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    Patrouille der russischen Grenzschutz an der Ostee im Gebiet Kaliningrad (Archivbild)

    Russland im Visier: Polen will künstliche Insel im Frischen Haff bauen

    © Sputnik / Igor Zarembo
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    Warschau will eine künstliche Insel im Frischen Haff aufschütten. Das Projekt wird zwar als wirtschaftlich eingestuft, doch Quellen der russischen Onlinezeitung „Gazeta.ru“ sind der Ansicht, dass mit dem Projekt andere Ziele verfolgt werden.

    Die Insel und der Kanal über die Frische Nehrung könnten Teil der militärischen Infrastruktur der Nato werden. In der Stadt Elblag befindet sich der Stab der Nato-Division Nordost. Laut dem Gouverneur des russischen Gebietes Kaliningrad, Anton Alichanow, wirkt das Vorhaben Polens wie eine PR-Aktion.

    Die Fläche der geplanten Insel soll bei mehr als 180 Hektar liegen, wie die Zeitung „Onet“ unter Berufung auf Ausschreibungsdokumente der zuständigen Behörden berichtet. Das Ziel dieses Projekts ist nicht der Tourismus, sondern die Gewährleistung der Sicherheit und Wirtschaftsentwicklung von Elblag.

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    Laut Ausschreibungsdokumenten soll sich die Insel in den Hoheitsgewässern Polens befinden, für ihre Errichtung sollen die Erdmassen genutzt werden, die beim Bau eines Kanals durch die Frische Nehrung übrig bleiben. Die Kosten des Projekts werden auf 880 Mio. polnische Zloty (umgerechnet knapp 206 Millionen Euro) geschätzt.

    „Damit wollen die polnischen Behörden de facto den Abfall beim Bau des Kanals verwerten, um die Erdmassen nicht abzutransportieren. Die Errichtung der Insel ist eine Art Mittel, Geld zu sparen. Doch da gibt es eine andere Frage – der Bau wurde noch nicht mit der EU-Kommission abgestimmt, weshalb dieses Vorhaben derzeit eher als PR-Aktion wahrgenommen wird“, sagte der Gouverneur des Gebietes Kaliningrad.

    Auch der polnische Politologe Jakub Korejba teilt diese Meinung. Ihm zufolge handelt es sich vor allem um eine politische Aktion. „Die jetzigen polnischen Behörden neigen zu Großprojekten, die darin bestehen, einen praktischen und den symbolischen Sinn zu vereinigen und die Bürger zu inspirieren“, so der Experte.

    „In diesem Fall handelt es sich um die Entwicklung einer depressiven Region durch die Aktivierung des Hafens in Elblag und die Beseitigung der Abhängigkeit von Russland bei der Schifffahrt. Für die Wiederbelebung der nationalen Mythologie braucht man Siege über Russland“, so der Experte.

    Allerdings sei es nicht ganz korrekt, diese Baupläne mit der Situation um die Insel im Südchinesischen Meer zu vergleichen, die China seit 2015 errichte, denn das Gebiet, wo die Insel entstehen könnte, gehöre Polen, betonte der Experte.

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    Eine andere Sache sei es, dass der Kanal von großer Bedeutung aus militärischer Sicht sei. Wirtschaftlich brauche Warschau den Kanal nicht, in der Nähe lägen Danzig bzw. Gdynia, die über größere Hafenkapazitäten verfügen würden.

    Warschau sage zwar, dass es mit dem Kanal den Schiffszugang nach Elblag erleichtern wolle, doch in Bezug auf die Frachten sei nur der US-Militärstützpunkt von großer Bedeutung. Deswegen werde dieses Projekt als alternativer Versorgungsweg für diesen Stützpunkt und nicht aus wirtschaftlichen Gründen ins Leben gerufen, so der polnische Experte.

    In Elblag befindet sich der Stab der multinationalen Nato-Division Nordost, deren Einheiten in Polen und baltischen Ländern stationiert sind. In dieser Stadt befindet sich auch der Stab einer der vier polnischen Heeresdivisionen.

    In letzter Zeit sprach Warschau häufig von Bedrohungen durch die angeblich „aggressiven“ Handlungen Russlands.

    Der polnische Verteidigungsminister Antoni Macierewicz hatte während seines Kanada-Besuchs im November 2017 gesagt, dass die russisch-weißrussischen Übungen “Zapad-2017” darauf hinweisen würden, dass „sich Russland auf eine Aggression vorbereitete“.

    „Die Übungen Zapad-2017 gingen vor zwei Monaten zu Ende. Sie fanden im Raum zwischen Nordpolarmeer und dem Schwarzen Meer statt und umfassten sogar Starts von ballistischen Iskander-Raketen, die nukleare Gefechtsköpfe tragen können. Die Russen rüsteten sich nicht für eine Verteidigung, sondern für eine Aggression“, sagte Macierewicz damals.

    Ihm zufolge sollte Warschau die Zuspitzung der Beziehungen zwischen dem Westen und Russland nicht als neuen Kalten Krieg betrachten. Das sei kein neuer Kalter Krieg, sondern der Übergang zu einem heißen Krieg, so Macierewicz.

    Russland hat im Gebiet Kaliningrad Iskander-Systeme stationiert. Wie mehrere westliche Analysten betonen, sind die Iskander-Systeme zusammen mit Flugabwehrsystemen wie S-400 Triumph und Küstenraketenkomplexen Bastion ein Teil des Konzeptes der russischen Streitkräfte, das im Westen als Anti-Access/Area Denial-System bekannt ist. Laut diesem Konzept können sich die Nato-Kräfte im Wirkungsbereich dieser Zone nicht ohne das Risiko eines „unannehmbaren Schadens“ aufhalten.

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    Ende 2018 wurde bekannt, dass Warschau und Washington über einen möglichen US-Militärstützpunkt in Polen verhandeln. Ein endgültiger Beschluss wurde zwar noch nicht getroffen, allerdings wird bereits behauptet, dass der Ort bereits gefunden sei.

    Es handelt sich um die Stadt Orzysz, die nur 140 Kilometer von Kaliningrad entfernt ist und bereits über die notwendige Infrastruktur, darunter ein Gelände, verfügt.

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    Militärstützpunkt, Territorialstreit, Bau, Eskalation, Expansion, Insel, Iskander, S-400, EU, NATO, Baltikum, Kaliningrad, Polen, Ostsee, USA, Russland