11:42 24 März 2019
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    Flaggenparade am Grenzübergang zwischen Indien und Pakistan (Archivbild)

    Pakistan und Indien: Ein Kräftemessen ohne Sinn und Ende

    © AFP 2019 / NARINDER NANU
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    Man darf hoffen, dass Indien und Pakistan ihre Differenzen mit der Zeit am Verhandlungstisch beilegen, schreibt das Portal „Swesda“. Doch Skeptiker warnen: Sollte Pakistan einen Durchbruch im Atomprogramm erzielen, könnte sich der schwelende Konflikt in einen geopolitischen Großbrand verwandeln.

    Jeden Tag wird am einzigen Grenzübergang zwischen Indien und Pakistan, mitten in der Ortschaft Wagah, ein regelrechtes Schauspiel aufgeführt: Mit ernster Miene treten sich indische und pakistanische Grenzsoldaten gegenüber und vollführen wunderliche Pirouetten. Damit soll der Gegenseite vermittelt werden, dass man auch wirklich unversöhnlich sei – und zu allem bereit, um für die eigenen Interessen einzustehen.

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    Haben sie die Aggressionsgesten ausgetauscht, gehen die Soldaten seelenruhig auseinander, treffen sich an der Grenzlinie und geben einander freundlich die Hand. Dieses tägliche Ritual der Wachablösung ist ein Sinnbild für den gesamten Konflikt, den die beiden Länder seit dem vergangenen Jahrhundert austragen.

    Seit der Staatsgründung 1947 und bis in die 2000er Jahre hinein war die Regierung Pakistans damit beschäftigt, die Streitkräfte des Landes zu modernisieren. Im Ergebnis hat Islamabad eine hochentwickelte und gut ausgerüstete Armee geschaffen.

    Die regulären pakistanischen Kräfte verfügen über mehr als 2.000 Kampfpanzer, mehr als 300 Panzerhaubitzen, knapp 150 Raketenartilleriesysteme und circa 2.500 gepanzerte Kampffahrzeuge. Schlagkräftig ist laut dem Portal auch die pakistanische Luftwaffe: 730 Kampfjets, fast 300 Transportflugzeuge, knapp 330 Hubschrauber, 50 davon für den Kampfeinsatz. Ansehnlich auch die Marine: elf Fregatten, fünf diesel-elektrische U-Boote, insgesamt 197 Schiffe.

    Knapp 650.000 Mann dienen beim pakistanischen Militär gegenwärtig, dazu kommen rund 280.000 gut ausgebildeter Reservisten. Damit erreichen die pakistanischen Streitkräfte eine mit der russischen Armee vergleichbare Personalstärke, schreibt „Swesda“. Eins muss man allerdings erwähnen: In andauernden und großflächigen Gefechten sind die Pakistanis völlig unerfahren.

    Die Streitkräfte östlich von Wagah (jenem eingangs genannten Grenzübergang) stehen den pakistanischen Rivalen in nichts nach. Mehr als das: Indiens Armee übertrifft die Kräfte des Nachbarn bei weitem. Über 1,3 Millionen Soldaten und Offiziere zählt das indische Militär. Im Ernstfall stehen fast genauso viele Reservisten bereit. 47 Milliarden Dollar gibt Indien für seine Streitkräfte aus – Pakistan dagegen nicht einmal sieben Milliarden.

    Der gewaltige Unterschied beim Verteidigungsbudget lässt sich an der technischen Ausstattung der indischen Streitkräfte ablesen: rund 4.400 Kampfpanzer, über 3.000 Kampffahrzeuge, mehr als 4.000 Artilleriewaffen plus circa 260 taktische Raketensysteme. Die indische Luftwaffe kann über 2.000 Flugzeuge einsetzen, mehr als die Hälfte davon sind Kampfjets. Es kommen 720 Hubschrauber hinzu. Jedoch sind nur 19 davon echte Kampfhubschrauber. Indiens Marine: ein Flugzeugträger, drei Atom-U-Boote, 14 Fregatten, elf Zerstörer, 22 Korvetten und 16 kleinere U-Boote.

    Ein besonderes Kapitel sind die nuklearen Streitkräfte beider Länder. Pakistan verfügt derzeit über taktische Raketen mit Reichweiten von 700 bis 1.300 Kilometern. Das sind die ballistischen Flugkörper Hatf-5 und Hatf-7. Auch stellt Pakistan Kurzstreckenraketen her, die nuklearfähig sind. Vergleichbare indische Raketen übertreffen die Reichweite der pakistanischen Flugkörper um den Faktor vier. Sie haben einen Einsatzradius von bis zu 5.500 Kilometern.

    Aber: Laut dem Portal arbeitet Islamabad weiter hartnäckig daran, einen Durchbruch im Raketenbau zu schaffen. Gegenwärtig entwickeln pakistanische Wissenschaftler eine dreistufige Rakete, die dem Land den direkten Zugang zum Erdorbit ermöglichen soll. Für friedliche Zwecke gedacht, kann diese Raketentechnik auch zum Bau einer ballistischen Interkontinentalrakete verwendet werden.

    Nun schaffen es Indien und Pakistan schon seit Jahrzehnten, eine Eskalation ihres ungelösten Gebietsstreits zu vermeiden. Das Schlimmste, wozu es kommt, sind, so das Portal, lasche Schusswechsel in der Grenzregion Jammu und Kaschmir. Zu groß ist möglicherweise die Furcht in Islamabad, dass bei einer Zuspitzung des Konflikts zu viele Menschen auf indischem Boden sterben würden, die mit Pakistan ethnisch und religiös verbunden sind.

    Insofern gibt es laut dem Portal Hoffnung, dass die Prognosen eines atomaren Schlagabtauschs zwischen Indien und Pakistan nichts als apokalyptische Schreckensszenarien einiger weniger Hitzköpfe sind, die sich Analysten nennen.

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    Ja, Skeptiker gehen von einer möglichen Eskalation zwischen den beiden Ländern aus, sollte Pakistan den Durchbruch bei der Raketen- und Nukleartechnologie schaffen. Dennoch möchte man an eine Verhandlungslösung des Streits glauben, so das Portal. Gegenseitige territoriale Zugeständnisse und Sonderzonen in umstrittenen Gebieten könnten der Weg dahin sein.

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    Tags:
    Eskalation, Verteidigung, Militär, Soldaten, Luftwaffe, U-Boot, Raketen, Kampfpanzer, Armee, Streitkräfte, Grenze, Militärtechnik, Kaschmir, Islamabad, Indien, Pakistan