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    Anti-Maduro-Demonstranten während Ausschreitungen in Caracas am 23. Januar 2019

    So stürzen die USA Regierungen in Lateinamerika

    © REUTERS / Carlos Garcia Rawlins
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    Es ist nicht das erste Mal, dass sich Washington in die Angelegenheiten von Ländern einmischt, deren Regierungen unliebsam geworden sind. Auch in der vorigen Woche gab es Medienberichte, laut denen die Amerikaner die Situation bei einem seiner südlichen „Nachbarn“ - und zwar in Venezuela - „in Ordnung bringen“ wollen.

    Der Parlamentsvorsitzende und Oppositionsführer Juan Guaidó erklärte sich selbst zum Interimspräsidenten – und schon wenige Minuten später wurde er von den USA als Staatsoberhaupt anerkannt. Dem Beispiel Washingtons folgten auch mehrere Länder Lateinamerikas.

    Seit den frühen 1970er-Jahren haben die USA mehrmals unerwünschte Regierungen in Lateinamerika zu Fall gebracht. Es ist also bei weitem nicht der erste Fall, dass die USA sich in innenpolitische Angelegenheiten von lateinamerikanischen Ländern einmischten.

    1964. João Goulart. Brasilien

    Panzer der brasilianischen Armee auf den Straßen von Rio de Janeiro während des Militärputschs am 1. April 1964
    © AFP 2019 /
    Panzer der brasilianischen Armee auf den Straßen von Rio de Janeiro während des Militärputschs am 1. April 1964

    Am 1. April 1964 musste der durch einen Volksentscheid gewählte Präsident Brasiliens João Goulart aus dem Land flüchten. Seine Wahl ließen sich Geistliche und auch das Establishment nicht gefallen, die ihm Sympathien für die Kommunisten vorwarfen. Der Grund dafür war offenbar die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen mit der Sowjetunion, obwohl die kommunistische Partei in Brasilien verboten war. Als Goulart an die Macht kam, brachte er sofort eine wichtige Agrarreform voran, nationalisierte mehrere Unternehmen, die bis dahin US-amerikanischen transnationalen Korporationen gehört hatten. Besonders wichtig war, dass alle Kommunikationsunternehmen ab sofort dem Staat gehörten.

    Mitte März begannen in Brasilien Proteste, die vom Establishment und von Geistlichen organisiert und von den USA mitfinanziert wurden.

    Am 31. März brach in einem der brasilianischen Bundesstaaten eine Revolte aus. Goulart wurde zum Rücktritt aufgefordert. Zunächst versuchte er, den Aufständischen zu widerstehen, aber die Streitkräfte verweigerten ihm die Unterstützung. Der Präsident musste nach Uruguay fliehen. Aber auch dort fand er keine Ruhe.

    1976 starb der Ex-Präsident, der sich zu diesem Zeitpunkt in Argentinien befand, unerwartet. Es gibt gewichtige Gründe, zu vermuten, dass er im Rahmen eines gemeinsamen Sondereinsatzes der USA und mehrerer lateinamerikanischer Länder vergiftet worden sein könnte, der unter dem Codenamen „Cóndor“ verlief. Diese Operation verfolgte das Ziel, Oppositionspolitiker zu beseitigen.

    1973. Salvador Allende. Chile

    Militärputsch in Chile am 11. September 1973
    © Sputnik / Archiv
    Militärputsch in Chile am 11. September 1973

    Am 11. September 1973 kam es in Chile zum Putsch, wobei der legitime Präsident Salvador Allende von Augusto Pinochet gestürzt wurde. Auch hier hatten die Amerikaner ihre Finger im Spiel. Allende war für sie ein sehr „unbequemer“ Präsident seines Landes – seit seinem Amtsantritt verbesserten sich Chiles Beziehungen mit der Sowjetunion konsequent. Zudem leitete der „Genosse Präsident“ die Verstaatlichung von Großunternehmen ein, von denen viele US-Amerikanern gehörten. Allende zeigte sich bereit, sie dafür zu entschädigen, doch diese lehnten das Angebot ab.

    >>>Mehr zum Thema: „USA verdrehen die Arme“ — Ex-UN-Sonderberichterstatter zu Lage in Venezuela<<<

    Am 11. September begann der Putsch, wobei die Militärs den Präsidenten mehrmals aufforderten, die Macht aufzugeben, aber er wies ihre Aufforderungen zurück und nannte sie „Feiglinge“. Als Allende klar wurde, dass der Präsidentenpalast erobert wurde und Pinochet gewonnen hat, zog er es vor, sich selbst zu erschießen.

    Erst Ende der 1990er-Jahre wurden CIA-Dokumente freigegeben, die bewiesen, dass die USA Augusto Pinochet finanziell unterstützt, ihm seine Berater zur Verfügung gestellt und ihn auch politisch gefördert hatten.

    1976. Isabel Martínez de Perón. Argentinien

    Panzer vor dem Regierungspalast in Buenos Aires während des Militärputschs 1976
    © AFP 2019 /
    Panzer vor dem Regierungspalast in Buenos Aires während des Militärputschs 1976

    Am 24. September 1976 wurde in Argentinien die weltweit erste Präsidentin gestürzt – Isabel Perón. Den Putsch führte General Jorge Rafael Videla an, der später quasi zu ihrem Nachfolger wurde.

    Man konnte der Präsidentin keineswegs Sympathien für die UdSSR vorwerfen, aber laut ihren Zeitgenossen zeigte sie sich als eine kurzsichtige Politikerin. Die USA empfanden Sympathien für General Videla, der unter Präsidentin Perón Befehlshaber des Heeres war, und unterstützten ihn während des Putsches.

    Aber nach dem Ausbruch des so genannten „Schmutzigen Krieges“, der sich durchaus als „Terror“ bezeichnen ließe, überlegte man sich in Washington seine Position zu dem General anders. Nach seiner Entmachtung 1981 wurde er beschuldigt, zahlreiche Kriegsverbrechen begangen zu haben – und diese Beschuldigungen waren absolut berechtigt.

    1970er- und 1980er-Jahre. Operation „Cóndor“

    Für Einsätze zur Ermordung von Oppositionspolitikern waren Geheimdienste verschiedener lateinamerikanischer Länder verantwortlich, wo es Militärdiktaturen gab. Dabei genossen sie natürlich große Unterstützung ihrer amerikanischen Kollegen.

    Laut verschiedenen Angaben waren insgesamt 40 000 bis 60 000 Menschen Opfer der Sonderoperation „Cóndor“ geworden. Dabei wurden mehr als 20 ehemalige Präsidenten von lateinamerikanischen Ländern (unter anderem der schon erwähnte brasilianische Ex-Staatschef Goulart), andere hochrangige Politiker, die Sympathien für sozialistische und kommunistische Ideen hatten, sowie Diplomaten getötet.

    Erst 2016 begann ein großer Gerichtsprozess gegen mehrere ehemalige Diktatoren. Für ihre Verbrechen wurden sie zu Haftzeiten von acht bis 25 Jahren verurteilt. Der Internationale Strafgerichtshof versuchte, unter anderem den einstigen US-Außenminister Henry Kissinger zur Verantwortung zu ziehen, der an der Vorbereitung der Operation „Cóndor“ beteiligt gewesen sein soll. Aber die USA weigern sich immer noch, an den Sitzungen des Internationalen Strafgerichtshofs teilzunehmen.

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    Tags:
    Machtumsturz, Außenpolitik, Verbrechen, Putsch, CIA, Nicolás Maduro, Salvador Allende, Henry Kissinger, Argentinien, Chile, Brasilien, Lateinamerika, Venezuela, USA