner Menschen unterscheiden, mit der DNA der Denisova-Menschen. Und dabei stellte sich heraus, dass das Genom der Südasiaten Spuren der DNA einer anderen Population der Denisova-Menschen enthält. Das könnte auf eine zweite Welle der Vermischung von Menschen und Denisova-Menschen hinweisen.

    Nach der Analyse von mehr als 5600 Genomen moderner Menschen aus Europa, Asien und Ozeanien stellten die Forscher fest, dass Ostasiaten mit Denisova-Menschen viel enger verbunden sind, als die Bewohner Ozeaniens. Das lässt die Experten vermuten, dass sich die Vorfahren der Bewohner Ozeaniens mit den südlichen Populationen der Denisova-Menschen vermischt hätten, und die Vorfahren der Ostasiaten mit nördlichen Populationen.

    Vermutlich vermischten sich auch Neandertaler und Denisova-Menschen miteinander.

    So haben deutsche Archäologen in einer Höhle im russischen Altai-Gebirge ein Knochenfragment entdeckt, dessen Untersuchung ergab, dass dieses Knochenstück einem ungefähr 13-jährigen Mädchen gehört haben könnte, das vor etwa 50 000 Jahren lebte. Und es stellte sich heraus, dass 38,6 Prozent des Genoms dieses Mädchens dem Neandertaler-Genom und 42,3 Prozent dem Genom der Denisova-Menschen entsprechen.

    Weitere Analysen gestatteten es, auch die Herkunft der Eltern dieses Mädchens teilweise zu klären. Ihre Mutter hatte viele gemeinsame Genelemente mit europäischen Neandertalern (aus dem heutigen Kroatien). Und der Vater, ein Denisova-Mensch, hatte vermutlich einen Neandertaler-Vorfahr, der aber viel früher gelebt hatte, um etwa 500 Generationen früher.

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    Tags:
    Genom, Migration, Forscher, Neandertaler, Sex, DNA, Archäologie