Widgets Magazine
10:29 19 September 2019
SNA Radio
    Su-27 in der Region Kaliningrad (Archiv)

    Kaliningrad: Bei russischen Marinefliegern klafft eine Lücke

    © Sputnik / Igor Sarembo
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Von
    1828517
    Abonnieren

    Russlands Militär will in der Region Kaliningrad einen Großverband von Marinefliegern aufbauen. Das wäre die erste Truppenaufstockung in der russischen Exklave seit vielen Jahren. Doch es gibt große Zweifel an der Einsatzfähigkeit der Marineflieger. Die Materialversorgung ist dabei nicht das Problem, schreibt die Zeitung „Wsgljad“.

    Ein Jagdverband ist auf dem Stützpunkt der Marineflieger der russischen Ostseeflotte in Kaliningrad schon gegründet worden, ein weiterer ist bereits fest eingeplant. Kommt noch ein dritter hinzu, entsteht auf der Basis in Kaliningrad eine ganze Division von Marinefliegern. Ausgerüstet werden die Einheiten laut der Zeitung mit den russischen Standardjets Su-27.

    Kaliningrad ist bekanntlich die westliche Vorhut der russischen Verteidigung. „Natürlich muss dort ein starkes Kontingent stationiert werden“, sagt der Militärexperte und Fachjournalist Dmitri Drosdenko laut dem Blatt. „Russland wird ständig damit konfrontiert, dass Nato-Flugzeuge an russischen Grenzen aufkreuzen. Es kommt zu Provokationen in der Luft, zu gefährlichen Annäherungen an russische Flugzeuge.“

    Der Aufbau des Großverbandes in Kaliningrad sei auch eine Reaktion auf den Ausstieg der USA aus dem INF-Vertrag, sagt Generalmajor der Luftstreitkräfte a.D. Wladimir Popow: „Russland kompensiert die Schlagkraft von Raketensystemen.“ Es wären sogar zusätzliche Kräfte notwendig. „Ein Jagdbombergeschwader, ausgestattet mit Su-34-Jets, und zwei weitere Verbände mit Su-24“, sagt der Offizier. „Das wäre ein gutes Signal an die Nato.“

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Andrej Hunko (Die Linke): „Viele meinen, man könnte Russland totrüsten“<<<

    Popows Kollege Generalmajor Alexander Zalko sagt: Durch den Aufbau des Großverbandes hole Russland nur das an Truppen nach, was es in der Vergangenheit verloren habe. Zalko war Vize-Kommandeur der Marineflieger in Kaliningrad. Er rechnet vor: „1991 zählten die Marineflieger der russischen Ostseeflotte 328 Kampfflugzeuge und 70 Hubschrauber.“

    Zum Vergleich: Ende 2018 hatte das Jagdgeschwader auf der besagten Basis in Kaliningrad nur 13 Kampfjets Su-27, drei davon sind doppelsitzige Übungsmaschinen. Der auch dort stationierte Jagdbomberverband verfügt über vierzehn Su-24M und acht neue Su-30SM.

    Bezeichnend ist übrigens, dass auch die russische Panzertruppe in Kaliningrad vor zehn Jahren äußerst stark schrumpfte: von einst 803 auf 40 Einheiten. 2009 bis 2010 zog das Verteidigungsministerium massiv Panzer aus der Exklave ab. Den Verlust will man jetzt ein wenig ausgleichen. In diesem Monat sind nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums 30 Panzer T-72B nach Kaliningrad gebracht worden, schreibt das Blatt.    

    Dass die heutigen Marineflieger, verglichen mit den Sowjetzeiten, eine Minitruppe sind, ist aber noch nicht die eingangs erwähnte Lücke. Das russische Verteidigungsministerium hat bereits angekündigt, weitere Su-27-Jets aus der Nähe der Stadt Twer nach Kaliningrad zu verlegen. Die größte Gefahr für die Einsatzfähigkeit des künftigen Großverbandes ist nämlich der Personalnotstand, so die Zeitung.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: INF am Ende: Putin lässt Hyperschall-Rakete mittlerer Reichweite bauen<<<

    Die einzige Offiziersschule, die in Russland noch Marineflieger ausbildet, hat mehrere Jahre lang nahezu keine Anwärter aufgenommen. Erst 2013 wurde den Verantwortlichen das Problem bewusst. Aber ausgeräumt ist es noch lange nicht. Verteidigungsminister Schoigu sagte 2017 vor russischen Abgeordneten, den russischen Luft- und Weltraumstreitkräften fehlten ganze 1.300 Piloten.

    „Das Problem des Personalmangels ist kolossal. Es muss durch die Gründung neuer Fachschulen für die Pilotenausbildung angegangen werden“, sagt Generalmajor Zalko. „Wir haben jahrelang davor gewarnt, die bestehenden Einrichtungen zu schließen. Man muss niemanden ausbilden, wenn man keine Piloten braucht, aber die Struktur hätte man erhalten müssen. Es braucht Jahre, eine Ausbildungsstätte aufzubauen.“

    Natürlich könne man kurzfristig Kampfpiloten aus anderen Einheiten nach Kaliningrad verlegen, sagt der Offizier. „Aber das wäre nur eine Notmaßnahme. Man muss das Problem systematisch angehen.“ Zumal: „Nach der Ausbildung an der Fachschule ist ein Kampfpilot noch lange nicht fertig. Vier Jahre Flugpraxis sind das Mindeste, um das Personal auf künftige Einsätze vorzubereiten.“ Und es fehlt ja nicht nur ein Pilot, sondern Hunderte.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Jets, Spiegelmaßnahmen, Einsatz, INF-Vertrag, Su-27, NATO, Kaliningrad, Russland