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    Alles beim Alten: Auch der „neue“ Wirtschaftskurs der USA bringt nichts als Gewalt

    © Foto : U.S. Air Force/Osakabe Yasuo
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    Swesda
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    Als es um den Irak, um Libyen und Syrien ging, ahnte man es. Jetzt, da es um Venezuela geht, wird die Vorahnung bestätigt: parallel zum Spiel um Finanzen läuft ein Spiel um Energie, schreibt Finanzexperte Leonid Krutakow von der Finanzuniversität bei der russischen Regierung im Gastbeitrag für das Portal „Swesda“.

    Zwei Grundsätze waren es, auf denen Präsident Roosevelt in den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts den New Deal aufbaute, um die Vereinigten Staaten aus der Großen Depression zu führen. Staatliche Kontrolle über die Verschiebung von Bankenkapital war der eine Grundsatz. Der andere: strenge Regulierung des Energiemarkts. Das erste Prinzip galt nur für die Spielregeln in den USA, das zweite griff weltweit.

    Später werden die beiden Grundsätze zum Fundament des Bretton-Woods-Systems – nehmen die Weltmärkte in Geiselhaft des Dollars. Eine einheitliche Finanzpyramide erfordert ein einheitliches Machtzentrum mit einer einheitlichen Rechtsordnung und einem einheitlichen Strafvollzugssystem. Das ist ein Axiom, das es einfach anzunehmen gilt.

    Dieses Axiom ist die Grundlage auch für die heutige Krise. Heute führt jeder Versuch, die Dominanz der Vereinigten Staaten auf den Finanz- oder Energiemärkten zu lockern, unweigerlich zur Destabilisierung der Weltwirtschaft. Das globale Finanzsystem ist zwar homogen, aber politische Ziele gehen weit auseinander.

    Solange China und Russland im Kielwasser der Vereinigten Staaten fuhren, wuchs die Weltwirtschaft brav. Seitdem Peking und Moskau beschlossen haben, ihre eigenen Wege zu gehen, gibt es Probleme: Die angelsächsische Finanzmaschinerie ist an soziokulturelle Grenzen gestoßen.

    Es ist wichtig einzusehen: Eine Umverteilung der Kräfte zugunsten neuer Machtzentren zieht unweigerlich eine Umverteilung des globalen Wirtschaftswachstums nach sich. Nicht die Wirtschaft bestimmt die Führerschaft eines politischen Systems, sondern exakt umgekehrt. Was das heißt? Das heißt, die Vereinigten Staaten haben keine Wahl.

    Da ihr finanzwirtschaftlicher Weltentwurf mit dem politischen nicht kompatibel ist, stehen die USA vor der Wahl: entweder auf Chinas und Russlands Vorstellungen eingehen oder die eigenen Versprechen aushöhlen, die einst in Form von Dollarscheinen gegeben wurden. Heute kann man mit Gewissheit sagen, dass die Krise von 2008 und die seitdem andauernde Rezession keine zyklische, sondern eine handgemachte war.

    Das zum Zeitpunkt der Krise bestehende Weltwirtschaftsmodel (die internationale Arbeitsteilung) hatten die USA mit politischen Mitteln und eigenen Händen geschaffen. Sie sind es auch, die es aus dem Gleichgewicht gebracht haben. Insofern war die massive Geldemission, die die Federal Reserve 2008 gestartet hat, keine Reaktion auf die Krise, sondern ein Präventivschlag gegen die Absichten Chinas und Russlands.

    Laut dem Rechnungshof der Vereinigten Staaten erreichte die bilanzexterne Emission der Federal Reserve einen Umfang von 14 Billionen Dollar. Das ist – zum Vergleich – doppelt so viel wie die gesamten Bargeldbestände des letzten Jahrhunderts.

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    Ausgegeben wurde dieses ganze „neue Geld“ dafür, von den „neureichen“ Chinesen, Russen, Arabern und Indern, die sich in die Kapitalstrukturen transnationaler Konzerne eingekauft hatten, ihre Konzernanteile zurückzukaufen. In die Realwirtschaft flossen die Billionen nicht. Sanktionen und Handelskriege haben die Investitionszone weiter eingeengt.

    Der Motor der Weltwirtschaft ist nun aus. Das gegenwärtige Wachstum der Fondsmärkte gibt die reale Wirtschaftstätigkeit nicht wieder, es simuliert sie nur: Lediglich 2 von 100 Dollar, die eine Landesgrenze überschreiten, sind echten Handelsgeschäften zuzuordnen.

    Das grün bedruckte Papier hängt in Bankbilanzen fest und erzeugt das Phänomen negativer Einlagezinsen (die Minussalden der Zukunft), die weltweit die Ersparnisse und Währungsreserven aufzehren. Damit das Papier wieder zu arbeiten beginnt, müssen entweder die Finanz- (also die Politik-) regeln geändert oder China und Russland bezwungen werden.

    Was aber zu allererst bezwungen werden muss, sind die Energiemärkte – um die Dollarpyramide mit den weltweiten Ölreserven aufzupumpen. Was die Weltwirtschaft verschrieben bekommt, ist dieselbe Arznei, die Präsident Roosevelt einst der Wirtschaft seines Landes verordnete: strenge Kontrolle über die Finanz- und Energiewirtschaft.

    Es war schließlich Erdöl, das einst die Grundlage für den Welthandel gelegt hat. Am Handel mit Erdöl wurden Regeln erarbeitet. Erdöl wurde zur ersten realwirtschaftlichen Ausfallversicherung für Kredite.

    Der Kampf zweier Ölförderzentren um die Vorherrschaft im Welthandel hat für lange Zeit alle politischen Kollisionen, Krisen und Kriege auf dem Planeten vorausbestimmt. Angefangen beim russisch-türkischen Krieg, der den Hafen von Batumi und die Donau-Mündung für die Lieferung von russischem Öl nach Europa freilegte, über den russisch-japanischen Krieg, der für die russischen Kerosin-Lieferungen nach Asien über die Transsib das Aus bedeutete, bis hin zum Ersten und Zweiten Weltkrieg. Irak, Libyen, Syrien und Venezuela sind nur die Fortsetzung dieses großen Spiels.

    Die stärkste Kraft bei der Verteilung der Ölrendite war lange Zeit das Kartell der Sieben Schwestern: sieben Ölkonzerne – fünf amerikanische, ein britischer und ein britisch-niederländischer. Das Kartell kontrollierte 85 Prozent des globalen Ölmarkts. Bis zu den Jahren 1971-73.

    Der arabisch-israelische Jom-Kippur-Krieg und das darauffolgende Ölembargo gilt allenthalben als Ursache für den damaligen Ölpreisschock. Die wirkliche Ursache war jedoch der Verzicht der Vereinigten Staaten auf den Goldstandard, der den gesamten Welthandel aus den Angeln gehoben hatte.

    Die von den Ölscheichs angesammelten Dollarreserven verwandelten sich im Handumdrehen in grün bedrucktes Papier. Die ölexportierenden Länder ließen sich auf das Husarenstück ein und sicherten den Dollar im Gegenzug für die Ölpreiserhöhung mit schwarzem Gold ab. Sonst wäre ihr Vermögen entwertet.

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    Infolge des sechsfachen Preisanstiegs auf das schwarze Gold erlitten erdölimportierende Länder Europas und Asiens enorme Verluste, während der Exxon-Konzern aus den USA, der die gesamte Förderung in Saudi-Arabien kontrollierte, ein Gewinnwachstum von 60 Prozent verzeichnete.

    Ein Ergebnis des Ölpreisschocks war die Auflösung des Kartells: die Verteilung der Ölrendite sollte nicht länger über die Preispolitik der Sieben Schwestern erfolgen, sondern über die Börse, wo mit Futures – dem „Papier-Öl“ – gehandelt wird. Die New Yorker Warenbörse wurde mit der Wertpapierbörse zusammengelegt, das Ruder der Weltwirtschaft übernahmen von den Ölmultis die Börsenspekulanten, auch Investmentbanken genannt.

    Kommt eine Finanzpyramide ins Wanken, reicht die Kontrolle über eine Schlüsselressource nicht länger aus. Nahezu zeitgleich mit dem Beginn des Irak-Kriegs (rund 10 Prozent der weltweiten Ölreserven) verkündeten die USA ihre neue außenpolitische Doktrin: die Stabilität wurde zugunsten der Demokratisierung aufgegeben.

    Die Ergebnisse haben alle vor Augen: Auf den ersten Blick könnte es so aussehen, als hätte das Chaos im Nahen Osten und in Venezuela (18 Prozent der weltweiten Ölreserven) für die USA keine Vorteile. Aber eben nur auf den ersten Blick…

    Kürzlich hat Präsident Trump erklärt, er werde innerhalb von zwei Amtszeiten alle Außenschulden der Vereinigten Staaten (21 Billionen Dollar) bezahlen. Dafür müssen die Einnahmen der USA schnell ein Wachstumstempo erreichen, das durch Produktivitätssteigerungen nicht zu erzielen ist.

    Heißt das, man kann wiedermal eine Erklärung von Trump in die Tonne werfen? Die Vergangenheit des Energiemarkts lehrt uns jedenfalls das Gegenteil.

    1973 konnte die Dollarpyramide durch den Börsenhandel mit Öl aufgepumpt werden. Später, 1986, führte der Ölpreissturz zum Anstieg der Schuldenlast und dem Zusammenbruch der UdSSR. Die anschließende Privatisierung des sowjetischen Volkseigentums in den Neunzigerjahren sog die überschüssige Dollar-Liquidität (die Staatsschulden der USA) wie ein Staubsauger auf und verwandelte sie in Investitionen.

    Wenn Trump davon spricht, er werde die Außenschulden tilgen, dann geht es also nicht um das Abbezahlen von Krediten. Es geht dann darum, den Dollar als die wichtigste Umrechnungseinheit in der Weltwirtschaft zu behaupten.

    Die Dollar-Blase muss schnellsten mit echten Aktiva gefüllt werden. Letztlich stellen Flugzeugträger sicher, dass die USA weiterhin Schuldscheine ausstellen können, die der Rest der Welt begleicht. Aber ohne realwirtschaftliche Werte bringt das Geld keinen Ertrag.

    Am schnellsten und am einfachsten ist der riesige Berg von Verpflichtungen, die die USA in letzter Zeit ausgegeben haben, dadurch aufzuwerten, dass man Öl- und Gasreserven in die eigene Bilanz aufnimmt. Das aber heißt, dass heute nicht die Börsen das Schicksal der Weltwirtschaft bestimmen, sondern die Schlachtfelder rund um den Globus.

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    Strategie, Dominanz, Verzicht, Krise, Dollar, Bretton-Woods-System, Donald Trump, Franklin Roosevelt, USA