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12:37 17 August 2019
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    Boliviens UN-Botschafter Sacha Sergio Llorenti Soliz mit dem Bild von Ex-US-Außenminister Colin Powell (Archiv)

    Siegeszug des Schwindels: Washington setzt weiter auf die Waffe des 21. Jahrhunderts

    © AP Photo / Mary Altaffer
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    Iswestija
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    Fake-Fotos sind mitunter genauso wirkungsvoll wie Flugzeugträger, schreibt die Zeitung „Iswestija“. Mit falschen Bildern kann man Kriege führen und Chaos stiften. Gefälschtes Bildmaterial eignet sich auch als Werkzeug, um Friedensgespräche zu untergraben oder Abrüstungsverträge zu beerdigen.

    Es ist ein Kennzeichen der postsowjetischen Zeit, dass das System der Beweisführung in der internationalen Politik entwertet wird. Erstmalig wurde die Welt damit Anfang der 2000er Jahre konfrontiert, heute werden Fakes am laufenden Band produziert.

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    Angefangen hat es mit dem kleinen Reagenzglas, das der ehemalige US-Außenminister Colin Powell bei einer UN-Sitzung hochhielt. Eine Begründung für einen Angriff gegen den Irak musste her. Das Gläschen mit dem weißen Pulver sollte der Beweis dafür sein, dass Saddam Hussein heimlich C-Waffen entwickeln lasse.

    Danach haben die USA den Irak überfallen, den Machthaber Hussein hingerichtet – die Massenvernichtungswaffen nie gefunden. Im Reagenzglas, wie die Welt später erfahren hat, war Waschpulver.

    Kürzlich haben die USA Argumente für ihre Version vorgebracht, wonach Russland angeblich den INF-Vertrag verletze. Das ganze vergangene Jahr lang beteuerten die Regierungsbeamten in Washington, sie würden über Beweise für Russlands Fehlverhalten verfügen, doch publik machen könnten sie sie nicht: Geheimsache.

    Die ganze Welt wartete darauf, wie die Anschuldigungen gegen Russland begründet würden. Hat sich das Warten gelohnt? In der Sache „Russland, INF-Vertrag“ haben Amerikaner Fotos vorgelegt – darauf: irgendwelche Startrampen.

    Die Bilder sind laut Medienberichten von kommerziell genutzten Satelliten geschossen worden. Zu erkennen ist darauf ein Objekt, das wie eine stationäre Startrampe aussieht. Raketen fehlen.

    Die Verantwortlichen aus den USA haben auch die Gebiete benannt, in denen die verbotenen Flugkörper gestartet worden seien, plus die Positionsangaben der Raketen und zwei konkrete Starttage. Die genaue Uhrzeit der angeblichen Starts und die Koordinaten des Zielgebiets werden nicht angegeben, schreibt „Iswestija“.

    Als konkreter Beweis für eine Vertragsverletzung könnten aber nur telemetrische Flugdaten der Rakete gewertet werden – oder auch ein Bildnachweis des gesamten Flugs der Rakete, vom Start- bis zum Zielpunkt.

    Diese Informationen bereitzustellen, weigern sich die Amerikaner kategorisch: Es handele sich um „sehr sensible Aufklärungsquellen“, die man nicht enthüllen könne. Selbst mit den eigenen Verbündeten teilt Washington diese Daten nicht, so die Zeitung.

    Von ähnlicher Beweiskraft sind auch die Argumente gegen Nordkorea, die vor kurzem durch amerikanische Medien verbreitet worden sind: Fotos einer angeblichen neuen Geheimanlage. Wenige Tage nach dem ergebnislosen Trump-Kim-Gipfel sind diese Satellitenbilder veröffentlicht worden.

    Auch in der Krise in Venezuela läuft es nicht ohne Fakes. Vor wenigen Tagen hat der US-Senator Marco Rubio, mitverantwortlich für die Lateinamerika-Politik der USA, ein Foto von einer Arbeitssitzung der venezolanischen Militärführung getwittert. Auf dem Bild wurde eine Person markiert, die mit dem Rücken zur Kamera steht: Ein Agent aus Kuba, wie Rubio in seinem Tweet erklärt.

    Für den Senator ist das der Beweis dafür, dass die venezolanische Staatsführung unter kubanischem Einfluss stehe. Auf Grundlage solcher „Beweise“ fordert der US-Politiker eine Einmischung in Caracas und höheren Druck auf Havanna.

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    Für solcherart Methoden – wenn schwerwiegende Entscheidungen auf der Basis unbestätigter oder unverhohlen gefälschter Informationen getroffen werden – haben die USA laut der Zeitung sogar einen eigenen Begriff, abgeleitet vom gleichnamigen Gesetz: Caesar Act, ein hartes Sanktionsgesetz gegen Syrien.

    2016 hat der US-Kongress das Dokument verabschiedet, zum „Schutz der syrischen Zivilbevölkerung“. Entstanden ist das Papier just in dem Moment, als eine Wende im Syrien-Krieg sich abzuzeichnen begann: Den syrischen Regierungstruppen, von der russischen Luftwaffe unterstützt, gelang es, die Dschihadisten im Land zurückzudrängen – ein Kampferfolg folgte auf den anderen.

    Da erschienen Bilder angeblicher Massenhinrichtungen in Syrien: Sondereinheiten des syrischen Präsidenten sollen oppositionelle Kämpfer massakriert haben. Angeblich hatte ein anonymer syrischer Regierungsbeamter die Fotos in die Hände der Amerikaner gegeben. Sein Codename: Caesar.

    Die Einwände von US-Journalisten, wonach auf den Fotos die Leichen syrischer Regierungssoldaten – und nicht der Oppositionskämpfer – abgebildet seien, haben die Kongressabgeordneten nicht daran gehindert, harte Sanktionen gegen Syrien zu verhängen. 

    Beweise dafür, dass die syrische Regierung für den Tod der Menschen auf den Bildern verantwortlich ist, gab es nicht. Überdies argumentierte der Enthüllungsjournalist Rick Sterling, dass es den Beamten, von dem die Fotos angeblich stammen, gar nicht gegeben habe. „Caesar“ könne eine fiktive, ausgedachte Person gewesen sein.

    Heute wiederholt sich laut der Zeitung das Bild: Nach einem ähnlichen „Caesar“-Szenario wird Russland beschuldigt, den INF-Vertrag zu verletzen. Der Rubikon ist jedenfalls schon überschritten: Es gehört gegenwärtig zur Normalität, dass selbst Amerikaner in höchsten Staatsämtern Fakes verbreiten – und auf deren Grundlage über das Schicksal der Welt bestimmen.

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    Tags:
    Schwindel, Bilder, Fotos, Fakes, INF-Vertrag, Journalisten, Waffen, Kim Jong-un, Hussein, Colin Powell, Donald Trump, Marco Rubio, Kuba, Venezuela, Syrien, Irak, Nordkorea, USA, Washington, Russland