07:48 26 April 2019
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    Überschallbomber Tu-160 (Archiv)

    Bomber Tu-160: Warum lässt Putin das „Museumsstück“ länger fliegen?

    CC BY-SA 4.0 / Alex Snow / Wikimedia Commons (croped a photo)
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    Swobodnaja Pressa
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    Ein US-Botschafter hat den russischen Überschallbomber Tu-160 verlacht: Die Maschine sei ein „Museumsstück“. Dass er unrecht hat, kann man nicht sagen. Dass die russische Maschine zum alten Eisen gehört, stimmt aber auch nicht. Vielmehr hat der Bomber eine glänzende Zukunft vor sich, schreibt das Portal „Swobodnaja pressa“.

    „Ein gutes Gefühl. Ich denke, so fliegt man im Traum“, sagte Wladimir Putin im August 2005, nachdem er soeben als Co-Pilot einer Tu-160 von einem Militärflugplatz nahe Moskau in den Norden Russlands geflogen war. Der Flug muss den russischen Präsidenten sehr beeindruckt haben, schreibt das Portal. Denn wenig später beschloss Putin, ein Modernisierungsprogramm für diesen Überschallbomber zu starten.

    Doch eigentlich sei der russische Bomber längst ein „Museumsstück“, wetterte ein US-Diplomat kürzlich, als zwei Tu-160 auf einem Flugplatz in Venezuela landeten. Recht hat der Botschafter, schreibt das Portal: In einem Luftfahrtmuseum in der Ukraine steht in der Tat eine Tu-160 als Ausstellungsstück – Bordnummer 26.

    Das ist eines der neunzehn Tu-160-Bomber, die die Ukraine nach dem Zerfall der Sowjetunion übernommen hatte. Die Hälfte davon gab die Ukraine an Russland ab: Auf diese Weise beglich Kiew seine Gasschulden bei Moskau. Die andere Hälfe wurde ausgemustert und entsorgt. Die Vereinigten Staaten bezahlten die Verschrottung. Einige dieser Flugzeuge waren übrigens so gut wie neu, hatten nicht mal 100 Flugstunden absolviert.

    Sechzehn Tu-160-Bomber haben die russischen Luft- und Weltraumstreitkräfte heute im Einsatz. Jeder Bomber trägt den Namen eines berühmten Russen, der Großes für und bei der russischen Luftwaffe geleistet hat: Anton Tupolew zum Beispiel, der Flugzeugingenieur, der das Konstruktionsbüro gegründet hatte, in dem auch die Tu-160 entwickelt wurde.

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    Insofern wäre es vielleicht eine gute Idee, die nächste neugebaute Maschine dieses Typs auf den Namen Wladimir Putin zu taufen, so das Portal. Seiner Entscheidung sei es schließlich zu verdanken, dass der größte Überschallbomber der Welt eine neue Zukunft hat. Der nächste neugebaute Bomber wäre allerdings keine Tu-160, sondern eine Tu-160M2 – das Ergebnis des besagten Modernisierungsprogramms, das der russische Präsident nach seinem „traumhaften“ Flug verkündet hat.

    „Wir haben ein exzellentes Vorhaben umgesetzt. Wir haben faktisch eine neue Tu-160 für die Streitkräfte geschaffen“, sagte Putin unlängst beim Roll-out der ersten Tu-160M2 in einem Flugzeugwerk in Kasan. Es sei nicht nur das Flugzeug überarbeitet worden, „sondern auch die dazugehörigen Waffen“.

    Nach einem Demonstrationsflug der modernisierten Maschine besiegelte der russische Präsident die Beschaffung einer Kleinserie dieser Überschallbomber für die russische Luftwaffe. Stückpreis: 16 Milliarden Rubel, umgerechnet 210 Millionen Euro.

    Dafür bekommen die russischen Luft- und Weltraumstreitkräfte eine Maschine, deren Schlagkraft mit jener eines Atom-U-Boots vergleichbar sei, schreibt das Portal. Der neue Marschflugkörper Ch-BD zum Beispiel soll zum Arsenal der Tu-160M2 gehören. Die nuklearfähige Rakete hat eine Reichweite von über 3.000 Kilometern.

    Auch sonst haben die russischen Entwickler mit der Tu-160M2 alles getoppt, was das Vorgängerflugzeug schon zu einer „Höchstleistungsmaschine“ machte: 46 Weltrekorde hatte der größte und schwerste Überschallbomber der Welt aufgestellt. Der Nachfolger ist dem Vorgänger äußerlich zwar identisch, aber bei elektronischen Systemen, bei der Avionik und eben der Bewaffnung ist es ein absolut neues Flugzeug, schreibt „Swobodnaja pressa“.

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    Die Entscheidung für die Tu-160M2 rührt auch von der Notwendigkeit her, eine Übergangslösung für Russlands strategische Streitkräfte zu schaffen, bis der „Zukunftsbomber“ PAK-DA einsatzreif ist. Dieser wird übrigens auch von Tupolew entwickelt. Noch existiert die Maschine lediglich als Entwurf, mit dem Erstflug des Prototyps ist nicht vor 2025 zu rechnen.

    B-1B Lancer der U.S. Air Force
    © Foto : U.S. Air Force/Senior Airman Benjamin Stratton
    Entsprechend wenig weiß man über die PAK-DA. Das russische Verteidigungsministerium hat einen von Null auf neuentwickelten Bomber gefordert. Die wichtigste Anforderung: Der Bomber soll sowohl heutige als auch künftige Waffensysteme einsetzen können. Den bewährten Marschflugkörper Ch-102 etwa – oder den „Hyperschalldolch“, die „Kinschal“-Rakete, die Präsident Putin im März letzten Jahres präsentierte.

    Dass das Flugzeug über leistungsfähige EloKa-Systeme und Tarnkappentechnologie verfügen soll, versteht sich von selbst. Weniger wichtig ist hingegen die Geschwindigkeit: Der russische Zukunftsbomber fliegt unterschall, davon kann man ausgehen, so das Portal. Dafür steigt er höher als der Abfangjäger MiG-31. In der obersten Stratosphäre kann die PAK-DA auch als Startplattform für Satelliten genutzt werden.

    Bis dahin aber muss die Tu-160 noch dienen: 20 bis 30 Jahre hat der legendäre Bomber laut dem Portal noch vor sich, mindestens. Das Zeug zu neuen Höchstleistungen hat die Maschine auf jeden Fall – in modernisierter Version sowieso.

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    Tags:
    Einsatz, Modernisierung, Kinschal, Ch-101, Tu-160M2, Tu-160, Wladimir Putin, Russland