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01:26 19 Juli 2019
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    Manöver der US-Navy im Pazifik (Archivbild)

    US-Marine soll gewaltig aufrüsten: Sehen USA ihre Vorherrschaft gefährdet?

    © Foto: U.S. Navy / Mass Communication Specialist 2nd Class James R. Evans
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    Im Februar wurde in den Ausschuss für Angelegenheiten der Streitkräfte im Repräsentantenhaus des US-Kongresses ein neuer Gesetzentwurf eingebracht. Sein Autor - der Republikaner Jim Banks aus Indiana - fordert eine massive Aufrüstung der Seestreitkräfte.

    Nach seinen Worten sollte die Zahl der Kriegsschiffe auf 426 aufgestockt werden. Das wären 130 Schiffe mehr als jetzt und 72 mehr als Präsident Donald Trump plant. Unter anderem sollte die US-Flotte 15 Flugzeugträger und 100 Mehrzweck-U-Boote erhalten. Ungefähr so viele Kriegsschiffe bzw. U-Boote hatte Washington in den Jahren des Kalten Krieges.

    Zu wenig!

    Der Autor des Gesetzentwurfs, Ex-Marine-Offizier und Afghanistan-Veteran, findet, dass die Vereinigten Staaten aktuell ihren potenziellen Gegnern, vor allem Russland und China, kaum widerstehen und das Niveau ihrer Militärpräsenz in verschiedenen Regionen der Welt aufrechterhalten könnten. Angesichts dessen ruft Banks den Kongress auf, die zahlenmäßige Stärke der Marine für das Jahr 2050 festzulegen.

    Bis dahin sollten die USA laut Banks über folgende Schiffe bzw. U-Boote verfügen:

    — zwölf Atom-U-Boote mit ballistischen Raketen,

    — 100 Mehrzweck-Atom-U-Boote,

    — 15 Flugzeugträger,

    — 156 Kriegsschiffe verschiedener Klassen,

    — acht Kriegsschiffe, die für Einsätze in der Arktis geeignet wären,

    — 38 Landungsschiffe verschiedener Klassen,

    — 54 Kriegsversorgungsschiffe,

    — 14 Schnelltransporter,

    — sechs bewegliche Stützpunkte,

    — 23 Kommando- und Versorgungsschiffe.

    Der Plan ist durchaus radikal: Aktuell beläuft sich die zahlenmäßige Stärke der US-Marine auf etwa 280 Schiffe der erwähnten Klassen (samt diverser Hilfstechnik wird manchmal die Zahl von etwa 500 genannt).

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    Der 2015 veröffentlichte 30-jährige Plan der Obama-Administration zum Schiffsbau sah 308 Schiffe vor, der Plan der Trump-Administration (von 2017) 355. Der Unterschied ist ziemlich groß. So hatte Obamas Plan „nur“ elf und Trumps Plan zwölf Flugzeugträger vorgesehen. (Aktuell stehen den Amerikanern elf Flugzeugträger zur Verfügung, und Banks will, wie gesagt, dass ihre Zahl 15 erreicht.) Statt der 100 Mehrzweck-U-Boote würde sich Trump mit 66 U-Booten begnügen, und Obama wollte, dass die USA 48 U-Boote haben sollten.

    Aber schon der Plan zum Flottenausbau auf 355 Schiffe gilt als kaum realistisch: Zu diesem Zweck müsste Washington seine Ausgaben um mehr als 30 Milliarden Dollar pro Jahr erhöhen, wobei die Ansprüche anderer Truppengattungen ebenfalls größer werden.

    Mit anderen Worten: Die Amerikaner müssten in den nächsten 30 Jahren zwölf Flugzeugträger bauen, denn bis dahin werden nur drei der jetzigen Schiffe dieser Klasse in Betrieb bleiben.

    Es ist schon lange her, dass die USA im großen Stil Flugzeugträger bauten: Zwischen 1961 und 1990 hatte die US-Flotte zehn Flugzeugträger bekommen. 

    1990 hatte Washington insgesamt 16 Flugzeugträger, darunter zwei „Midway“-Schiffe, die noch während des Zweiten Weltkrieges gebaut worden waren.

    Auch der Bau von 100 Mehrzweck-U-Booten wäre quasi eine „Rückkehr“ in die Jahre des Kalten Krieges: Es müssten 90 U-Boote binnen 30 Jahren hergestellt werden. Das wäre mit den Jahren 1976 bis 1996 vergleichbar, als 62 U-Boote vom Stapel liefen.

    Wozu so viel?

    Die US-Seestreitkräfte sind zahlenmäßig stärker als alle anderen Flotten der Welt zusammen. Dabei muss man sagen, dass die Marine einen sehr großen Teil des gesamten US-Militärpotenzials ausmacht. Neben den strategischen Atomwaffen und Deck-Kampfjets verfügt sie über Marschflugkörper Tomahawk (insgesamt etwa 4000 Stück), die seegestützten Elemente der US-Raketenabwehr (Zerstörer und Kreuzer mit Aegis-Systemen) und natürlich über etliche Landungsschiffe.

    Aber dieses Potenzial hat auch eine Kehrseite: So haben sich die Seestreitkräfte aller Verbündeten der USA (außer Großbritannien, Frankreich und teilweise Japan) de facto in Versorgungskräfte verwandelt, wobei sie keine eigene Schlagkraft haben.

    Die französischen und britischen Seestreitkräfte, die formell ausbalanciert sind, haben auch ziemlich beschränkte Möglichkeiten und sind unfähig zu selbstständigen Einsätzen (außer der Teilnahme an lokalen Konflikten).

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    In der Perspektive beansprucht die japanische Marine ihre eigene Schlagkraft. Unter anderem bemüht sich Tokio um die Wiederbelebung der bordgestützten Fliegerkräfte. Aber wie groß diese Ansprüche letztendlich sein werden, ist noch ungewiss.

    Angesichts dessen könnte das wachsende Potenzial der japanischen Marine samt den wachsenden Möglichkeiten Russlands auf diesem Gebiet ziemlich gefährlich für die Amerikaner sein, wenn man bedenkt, dass Washingtons Verbündete nicht einmal alle zusammen (geschweige aus eigener Kraft) imstande sind, den Streitkräften der Atommächte zu widerstehen.

    Ob dieses Problem durch den zahlenmäßigen Ausbau der US-Maine gelöst werden könnte, ist unklar, besonders wenn man bedenkt, dass sie schon jetzt Probleme mit der Qualität hat. Die mangelhafte Ausbildung der Kampf- und Technikexperten hat in letzter Zeit eine ganze Reihe von Zwischenfällen auf hoher See und auf Stützpunkten provoziert, und die Kompetenz des Kommandos wurde durch einen langjährigen Korruptionsskandal infrage gestellt, in den immer neue Oberoffiziere und Admiräle verwickelt werden.

    Und die Suche nach einer Lösung wird offenbar Zeit in Anspruch nehmen: Einst wurde die Unfähigkeit der britischen Flotte, nach der Kapitulation Frankreichs die Herrschaft im Atlantik, im Mittelmeer und im Indischen Ozean aufrechtzuerhalten zu einer Art Schlussakkord des „Goldenen Herbstes“ des britischen Imperiums, das von den USA Hilfe annehmen musste – zu Washingtons Bedingungen. Und eine Macht, die solch eine Hilfe den USA selbst leisten könnte, gibt es vorerst nicht.

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    Tags:
    Zwischenfälle, Atom-U-Boote, Aufrüstung, Flugzeugträger, Ausbildung, U.S. Navy, US-Navy, Donald Trump, Indischer Ozean, Pazifik, Mittelmeer, Atlantik, USA