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07:51 22 September 2019
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    Protest gegen Merkel in Athen

    Linke gegen Merkel? In Griechenland möglich – VIDEOS der Proteste in Athen

    © REUTERS / Alkis Konstantinidis
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    Angela Merkels Athen-Besuch, der erste innerhalb von fast fünf Jahren, ist von Massenprotesten überschattet worden. Für die meisten Griechen steht Merkel für das Diktat Deutschlands in Europa.

    Erstmals seit Frühjahr 2014 hat Angela Merkel Griechenland besucht. Nach vielen Jahren Wirtschaftskrise und der Sparpolitik, die Griechenland von den internationalen Gläubigern aufgezwungen wurde, verkörpert die deutsche Kanzlerin für die meisten Griechen das kompromisslose Diktat Berlins in Europa und das noch in einer besonders verhassten Form.

    Deshalb war es nicht weiter verwunderlich, dass die Behörden in Athen zu drakonischen Sicherheitsvorkehrungen greifen mussten: Am Nachmittag wurden 2000 Polizeibeamte auf die Straßen beordert, der Stadtkern wurde völlig abgeriegelt, die anliegenden U-Bahn-Stationen geschlossen. Zudem wurde der Schutz der diplomatischen Vertretungen Deutschlands verstärkt, sämtliche Kundgebungen wurden verboten.

    Dieses Verbot schürte allerdings die Proteststimmung. Oppositionsparteien zogen einen Vergleich „zur deutschen Besatzung“ im Zweiten Weltkrieg. Schon am Donnerstagabend kam es im Zentrum von Athen zu ersten Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten.

    Medienberichten zufolge marschierten mindestens eintausend linksgerichtete Demonstranten auf. „Merkel unerwünscht“ und „USA, Nato, EU und IWF raus“ stand auf ihren Spruchbändern. Die Protestierer versuchten, sich zum griechischen Parlament und zur EU-Vertretung durchzukämpfen. Auf TV-Bildern ist zu sehen, dass sie dabei rote Flaggen und Knüppel als Waffen einsetzten. Daraufhin lösten die Sicherheitskräfte die Demo mit Tränengas auf.

    Beim Treffen Merkels mit dem griechischen Premierminister Alexis Tsipras stand das griechisch-mazedonische Abkommen im Mittelpunkt, das den Namensstreit mit Mazedonien beenden und Skopje den Weg in die EU und in die Nato ebnen soll.

    Auf der Pressekonferenz mit Tsipras am Donnerstag sagte Merkel, dass die Beilegung des Streits  im Interesse Mazedoniens, Griechenlands und der gesamten EU liege, denn Nord-Mazedonien bekomme die Möglichkeit, Nato- und EU-Mitglied zu werden.
    Experten warnten im Gespräch mit „Rossijskaja Gaseta“, dass dieses für die meisten Griechen heikle Thema eine Regierungskrise in Griechenland provozieren könne.

    Griechische Medien verwiesen darauf, dass der Westen sowohl Athen als auch Skopje verstärkt unter Druck setze, um den umstrittenen Deal zu forcieren.

    „Der Athen-Besuch der deutschen Kanzlerin Angela Merkel am 10. und 11. Januar macht deutlich, dass die westlichen Regierungen Druck machen, damit das Abkommen ratifiziert wird“, schrieb die Zeitung „Kathimerini“. „Athen und Skopje bestreiten zwar, unter Druck des Westens zu stehen. Aber die Europäische Union will offenbar mit gutem Beispiel vorangehen und es als Lösungsmodell für andere eingefrorene Konflikte in der Region vorschlagen, darunter auch für den Konflikt zwischen Serbien und dem Kosovo.“

    Dabei stören sich die westlichen Demokratien nicht im Geringsten daran, dass die meisten Einwohner von Griechenland und von Skopje eine eigene Meinung dazu haben. So war das Referendum über einen neuen Landesnamen vom 30. September in Mazedonien am Boykott der Bevölkerung gescheitert. In der jüngsten Umfrage haben sich 70 Prozent der Griechen gegen die Ratifizierung des Regierungsabkommens durch das Parlament ausgesprochen.

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    Tags:
    Alexis Tsipras, Angela Merkel, Athen, Griechenland, Deutschland