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    Ausstellung über die Titanic-Suchaktion in Leipzig (Archivbild)

    Titanic-Bergung: Deckmantel für Suche nach Sowjet-U-Booten?

    © AP Photo / Jens Meyer
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    Der US-Sucheinsatz nach der untergegangenen „Titanic“ in den 1980er-Jahren soll laut dem Leiter des damaligen Einsatzes, Robert Ballard, in Wahrheit der Suche nach versunkenen sowjetischen Atom-U-Booten gegolten haben. Die Amerikaner wollten wissen, wo sich diese befanden und ob sie eine Gefahr für die Umwelt darstellten.

    Wie die Online-Zeitung Gazeta.ru am Mittwoch schreibt, hat sich Ballard dieser Tage dazu geäußert. Die US-Marine soll dabei Erfolg gehabt haben: Es sei tatsächlich ein Wrack entdeckt worden.

    Die amerikanischen Atom-U-Boote „Scorpion“ und „Thresher“ waren noch in den 1960er-Jahren versunken – das erste vermutlich wegen einer Torpedo-Explosion, und das zweite im Laufe der Festigkeitstests des U-Boots-Rumpfes in Maximaltiefe. Die Havarie selbst wurde vermutlich durch einen Kurzschluss in einer Leitung verursacht. Das U-Boot sank auf den Grund und wurde dort vom Wasserdruck zerquetscht.

    Ballard hatte in den 1980er-Jahren nach dem „Titanic“-Wrack gesucht, hatte dabei jedoch finanzielle Probleme. Er wandte sich an die US-Seestreitkräfte, doch diese fanden sein Projekt unrentabel und lehnten es ab. Die Suche nach der „Titanic“ wäre allerdings eine passende Tarnung für die Suche nach versunkenen U-Booten – in Washington wollte man nicht, dass man in Moskau davon erfährt.

    „Das war ein Deal“, so Ballard. „Sie erlaubten mir, zu tun, was ich wollte, aber erst nachdem ich getan habe, was sie wollten.“

    So wurde Ballard in die US-Marine aufgenommen und bekam das Tiefwasser-Tauchgerät „Argo“ zur Verfügung – mit der Bedingung, dass er es bei der Suche nach der „Titanic“ einsetzen dürfte. Zunächst musste er aber die U-Boote finden und ihren Zustand untersuchen, insbesondere ihren Einfluss auf die Umwelt.

    Der Forscher hat seinen Teil des Deals auch erfüllt, obwohl das mehr Zeit in Anspruch nahm als er gehofft hatte. Für die Suche nach der „Titanic“ blieben nur knapp zwei Wochen. Während des Sucheinsatzes stellte Ballard fest, dass die Rümpfe der U-Boote wegen des gewaltigen Drucks quasi zerquetscht worden waren. Wegen der Explosion an Bord wimmelte es auf dem Meeresgrund von Tausenden Bruchstücken. Dabei hatte er diese früher als das Wrack selbst entdeckt, und das war hilfreich für ihn, denn jetzt wusste er: An Bord der „Titanic“ waren ihre Dampfkessel explodiert – und das Schiff könnte auch eine lange „Schleife“ aus Bruchstücken hinterlassen haben.

    Acht Tage später fand Ballard tatsächlich die „Titanic“.

    In der Nacht zum 1. September 1985 sah seine Crew auf dem Bildschirm  des Echo-Ortungs-Geräts Unebenheiten auf dem Meeresgrund, die wie kleine Krater aussahen, als wären sie nach dem Fall von kleinen Meteoriten entstanden. Bald darauf fanden Ballards Leute Müllreste. Und schließlich entdeckten sie einen Dampfkessel und dann auch das Schiff selbst.

    Zunächst seien alle sehr aufgeregt und froh gewesen, erinnerte sich Ballard. „Dann aber hatten wir ein Gefühl, als würden wir auf einem Grab tanzen – und es wurde uns peinlich. Es war, als hätte jemand den Schalter umgelegt, und wir alle wurden auf einmal ausgeglichen, ruhig und respektvoll.“

    Ballards Team besichtigte das Schiff und schätzte seinen Zustand ein. Die Experten bestätigten, dass die „Titanic“ beim Untergang in zwei Teile zerfallen war, und das Heck befand sich in einem schlimmeren Zustand als der Bug. Zunächst wollte Ballard nach seinen Worten die Koordinaten geheim halten, damit niemand diesen Ort schänden könnte, den er für eine Art Friedhof hielt.

    Der Ozeanograf setzte die „Titanic“-Untersuchung 1986 fort.  Er tauchte mit seinen Assistenten zum Schiff, um es von innen zu besichtigen, und setzte dabei ferngesteuerte Geräte ein. Am Ende fasste er die Ergebnisse seiner Untersuchung in einem umfassenden Bericht zusammen.

    1975 hatte eine andere geheime Mission der Amerikaner einen großen Konflikt mit der Sowjetunion provoziert: Die CIA konnte nämlich mithilfe eines speziellen Schiffes ein Element eines sieben Jahre zuvor untergegangenen sowjetischen U-Bootes vom Boden des Stillen Ozeans bergen. Als man in Moskau davon erfuhr, brach ein großer Skandal aus, der ein ganzes Jahr dauerte. Die Russen waren nämlich über das Vorgehen der US-Geheimdienste empört und wollten sie bei ihrem Bergungseinsatz behindern.

    Am Ende musste Washington zugeben, dass der geheime CIA-Einsatz „Jennifer“ stattgefunden hatte, wobei nicht nur das erwähnte U-Boot-Fragment, sondern auch sechs Leichname von sowjetischen Matrosen geborgen werden konnten. Unter dem Druck der Sowjets wurde der Einsatz beendet.

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    Tags:
    Atom-U-Boote, U-Boot-Jäger, Titanic, U.S. Navy, CIA, Sowjetunion, Atlantik, UdSSR, USA, Russland