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    „Big Bang“-Theorie: Warum China Superbomben entwickelt

    © Foto: Sunson Guo
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    Die russische Zeitung „Iswestija“ hat die Möglichkeiten der stärksten konventionellen Bomben genauer unter die Lupe genommen.

    Anfang Januar testete China seine neuesten superschweren Fliegerbomben, die sofort als chinesische Version der „Mother of all bombs“ bezeichnet wurden. Dieser Begriff wird häufig zur Beschreibung einer absoluten Waffe genutzt. Dennoch haben diese Waffen einen ziemlich konkreten Zweck. Wie diese Superbombe funktioniert, und unter welchen Bedingungen sie eingesetzt werden kann  – das lesen Sie in diesem „Iswestija“-Artikel.

    Nichtnukleare Vernichtung

    Die Idee, Bodenobjekte mithilfe von überstarken Fliegerbomben zu vernichten, hat sich seit der Zeit des Zweiten Weltkriegs im Unterschied zu anderen Methoden der Kriegsführung fast nicht geändert. Ein starker Gefechtskopf gilt als eines der effektivsten Mittel zur Vernichtung eines geschützten bzw. unterirdischen Objekts auf dem Territorium des Gegners. Besonders beliebt sind diese Geschosse bei den Amerikanern. Nach verschiedenen Einschätzungen nutzten US-Militärs alleine in Vietnam mehr als 12.000 Tonnen schwere Geschosse, die Waffen dieses Typs wurden als eines der effektivsten Mittel der Kriegsführung in einer so genannten „gemischten“ Landschaft eingestuft.

    Besonders populär bei den Amerikanern war die Fliegerbombe BLU-82 mit einem Gewicht von fast sieben Tonnen. Allein der Gefechtskopf wog 5,7 Tonnen. Die Bombe wurde erfolgreich in Vietnam eingesetzt, darunter bei ungewöhnlichen Zielen wie die Vernichtung von Hubschrauber-Landeplätzen im Dschungel.  Später wurde sie auch im Golfkrieg 1991 und während des Afghanistan-Einsatzes der USA und deren Verbündeten eingesetzt.

    Nach dem ersten Angriff auf Taliban-Objekte gerieten die superschweren Bomben für einige Zeit in Vergessenheit, denn die Höhlen und Bunker in den Felsen konnten mit diesen Bomben nicht vernichtet werden. Ein Jahr nach der Invasion der US-Armee in Afghanistan wurde ein Forschungslabor der US-Luftstreitkräfte beauftragt, die BLU-82-Bombe nachzubessern. Nach einem Jahr entstand die MOAB. Die schwere Fliegerbombe (Massive Ordnance Air Blast, dt. Mächtige Luft-Explosions-Waffe) hatte auch eine andere Bezeichnung — „Mother of All Bombs“. Im Unterschied zu den meisten Fliegerbomben wurde sie immer punktuell und äußerst selektiv eingesetzt. 2003 bestätigten die Tests der Bombe, deren Gewicht beinahe auf zehn Tonnen stieg, dass die MOAB gegenüber BLU-82 fast um das Doppelte effizienter ist.

    Allerdings fand der erste Kampfeinsatz der MOAB deutlich später statt – erst im April 2017 hatten US-Militärs nach einem Aufklärungseinsatz ein passendes Objekt gefunden. Das Ziel der „Mother of All Bombs“ war eine Tunnelanlage, die von IS-Extremisten* bei Atschin in der Provinz Nangarhar bei Pakistan genutzt wurde.

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    Zum Einsatzort wurde die MOAB mit einer Lockheed C-130 gebracht, und mit Hilfe einer Trägheitsnavigationsplattform und einem kleinen Fallschirm abgeworfen. US-Experten behaupteten, dass die MOAB die stärkste der früher entwickelten und in Dienst gestellten Fliegerbomben ist. Das amerikanische Geschoss war sogar stärker als die schwerste sowjetische Fliegerbombe FAB-9000 mit einem Gewicht von rund neun Tonnen und fast 4,5 Tonnen TNT.

    Im Unterschied zu TNT nutzten die Amerikaner bei der MOAB den gemischten Sprengstoff H-6, der aus drei Bestandteilen besteht – Hexogen und TNT und Aluminium-Pulver. Bei Experimenten mit dem Sprengstoff wurde fast die doppelte Sprengleistung im Vergleich zu einfachen TNT-Bomben erreicht. Zudem wurde die MOAB mit GPS-Lenksystem ausgestattet, damit wurde fast eine absolute Genauigkeit beim Treffen der Ziele erreicht (Koeffizient 0,99).

    Keine Umweltschäden

    Das russische Herangehen bei der Entwicklung der „Waffe der neuen Generation“ unterschied sich stark vom dem der USA. Die Erfahrungen, die bei der Entwicklung von Volumen-Explosions-Geschossen gesammelt wurden, ließ die russischen  Wissenschaftler eine Volumen-Detonations-Bombe mit größerer Sprengkraft entwickeln.

    Da das Projekt geheim gehalten wird, macht das russische Verteidigungsministerium bis heute die technischen Eigenschaften dieser Waffe nicht publik – es sind weder der Index noch Code der Konstruktions- bzw. Wissenschaftsarbeiten bekannt. Die einzigen Angaben über diese Waffe waren in einer kurzen Reportage in einer Nachrichtensendung vom 11. September 2007 zu erfahren, in der der stellvertretende Generalstabschef der russischen Streitkräfte Alexander Rukschin sagte, dass die Effizienz der neuen Waffe mit nuklearen Geschossen vergleichbar sei und der Sprengstoff keine Umweltschäden hinterlasse.

    Dass diese Fliegerbombe neu ist, wurde nicht gesagt, doch der sich „zerstreuende Brennstoff“, um den es in der kurzen Reportage ging, lässt darauf schließen, dass Volumen-Detonations-Geschosse getestet wurden.

    Die bekannteste Volumen-Detonations-Bombe wurde vom russischen wissenschaftlichen Produktionsbetrieb Basalt entwickelt. Die Bombe ODAP-500P ist eines der tödlichsten Luftangriffsmittel – dank dem Kaliber von 500 kg kann die Bombe  fast an allen Flugzeugtypen angehängt werden, darunter Su-25-Angriffsflugzeuge und Su-24/34-Bomber.

    In diesem Zusammenhang ist die neue Volumen-Detonations-Fliegerbombe keine prinzipiell neue Waffe, doch die Eigenschaften dieser Bombe ermöglichen Offensiveinsätze zur Außerbetriebssetzung von strategischen Objekten des Gegners. Bemerkenswert ist auch, dass die russische ODAB-Bombe im Unterschied zu den US-Luftstreitkräften, bei denen die leistungsstarken Bomben von speziellen Flugzeugen getragen werden, mit strategischen Raketenträgern Tu-160 mitgeführt werden können, die unter anderem zum Durchbrechen der gegnerischen Flugabwehrmittel bestimmt sind.

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    Die hohen Explosionstemperaturen und das Entstehen einer gewaltigen Druckwelle innerhalb weniger als einer Sekunde schließen Überlebenschancen beinahe aus. Die Explosion der Aerosolwolke lässt die Fläche im Vergleich zu Sprengbomben um das Drei- bzw. Vierfache steigern.

    Nachahmen

    Trotz mehrerer Vorteile sind sowohl die amerikanischen als auch die russischen Fliegerbomben Waffen für den Einsatz in außerordentlichen Fällen. Die schwierige Handhabung dieser Waffen bei Kampfeinsätzen schreckte das chinesische Militär nicht davon ab, aussichtsreiche Treffmittel gerne überall dort zu implementieren, wo es gefragt sein könnte.

    Der Auftrag zur Entwicklung einer Gleitbombe wurde von der Firma Norinco umgesetzt, doch diese Entwicklung kann nicht als absolut eigenständig bezeichnet werden. Nicht nur das Schema der Explosion, sondern auch die Anwendungstaktik wurde von chinesischen Spezialisten von Russland kopiert.

    Peking weist zwar offiziell die „thermobarische Herkunft“ ihrer Bombe zurück, dennoch kann man ausgehend von den Aufnahmen von Tests, welche die Agentur Xinhua veröffentlicht hat, schlussfolgern, dass das chinesische Militär die Volumen-Detonations-Geschosse bei wahrscheinlichen Konflikten als aussichtsreichere Waffe betrachtet. Allerdings kann auch die Anwendung eines gemischten Typs des Gefechtskopfes nicht ausgeschlossen werden, mit dem chinesische Militärs die lebendige Kraft des Gegners und Objekte mit einem Abwurf treffen können.

    Auch die Anwendungstaktik ist ähnlich: Auf den Testaufnahmen ist gut zu sehen, dass als Träger der stärksten nichtnuklearen Waffe die Bomber Xian H-6K gewählt wurden. Allerdings gibt es auch in diesem Aspekt einige Unterschiede. Dem chinesischen Militär zufolge wird die Fliegerbombe bedeutend leichter und kleiner als die amerikanische Bombe sein, weshalb sie in Standard-Behältern von Langstrecken-Flugzeugen befördert werden kann.

    Herausragende Elemente der Fliegerbombe bedeuten wohl, dass das Geschoss zu den Hochpräzisionswaffen mit Satelliten-Zielanweisung gehört. Wenn die Vermutungen bezüglich des Typs des Gefechtskopfes und der Zielanweisung sich als richtig erweisen, wird das chinesische Militär als erstes eine nichtnukleare Hochpräzisionswaffe der neuen Generation besitzen. Wegen der geringen Abmessungen, der hohen Präzision und der ausreichenden Schlagkraft kann dieses Geschoss für taktische und strategische Ziele genutzt werden.

    *IS („Islamischer Staat“) – eine in Russland verbotene Terrororganisation

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    Tags:
    Entwicklung, Bombe, Vernichtung, Invasion, IS, Taliban, China