00:53 17 Dezember 2018
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    Atom-U-Kreuzer Pjotr Weliki

    Russlands „tödlichste“ Kriegsschiffe: Wahrheit oder Bluff?

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    Das US-Magazin „The National Interest“ hat fünf der „furchteinflößendsten“ Schiffe der russischen Seestreitkräfte benannt. Allerdings taucht dort ein recht zweifelhafter Kandidat auf – das Schiff befindet sich in Wartung und wurde in anderen Rankings als schlechtester Vertreter seiner Klasse eingestuft, wie das Internetportal svpressa.ru berichtet.

    Die Liste wird mit dem schweren Atomkreuzer Pjotr Weliki eröffnet, der nach dem Projekt 1144 Orlan 1996 gebaut wurde. In die russische Nordflotte wurde er 1998 aufgenommen. Allerdings ist er konzeptuell nicht so modern. Nach dem Projekt Orlan wurden vier Schiffe gebaut, dieses war das letzte. Das Flaggschiff Admiral Uschakow wurde 1973 auf Kiel gelegt. 2002 wurde es aus der Nordflotte ausgemustert.

    Pjotr Weliki hat einen Spitzenwert bei der Wasserverdrängung für Flugzeugträger – 25800 Tonnen. Auch die Abmessungen sind groß: Länge 251 Meter, Breite 28,5 Meter, Höhe 59 Meter.

    Der Kreuzer verfügt über ein großes Angriffspotential. Dazu gehört der Antischiffsraketenkomplex P-700 Granit, der mit 20 Startanlagen ausgerüstet ist. Die Geschwindigkeit der zehn Meter langen Raketen liegt bei bis zu 2,5 Ma; die maximale Schussweite liegt bei mehr als 600 km. Das Gewicht des Gefechtsteils beträgt 750 kg, womit der Granit-Komplex als „Killer von Flugzeugträgern“ gilt.  Beim Salvenschuss tauschen die Raketen Informationen aus, wobei die Ziele in der anzugreifenden gegnerischen Gruppe untereinander verteilt werden.

    Zudem gibt es eine Zwei-Rohr-Kanone mit einem Kaliber von 130 mm AK-130 und einer Reichweite von bis zu 23 km sowie einer Schussgeschwindigkeit von 90 Schüsse/min. Es kann gegen Meeres- und Küsten sowie Luftziele eingesetzt werden.

    Pjotr Weliki ist sehr gut vor Angriffen aus der Luft, vom Meer und unter dem Wasser geschützt. Die Flugabwehr ist mit drei verschiedenen Systemen ausgestattet, die Flugzeuge und Raketen in der fernen, mittleren und nahen Zone treffen. Es gibt 16 Startanlagen des Langstrecken- Flugabwehrkomplexes S-300FM Fort-M. Die nahe Zone wird mit 16 Startanlagen des Flugabwehrkomplexes Kinschal und sechs Flugabwehr- und Artilleriekomplexen Kortik geschützt.

    Die Anti-U-Boot-Verteidigung ist auch auf einem sehr hohen Niveau  – Anti-U-Boot-Raketenkomplex Wodopad, Torpedo-Waffen, reaktive Wasserbombenwerfer sowie drei Hubschrauber des Typs Ka-27.

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    Die Angriffsstärke des Kreuzers soll mit dem Austausch der Granit-Raketen durch Hyperschall-Raketen Zirkon erhöht werden, die eine Geschwindigkeit von bis zu acht Mach erreichen. Gegen sie sind Raketenabwehrkomplexe wirkungslos. Da Zirkon-Raketen mit einer universellen Startanlage abgefeuert werden, kann das Schiff zwei weitere effektive Raketen tragen – die Überschall-Rakete Onyx und den Marschflugkörper Kalibr.

    Dazu ist eine Grundwartung und anschließende Modernisierung notwendig. Die Arbeiten hätten 2019 beginnen sollen, doch wurden sie auf 2021 verschoben. Die Verzögerung hängt damit zusammen, dass die Produktionskapazitäten von Sewmasch für den Raketenkreuzer Admiral Nachimow (Projekt 1144) freigehalten werden müssen. Die Verzögerung bei der Modernisierung der Admiral Nachimow ist darauf zurückzuführen, dass die Tests der Rakete Zirkon noch nicht abgeschlossen wurden.

    Auf Platz zwei rangiert der Raketenkreuzer Moskwa (Projekt 1164 Atlant). Die russische Flotte verfügt über drei dieser Schiffe. Die Moskwa sowie die Pjotr Weliki gehören zu den Schiffen der Ozean-Zone und können Kampfaufgaben an jedem Ort der Weltmeere erfüllen.

    Die Wasserverdrängung liegt bei 11500 Tonnen. Länge 186 m, Breite 42,5 m, Höhe 42 m, Tiefgang 8,4 m. Die Geschwindigkeit bei voller Fahrt erreicht 32 Knoten. Die Leistung der Gasturbinenanlage beläuft sich auf 4x22500 PS. Der Kreuzer wurde 1983 in der Schwarzmeerflotte in Dienst gestellt.

    Die Hauptwaffe ist die Anti-Schiffsrakete P-1000 Wulkan, die 1987 in Dienst gestellt wurde. Auf dem Kreuzer sind 16 Startanlagen stationiert. Die maximale Reichweite der Wulkan-Raketen liegt bei mehr als 700 km. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei drei Mach. Das Gefechtsteil wiegt 500 kg.

    Zu den Angriffswaffen gehört auch die Zweirohr-Anlage AK-130, genau wie bei Pjotr Weliki.

    Die Verteidigungswaffen sind bescheidener als bei Pjotr Weliki. Acht Startanlagen für die Flugabwehrsysteme 300FM Fort-M, zwei Raketenabwehrsysteme Osa-MA mit geringer Reichweite, die 1975 in Dienst gestellt wurden, sowie sechs Sechs-Rohr-Flugabwehrgewehre AK-630 Kaliber 30 mm. Die Schussgeschwindigkeit liegt bei 5000 Schüsse pro Minute.

    Vor Angriffen von U-Booten ist der Kreuzer mit zwei reaktiven Wasserbombenwerfern RBU-6000 geschützt. Diese Waffe ist eine 12-Rohr-Anlage, die Tiefbomben ins Gebiet der gegnerischen U-Boote abfeuert. Zudem ist der Kreuzer mit zehn Torpedos mit dem Kaliber 533 mm und einem Hubschrauber Ka-27 ausgestattet.

    Auf Platz drei steht die Korvette Soobrasitelny (Projekt 20380). Doch die Unterschiede zum Zweitplatzierten sind groß. Die Wasserverdrängung von Soobrasitelny liegt bei 2220 Tonnen. Das Schiff kann also nicht zu den Schiffen der fernen Meereszone gezählt werden. Es kann deutlich weniger Waffen tragen. Angriffswaffen – acht Antischiffsraketen Ch-35 mit einer Reichweite bis zu 260 km und einem 145 kg schweren Gefechtsteil. Geschwindigkeit: Unterschallgeschwindigkeit. Doch wegen der niedrigen Flughöhe (3-4 m) hat die Rakete eine hohe Effizienz bei der Bekämpfung von gegnerischen Raketenabwehrwaffen.

    Durch die universellen Startanlagen hat die Korvette die Möglichkeit, ihre Angriffswaffe mit Marschflugkörpern Kalibr zu ergänzen, die eine große Reichweite haben.

    Die Anti-U-Boot- und Anti-Torpedo-Waffen der Korvette sind äußerst schlagkräftig. Bei diesem Aspekt ist die Soobrasiteljny deutlich besser als jedes andere Schiff der Welt geschützt. Das wurde dank dem Einsatz des Komplexes Paket-NK erreicht, der mit kleineren Torpedos gegnerische Torpedos effektiv abfängt. Zudem kann er auch U-Boote bekämpfen.

    Ein weiterer eindeutiger Vorteil der Schiffe dieses Projekts ist, dass die Flotte diese Schiffe erst seit 2008 bekommt. Sie sind also mit den modernsten Bordsystemen und —anlagen ausgestattet.

    Platz vier im Ranking: der Zerstörer Nastojtschiwy (Projekt 956 Sarytsch). Diese Schiffe wurden zwischen 1980 und 1993 in die Flotte aufgenommen. Insgesamt wurden 17 solche Zerstörer gebaut. Nur vier davon sind übrig geblieben, zwei befinden sich in Wartung. Weitere vier Schiffe wurden für die chinesische Marine gebaut.

    Wasserverdrängung 8000 Tonnen. Länge 165 m, Breite 17,2 m, Tiefgang sechs m. Die Geschwindigkeit in voller Fahrt liegt bei 33,4 Knoten. Autonom kann das Schiff 30 Tage betrieben werden.

    Angriffswaffen: acht Antischiffsraketen P-270 Moskit mit einer Geschwindigkeit von 2,8 Ma, einer niedrigen Flughöhe von sieben Metern, aber einer geringen Reichweite von 170 km. Dank einem aktiven Manövrieren sind die Raketen ein sehr schwer zu treffendes Ziel für gegnerische Raketenabwehrkomplexe. Zudem gibt es zwei Artillerieanlagen AK130.

    Das Flugabwehrsystem besteht aus Mittelstrecken-Raketen Uragan und vier 6-Rohr-Artillerieanlagen AK-630. Der Anti-U-Boot-Schutz ist auch eher bescheiden. Es gibt zwei reaktive Wasserbombenwerfer und vier Torpedos mit dem Kaliber 533 mm. Darüber hinaus wird für die Anti-U-Boot-Aufklärung der Hubschrauber Ka-27 eingesetzt.

    Nastojtschiwy gehört zur dritten Generation der Zerstörer. Er wurde so entwickelt, um US-Zerstörern wie Spruance derselben Generation Konkurrenz machen zu können. Der letzte Zerstörer Spruance wurde vor 13 Jahren aus der US-Flotte ausgemustert. Sie wurden durch die Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse der 4. Generation ersetzt.

    Platz fünf ist wohl am umstrittensten, weil es sich um den schweren Flugzeugträger-Kreuzer „Admiral Kusnezow“ handelt. „Auch in der Reparatur bleibt er eine ernsthafte Bedrohung für die Konkurrenten des Kreml, weil er Russland viele Möglichkeiten bietet, die militärische Stärke in der Luft weltweit zu verbreiten“, schreibt „ The National Interest“. Der Kreuzer soll bis 2021 repariert und modernisiert werden, wofür 50 Mrd. Rubel eingeplant sind.

    Der Flugzeugträger wurde 1991 in Dienst gestellt. Er hat eine Wasserverdrängung von 61.000 Tonnen. Länge 306 m, Maximale Breite 72 m, Höhe 64 m, Tiefgang zehn m. Die Geschwindigkeit bei voller Fahrt erreicht 29 Knoten. Autonomer Betrieb 45 Tage. Reichweite 8500 Meilen, Besatzung 2000 Mann.

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    Der Flugzeugträger kann bis zu 50 Flugzeuge und Hubschrauber aufnehmen. Doch de facto wurden an Bord der Admiral Kusnezow bis zur Reparatur 30 Flugzeuge stationiert –  Angriffsflugzeuge Su-33, MiG-29K, MiG-29KUB und ein Übungsflugzeug Su-25UTG.

    Bei der Modernisierung wird natürlich der Antrieb des Flugzeugträgers ersetzt, der in der letzten Zeit eine der schwächsten Stellen des Schiffs war. Doch das Hauptproblem konnte nicht beseitigt werden – für die Starts muss eine Schanze statt des vorteilhafteren Katapults genutzt werden. Von der Schanze dürfen die Flugzeuge nur mit einer geringeren Last von Raketen und Bomben sowie Kraftstoff an Bord starten. Das senkt maßgeblich ihre Angriffskraft und Kampfreichweite. Dabei erfolgen die Starts mit einem größeren zeitlichen Abstand als bei modernen US-Flugzeugträgern.

    Es gibt einen weiteren Nachteil – bei der Nutzung einer Schanze spielen die Wetterverhältnisse wie Wind und Seegang eine größere Rolle.

    Allerdings bewährte sich der Zerstörer während des Syrien-Einsatzes. Es wurden mehr als 1500 Objekte der Terroristen vernichtet. Allerdings handelte es sich dabei um einen schwächeren Gegner. Im Falle eines Zusammenstoßes mit den „Konkurrenten des Kreml“ müsste eine Flugzeugträger-Angriffsgruppe gebildet werden — mit mindestens drei bzw. vier Kreuzern bzw. Fregatten. Bislang hat Russland leider nicht diese Menge an handlungsfähigen Schiffen der fernen Meereszone.

    Statt der Admiral Kusnezow müsste eine Fregatte des Projekts 22350 auf der Liste stehen. Das Flaggschiff Admiral Gorschkow wurde in diesem Sommer in die Nordflotte aufgenommen. Die Fregatte gehört zu den Schiffen der fernen Meereszone.

    Wasserverdrängung: 5400 Tonnen, Länge 135 m, Geschwindigkeit bei voller Fahrt 29 Knoten. Reichweite 4500 Meilen.

    Die Fregatte verfügt über ausgewogene effektive Raketenwaffen – Antischiffskomplex Onyx und universelle Marschflugkörper Kalibr. Die Artillerieanlage AK-192 mit einem Kaliber von 130 mm wurde speziell für die Schiffe dieses Projekts entwickelt. Sie kann auch Marschflugkörper bekämpfen. Zudem ist die Fregatte mit dem Raketenabwehrkomplex der neuen Generation Redut ausgestattet. Für den Schutz vor Torpedo-Angriffen und die Bekämpfung von U-Booten wird der Komplex Paket-NK eingesetzt.

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