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02:06 19 Juli 2019
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    Norwegische Militärs bei Parade in Riga (Archivbild)

    Norwegen – vom Land der Wikinger zur Nato-Kaserne

    © Foto: U.S. Army / Staff Sgt. Kenneth C. Upsall
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    Es bestehen keine Zweifel daran, dass der 75. Jahrestag der Befreiung Nordnorwegens (Ost-Finnmark) vor dem Hintergrund der künstlich entfachten antirussischen Einstellung gefeiert wird. Es entsteht so der Eindruck, dass norwegische Regierungskreise es sogar bedauern, dass die Rote Armee 1944 die Nazis von ihrem Territorium vertrieben hat.

    Noch weiter ging die norwegische Zeitung „Aftenposten“, die einen Artikel unter dem Titel „Kann Russland Nordnorwegen erobern?“ veröffentlichte, in dem ernsthaft verschiedene Varianten einer russischen Invasion in Ost-Finnmark erörtert werden. Der Zeitung „Aftenposten“ folgt auch die „Verdens Gang“, die übrigens 1945 von Teilnehmern der norwegischen Widerstandsbewegung gegründet wurde, in der erörtert wird, wie ein Krieg zwischen Norwegen und Russland im Falle eines bewaffneten Konfliktes aussehen könnte.

    Dabei stellt sich niemand die Frage, wozu Russland dieses skandinavische Land überhaupt angreifen sollte.

    Neuer „Bundesstaat“ der USA

    Doch am bemerkenswertesten ist etwas anderes. Während Oslo wegen der angeblichen Aussicht einer hypothetischen Invasion russischer Truppen in Norwegen verrücktspielt, erweist sich das Land de facto unter Kontrolle der Nato, insbesondere Ost-Finnmark. Alles begann quasi auf zeitweiliger Grundlage. Oslo und Washington verlängerten vor kurzem ein Abkommen über die Stationierung von US-Marineinfanterie-Einheiten in Norwegen, wobei ihre Zahl um das Doppelte erhöht wurde.

    Die Marineinfanteristen aus den USA verfügen über sechs Höhlen im Gebirge um Trondheim, die für das Lagern von Militärtechnik und Munition bestimmt sind. Zudem verfügen die Amerikaner über zwei Flugplätze im zentralen Teil des Landes. Die US-Technik wird aktiv bei Nato-Übungen in Europa bzw. bei Operationen im Nahen Osten und in Afghanistan genutzt.

    Bis vor kurzem wurde in den Höhlen Ausrüstung für 4600 Kämpfer und Kommandeure gelagert. Allerdings stiegen die Bedürfnisse des Kommandos der US-Marineinfanterie auf Brigade-Format – 8.000 bis 16.000 Soldaten.

    Zudem wurden die Flugplätze Bardufoss, Evenes, Banak, Orland und Rygge sowie das Hafenterminal Grotsund, das für US- und Nato-U-Boote bestimmt ist, modernisiert. In den vergangenen zwei Jahren gab es um drei Mal mehr solche „Besuche“ als vor zehn Jahren. Auf dem Stützpunkt Andoy wird ein Geschwader der Flugzeuge der Poseidon-Patrouillenfliegerkräfte der US-Marine stationiert.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: China und Norwegen machen der Nato Sorgen<<<

    Parallel wird auf der Insel Vardo, etwa 25 Kilometer von der russischen Staatsgrenze entfernt, der Bau einer Radaranlage der Raketenabwehr „Globus 3“ fortgesetzt. Wie die Zeitung „New York Times“ schreibt, wird sie nach der Fertigstellung weite Teile Russlands ins Visier nehmen. Wegen der Bauarbeiten wurde die Fischerei fast völlig eingestellt, von der die Inselbewohner seit vielen Generationen lebten.

    Unter Schutzherrschaft von Prinz Harry

    Auch Großbritannien baut seine Militärpräsenz im Norden Norwegens aus. Nach Angaben von „Sunday Telegraph“ ließen sich britische Marineinfanteristen und Spezialeinheiten gemäß der britischen Verteidigungsstrategie in der Arktis im Norden Norwegens nieder – zumindest für ein Jahrzehnt, vielleicht auch für länger.

    Vor einer Woche besuchte Prinz Harry den Stützpunkt der britischen Marineinfanterie Bardufoss. Er beobachtete das Manöver Exercise Clickwork (das größte für Großbritannien in den letzten 20 Jahren). Prinz Harry wollte sich persönlich der Fähigkeiten der Militärs und Technik vergewissern, bei Temperaturen bis minus 30 Grad eingesetzt zu werden.

    Während norwegische Fischer wegen der Nato-Besatzung Probleme bekommen, bemüht sich die militärische und politische Elite des Landes, den Anforderungen des Großen Bruders zu entsprechen. Der Generalstabschef der norwegischen Streitkräfte, Konteradmiral Haakon Bruun Hanssen, musste mit Bedauern zugeben, dass sein Land bislang nicht bereit sei, die Nato-Initiative “4x30” zu erfüllen, die die Verlegung von 30 Bataillonen, 30 Kampfschiffen und 30 Geschwadern zu den russischen Grenzen, darunter auch in Norwegen, innerhalb von 30 Tagen vorsieht. Dazu sei eine weitere Modernisierung der Infrastruktur und der Ausbau der Landstreitkräfte und Kampfschiffe der norwegischen Kriegsflotte erforderlich.

    Norwegen im Griff der US-Geheimdienste 

    Der norwegische Nachrichtendienst macht kein Hehl daraus, dass sein Hauptziel Russland ist. Wie der Bürgermeister von Sor-Varanger, Rune Rafaelsen, in der Zeitung „Dagbladet“ zugab, werden Unternehmer und einzelne Privatpersonen seit langem von den norwegischen Geheimdiensten unter Druck gesetzt.

    „Einige Personen wandten sich an mich. Sie sagten, dass die Vertreter des norwegischen Aufklärungsdienstes sie baten, Informationen über jene, mit denen sie sich in Russland trafen, mitzuteilen“.

    Es ist klar, dass nicht alle Norweger ihre Geschäftspartner aus Russland ausspionieren wollen. Die norwegische Firma Olen Betong Gruppen AS, die über eine Produktionsstätte im Gebiet Murmansk verfügt, reichte vor einigen Tagen eine Klage gegen das Verteidigungs- und das Justizministerium Norwegens ein, und forderte von den Diensten eine Entschädigung in Höhe von 15 Mio. Euro.

    Die Rechtsanwälte der Firma behaupten, dass das Unternehmen wegen der Versuche der Geheimdienste, in Russland tätige Mitarbeiter anzuwerben, mit großen materiellen und Image-Verlusten rechnen muss. Einigen Managern der Firma Olen Betong Gruppen AS wurde die Einreise nach Russland für zehn Jahre verboten.

    Auch die USA beschäftigen sich mit den Aufklärungsaktivitäten in Norwegen. Nicht nur mit Radaranlagen, die das Geschehen in Russland beobachten. Es werden aktiv Norweger angeworben, die an Sonderoperationen teilnehmen könnten. Damit befasst sich unter anderem die US-Firma Mission Essential, die eine Stelle für einen Spezialisten mit Russisch-Kenntnissen, der bereit sein würde, in Kampfgebiete zu reisen und Aufgaben in Norwegen zu erfüllen, vakant erklärten.

    Die wahre Ausrichtung der Firma Mission Essential wurde von den Zeitungen “ABC Nyheter” und “Nettavisen” enthüllt. Als aber der Abgeordnete Bjørnar Moxnes den Verteidigungsminister Frank Bakke-Jensen fragte, ob die norwegischen Behörden über die US-Geheimdienstaktivitäten im Land ausreichend Bescheid wüssten, ließ dieser die Frage unbeantwortet. Was kann man noch von einem hochrangigen Beamten erwarten, wenn er nicht mehr Herr in seinem eigenen Land ist.

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    Tags:
    Militarismus, Militärinfrastruktur, Aufklärung, Ausbau, Marine, U.S. Navy, US-Armee, NATO, Prinz Harry, Norwegen, Arktis, USA, Russland