11:56 24 März 2019
SNA Radio
    Ein Feuerwehrmann sichert die Aktivitäten auf dem Heli-Deck während Bauarbeiten an der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 (Archivbild)

    Nord Stream 2 hilft Deutschland, „Fukushima-Syndrom“ loszuwerden

    © Foto: Nord Stream 2 / Axel Schmidt
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Rueconomics
    11685

    Unter den Gründen, warum das Pipeline-Projekt Nord Stream 2 befürwortet werden sollte, wird in Deutschland der für 2038 geplante Verzicht auf Kohle und Kernkraftwerke genannt. Kohle hält die Bundesregierung für umweltschädlich, und für den Ausstieg aus der Atomenergie entschied sich Berlin nach dem AKW-Unglück im japanischen Fukushima im März 2011.

    Potenzielle Probleme in der Energiewirtschaft ließen sich durch eine intensivere Verwendung von Erdgas überwinden.

    Darum ist Deutschland für Nord Stream 2

    Über die Gründe für die Unterstützung der Nord-Stream-2-Pipeline sprach der Russland-Beauftragte der Bundesregierung, Dirk Wiese, in einem Interview für das ZDF. „Wir steigen 2038 aus der Braunkohle aus, wir steigen aus der Kernkraft aus“, sagte er. „Wir wollen hin zu 100-Prozent-Energien. Und um diese Übergangszeit zu schaffen, brauchen wir Erdgas.“

    >>>Mehr zum Thema: USA und Polen wollen Nord Stream 2 verhindern – nicht nur wegen Russland<<<

    Zugleich verwies der Politiker darauf, dass Russland schon immer „ein sicherer Lieferant“ gewesen sei. Deshalb „halten wir an Nord Stream 2 fest“, betonte er. Die jüngste Kritik des US-Botschafters in Berlin an dieser Position nehme man „mit Erstaunen zur Kenntnis“.

    „Beim Kohleverzicht geht es um eine bewusste Politik, die schon seit mehreren Jahren ausgeübt wird“, stellte der Direktor des russischen Forschungszentrums für globale Energiemärkte, Wjatscheslaw Kulagin, gegenüber dem Portal Rueconomics fest. Das sei nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern Europas ein sensibles Thema, weil damit etliche soziale Fragen verbunden seien.

    „Für viele Städte sind Kohlebergwerke systembildende Betriebe, die ihren Einwohnern Arbeitsplätze bieten“, unterstrich der Experte. „Dennoch hat sich Deutschland für den Ausstieg aus der Kohleindustrie entschieden, weil Kohle aktuell der umweltschädlichste Brennstoff ist.“ Einige Zeit lang habe es noch Hoffnungen auf neueste Reinigungstechnologien gegeben, doch die Ausgaben für ihre Entwicklung seien dermaßen groß gewesen, dass es einfacher sei, auf alternative Energiequellen zu setzen, vor allem auf Erdgas, erläuterte Kulagin.

    Das Problem des „Fukushima-Syndroms“

    Was die Atomenergie angehe, so habe sie sich in Deutschland durchaus erfolgreich entwickelt, fuhr der Experte fort. Aber nach der Tschernobyl-Katastrophe 1986 habe man in Berlin erste Bedenken gehabt, und das ähnliche Unglück in Japan 2011 habe bei den Deutschen das so genannte „Fukushima-Syndrom“ ausgelöst, und Berlin habe den Ausstieg aus der Kernkraft beschlossen.

    „Eine ganze Reihe europäischer Länder ist denselben Weg gegangen und hat die Umsetzung ihrer Pläne gestoppt“, so Kulagin weiter. „Das war eine ziemlich lange Pause, aber die deutsche Regierung ist überzeugt, dass mit der Atomenergie ziemlich große Gefahren verbunden sind, so dass es besser wäre, alle Kernkraftwerke auf dem Territorium des Landes zu schließen. Also gibt Deutschland allmählich die Kohleindustrie auf, und auch die AKW werden geschlossen. Und es wird in einigen Jahren eine Nische entstehen, die mit etwas gefüllt werden müsste – und da gibt es nur wenige Alternativen: entweder Erdgas oder erneuerbare Energiequellen.“

    Erdgas sei aber vorteilhafter, denn erneuerbare Energiequellen gebe es nicht so viele, und sie müssten fast immer von traditionellen Quellen „gedoubelt“ werden.

    Die Zeitung „Die Welt“ hat vor kurzem die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, der zufolge die Nachfrage nach russischem Gas in Europa schon 2025 auf 409 Milliarden Kubikmeter pro Jahr anwachsen würde.

    Igor Juschkow von der Finanzuniversität bei der russischen Regierung führte an, dass Russlands Anteil in den vergangenen Jahren ständig wachse – unabhängig von Angeboten der Konkurrenz und von den europäischen Plänen zur Diversifizierung ihrer Energiequellen. Zugleich verwies der Experte darauf, dass Erdgas für Deutschland und auch andere europäische Länder nicht nur aus rein wirtschaftlicher Sicht nützlich sei, sondern auch für die europäische Tagesordnung auf dem Gebiet Klimaschutz eine wichtige Rolle spiele.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Sicherheit, AKW, Atomenergie, Atomkraftweke, Gaspipeline, Gaslieferungen, Nord Stream 2, EU, Nord Stream AG, Gazprom, Japan, Fukushima, Ostsee, Russland, Deutschland