07:08 21 April 2019
SNA Radio
    Japanische Luft-Selbstverteidigungsstreitkräfte während der Übungen (Archiv)Japanische Selbstverteidigungsstreitkräfte während der Übungen (Archiv)

    Japan legt grüne Tarnfarbe an

    © Foto: U.S. Air Force/Staff Sgt. Andy M. Kin © AFP 2019 / YOSHIKAZU TSUNO
    1 / 2
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Iswestija
    9894

    Tokios neue Verteidigungsdoktrin – Ende vergangenen Jahres verabschiedet – markiert eine Zeitenwende, schreibt die Zeitung „Iswestija“. Das Land der aufgehenden Sonne schließt mit seiner bisher radikal-pazifistischen Haltung der Nachkriegszeit ab.

    Das japanische Parlament hat das Nationale Verteidigungsprogramm und das damit einhergehende mittelfristige Rüstungsprogramm verabschiedet, teilte Japans Verteidigungsminister Takeshi Iwaya am 18. Dezember auf einer Pressekonferenz mit, so die Zeitung.

    Die beiden Dokumente – die National Defense Program Guidelines (NDPG) und das Mid-term Defense Program (MTDP) – sind maßgeblich für die strategische Planung der japanischen Militärführung. Das mittelfristige Rüstungsprogramm regelt etwa, welche Waffentypen das Militär des Landes künftig beschaffen wird.

    Neben den beiden staatlichen Programmen wurde auch der japanische Verteidigungshaushalt für 2019 veröffentlicht. Mit umgerechnet 47 Milliarden Dollar ist es der größte Wehretat in der Nachkriegsgeschichte Japans, schreibt „Iswestija“.

    Warum braucht Japans Militär ein Budget, das es in diesem Umfang noch nie gab? Um es gleich beim Namen zu nennen: Die japanische Marine baut ihre Luftkampffähigkeiten aus. Nein, es entstehen in Japan keine neuen Flugzeugträger – stattdessen werden zwei bereits im Dienst stehende Hubschrauberträger für den Einsatz von Kampfjets umgebaut.

    Nach dem Umbau der beiden Schiffe der Izumo-Klasse sollen Mehrzweckjäger F-35B auf deren Decks starten und landen können. Von echten Flugzeugträgern zu sprechen, verbietet sich die japanische Marine übrigens: Zu aggressiv klänge der Begriff in einem Land, dessen Streitkräfte als „Selbstverteidigungsarmee“ bezeichnet werden, schreibt das Blatt. „Mehrzweckzerstörer“ hört sich neutraler an.

    Um den Einsatz der F-35B auf den Izumos zu ermöglichen, muss Einiges an den Trägern angepasst werden: Die Decks werden versteift und mit hitzebeständigen Materialien gegen den Abgasstrahl der Kampfjets beschichtet, Flugzeuglifts werden verstärkt, automatische Landesysteme werden installiert. Wünschenswert wäre auch eine Startrampe. Ob eine eingebaut werden kann, ist laut dem Blatt aber unklar.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: National Interest: Fünf Orte, wo der Dritte Weltkrieg beginnen kann<<<

    Als durchaus realistisch sei die Stationierung von mindestens einem Dutzend F-35B-Jets plus einigen Such- und Rettungshubschraubern auf einem solchen Schiff anzusehen.

    Aber auch bei dieser vergleichsweise mäßigen Schlagkraft kann eine Izumo den japanischen Streitkräften eine gute Hilfe sein, sollte es mit China etwa zum Konflikt um die umstrittenen Inseln kommen, schreibt die Zeitung. Es ist sicherlich wirkungsvoller, in der Nähe der Senkaku-Inseln mit einem „Mehrzweckzerstörer“ Flagge zu zeigen, als vom 400 Kilometer entfernten Stützpunkt auf Okinawa an den Einsatzort zu fliegen.

    Zudem ist zu erwarten, dass die beiden umgebauten Hubschrauberträger in Zukunft durch vollwertige Flugzeugträger ersetzt werden. Die dazu passenden Flugzeuge kauft Japan jedenfalls auf Vorrat, so die Zeitung. Rechnet man die bereits bestellten F-35A aus dem Jahr 2011 und die neubestellten F-35A und B vom Ende vergangenen Jahres zusammen, ist Japan der zweitgrößte Betreiber dieses Kampfjettyps nach den USA!

    Vor sieben Jahren wurden laut dem Blatt 42 Jets beschafft, Ende 2018 hat das japanische Verteidigungsministerium erklärt, weitere 63 F-35A und 42 F-35B kaufen zu wollen.

    Bezeichnend ist, dass Japan ab diesem Jahr auf die lokale Fertigung der Kampfjets verzichtet und stattdessen Flugzeuge aus US-Herstellung kauft. Offensichtlich war es der japanischen Regierung zu viel, die heimischen Flugzeugbauer mit Extrakosten von 33 Millionen Dollar je Maschine zu subventionieren, schreibt die Zeitung.

    Zusätzlich zu den Flugzeugen beschafft Japan auch Marschflugkörper vom Typ JSM mit einer Reichweite von 500 Kilometern, die eigens für die F-35A entwickelt werden. Die Raketen müssen ja in den Waffenschacht des Kampfjets passen.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Die stärksten Armeen der Welt: Russland auf Platz zwei<<<

    Lange Zeit galt der Aufbau einer starken offensiven Streitmacht in Tokio aus politischen Gründen als inakzeptabel. Inzwischen aber dienen laut dem Blatt nordkoreanische Raketen als Vorwand für die Aufrüstung. Gegen Pjöngjangs Raketen zuzuschlagen, ist nach Ansicht vieler japanischer Politiker kein Angriff, sondern ein Mindestmaß an Selbstschutz.

    Für den Fall einer weiteren Eskalation auf der koreanischen Halbinsel wurden in Japan auch Mittel für den Aufbau von Flugabwehrsystemen Aegis Ashore bewilligt. Diese sollen übrigens vom japanischen Militär betrieben werden – im Unterschied zu Polen und Rumänien, wo die gleichen Systeme laut dem Blatt von US-Personal bedient werden.

    Passend dazu spricht das japanische Militär von der Entwicklung eines Spezialflugzeugs zur elektronischen Bekämpfung gegnerischer Flugabwehrstellungen. Auch wurden Tokios Pläne bekannt, gemeinsam mit dem Rüstungskonzern Lockheed Martin einen Kampfjet der 5. Generation zu entwickeln, als Ersatz für die heutigen Jagdflugzeuge F-15J und F-2.

    Als eine Priorität der nationalen Verteidigungsstrategie wird laut dem Blatt die Verstärkung der Fähigkeiten im Cyber- und im Weltraum genannt. Als „Mittel zum Schutz abgelegener Inseln“ wird die Entwicklung eines hyperschallschnellen Raumgleiters finanziert.

    Dass die faktische Remilitarisierung Japans, die wir derzeit beobachten können, die Nachbarländer beunruhigt, liegt nah. Vor allem Peking ist besorgt, nimmt die chinesische Führung doch wahr, dass die USA und Japan sich zuvorderst gegen China verbünden.

    Auch Russland hat einen wunden Punkt im Verhältnis zu Japan: die Südkurilen natürlich. Selbstverständlich ist die Verstärkung der japanischen Marine bei der Luftkampffähigkeit eine weitere Herausforderung, schreibt die Zeitung.

    Klar, dass darauf Gegenmaßnahmen folgen müssen: Verstärkung der Flugabwehr, Stationierung von Anti-Schiffs-Waffen an der russischen Küste, Modernisierung der Pazifikflotte und der Luft- und Weltraumstreitkräfte – das wäre eine Garantie für gute nachbarschaftliche Beziehungen zu einem Land, mit dem Russland im Großen und Ganzen keine scharfen Gegensätze hat.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Pazifismus, Konflikt, Budget, Bedrohung, F-35B, Russland, Japan