11:19 16 Dezember 2019
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    Wettrüsten, Cyberkriege und Missernte: Was uns 2019 alles erwartet

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    Die Welt muss sich im kommenden Jahr auf eine schlechte Ernte und damit auf eine weltumspannende Hungersnot gefasst machen. Auf Russland kommen eine weitere Verschärfung der Sanktionen, die Verschärfung der geopolitischen Konflikte und Hybridkriege zu, während die USA und China weiterhin gegeneinander einen Wirtschaftskrieg führen.

    So trüb sind die Prognosen westlicher Experten, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag. Zudem hat niemand Zweifel daran, dass sich das globale Wirtschaftswachstumstempo weiter verlangsamen wird.

    Die größten wirtschaftlichen Risiken sind mit der Stärkung des Protektionismus, dem Brexit, mit fraglichen Wirtschaftsperspektiven, mit der wirtschaftlichen Verlangsamung Chinas und der Kapitalflucht aus den Schwellenländern verbunden.

    Auf diese Risiken verwies die Rating-Agentur Scope Rating in ihrer jüngsten Übersicht „Souveräne Risiken 2019“.

    Die Experten erwarten eine Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums von den jetzigen 3,7-3,8 auf 3,0-3,5 Prozent im kommenden Jahr. Das gesamte BIP der Eurozone wird ihnen zufolge von 2,0 auf 1,5 Prozent zurückgehen.

    Auf den ersten Blick ist das nicht besonders viel. „Im Unterschied zur großen Finanzkrise 2008, die durch die spontane Verschlechterung der Stimmungen der Marktteilnehmer ausgelöst wurde, besteht jetzt das größte Risiko in dem zwar vorhersagbaren, aber unaufhaltsamen Schub in der Wirtschaftspolitik und dem damit verbundenen Anstieg der geopolitischen Spannungen“, betonte der Scope-Experte Giacomo Barisone.

    In Bezug auf Russland erwarten die Experten, dass seine Finanz- und Kreditpolitik hart bleiben wird. „Die Finanzpolitik wird auf die Wiederherstellung der ‚Finanzpuffer‘ ausgerichtet sein; dabei wird die Devisen-Kredit-Politik weiterhin an die Vier-Prozent-Inflationsmarke gebunden“, so die Prognose. „Das BIP-Wachstum wird 2019 auf einem Niveau von 1,8 Prozent gegenüber den aktuellen 1,7 Prozent erwartet.“

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    Die größten Risiken für Moskau seien mit der weiteren Verschärfung der antirussischen Sanktionen, mit der Eskalation des Handelskriegs zwischen den USA und China, mit den Schwankungen der Ölpreise und dem geopolitischen Faktor vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts verbunden. Das alles könnte „das Kapital unter Druck setzen und ausländische Investoren zum Verkauf von russischen Staatsanleihen zwingen“, warnen die Scope-Experten.

    Eine deutlich pessimistischere Prognose veröffentlichte die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg. Ihre Analysten sagen im kommenden Jahr etliche Naturkatastrophen voraus: „Dürre und zahlreiche Orkane werden zu schlechter Ernte, zu Hunger und zu noch intensiveren Migrationsprozessen führen.“

    Ernährungsprobleme werde es nur in vier Ländern nicht geben: in den USA, in Kanada, Russland und der Ukraine. Dabei werde Russland ein Embargo auf den Getreideexport einführen, um vor allem seinen Binnenmarkt zu versorgen. Seine Konkurrenz auf dem Getreidemarkt, die Ukraine, werde Moskau durch die heimliche  Truppenentsendung in die Donbass-Region destabilisieren, lautet die Bloomberg-Prognose. Zudem erwarten die Experten die weitere Annäherung zwischen Russland und der Türkei. Dadurch werde Moskau einen weiteren Keil in die Partnerschaft Ankaras mit der Nato eintreiben.

    Stratfor-Experten erwarten 2019 eine neue Welle der geopolitischen Spannungen. „Die Entscheidung der USA für den Austritt aus dem INF-Vertrag wird 2019 zum weiteren Ausbau der Militärkräfte in den USA und Russland, vor allem am Rande Europas führen. Polen, Rumänien und die Baltikum-Länder werden noch mehr Bereitschaft zeigen, US-amerikanische Kräfte auf ihrem Territorium zu stationieren.“

    Die Experten erwarten auch eine weitere Zuspitzung der Rivalität zwischen den USA, China und Russland, was ihnen zufolge zur Beschleunigung des Wettrüstens und zur Verschärfung des Kampfes im Cyberraum führen wird. Russland werde weiterhin seinen Hybridkrieg gegen prowestliche Länder führen. „Der Westen wird der russischen Hybrid-Taktik mit dem Ausbau des Sanktionsdrucks widerstehen und zugleich auf dem Gebiet Cybersicherheit intensiver vorgehen“, lautet die Stratfor-Prognose.

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    Russland werde sich gegen die Sanktionen wehren, und zwar durch die Aufstockung seiner Devisenreserven, durch die Diversifizierung seiner Handelskontakte mit verschiedenen Ländern und durch die Kürzung des Dollar-Anteils seiner Reserven. „Das wird ihm helfen, 2019 eine große Wirtschaftskrise zu vermeiden“, vermutete man bei Stratfor.

    Unpopuläre Wirtschaftsreformen (Erhöhung des Rentenalters, Erhöhung der Mehrwertsteuer usw.) werden bei den Russen Massenproteste hervorrufen, worauf der Kreml auf seine Art reagieren könnte: „Daumenschrauben fester ziehen, politische Umbesetzungen durchführen und selektiv Zugeständnisse an die Gesellschaft akzeptieren.“

    Weltdürre
    © AP Photo / Vahid Salemi
    Die Situation auf dem globalen Energiemarkt wird den Stratfor-Experten zufolge angespannt bleiben: „In der Weltwirtschaft wird sich 2019 ein instabiles Wachstum beobachten  lassen, und Saudi-Arabien und Russland werden weiterhin auf die Ereignisse auf den globalen Ölmärkten operativ reagieren, um größere Preisabstürze zu verhindern.“  Zudem erwarten die Branchenkenner eine Umstrukturierung des globalen LNG-Marktes. „Gegen Ende 2019 werden die USA, Katar und Australien aufholen und sich den größten Flüssiggasexporteuren anschließen.“

    Der Experte des Moskauer Internationalen Finanzzentrums, Wladimir Roschankowski, vermutet, dass politische Risiken 2019 größer als wirtschaftliche sein werden. „Für Russland werden die Wahlen in der Ukraine die größte Prüfung sein. Es ist offensichtlich, dass dieser Prozess turbulent und kaum vorhersagbar sein wird. Russland riskiert, in Übereinstimmung mit seinen jüngsten geopolitischen Trends, darin involviert zu werden“, warnte er.

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    Dürre, Prognose, Cyberangriff, Hybrid-Krieg, Sanktionen, INF-Vertrag, Russland, Ukraine, China, USA