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22:16 20 September 2019
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    Der russische Raketenkreuzer Moskwa auf Reede von Sewastopol (Archivbild)

    Ein „Bollwerk“ rund um die Krim: Die Schwarzmeerflotte – und ihre Spezialkräfte

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    Innerhalb von fünf Jahren ist auf der Krim eine regelrechte Bastion entstanden – zum Schutz der Menschen auf der russischen Halbinsel vor Angriffen von außerhalb, schreibt die Zeitung „Iswestija“. Zu erkennen ist diese Schutzfestung als solche nicht.

    Bevor die Krim und die Stadt Sewastopol wieder russisch geworden sind, starb Russlands Schwarzmeerflotte auf der Halbinsel eines langsamen Todes, schreibt die Zeitung. Alternde Schiffe konnte Moskau nicht ersetzen, landgestützte Schiffs- und Flugabwehrsysteme, für die eigentlich die Ukraine verantwortlich gewesen wäre, gab es gar nicht erst. Erst seit die Krim wieder russisches Gebiet geworden ist, lebt die Schwarzmeerflotte neu auf.

    Zu Wasser …

    Vor gar nicht so langer Zeit hieß es, die Schwarzmeerflotte sei nur ein Schiffsmuseum. Einige Kampfschiffe aus ihrem Bestand waren schon an die 50 Jahre alt. Es stand sogar noch ein Such- und Rettungsschiff im aktiven Dienst, das noch zu Zarenzeiten gebaut worden war. Doch seit fünf Jahren bessert sich die Lage laut dem Blatt.

    In den Jahren 2016-18 kamen drei Fregatten der Klasse 11356 zur Schwarzmeerflotte: Die „Admiral Grigorowitsch“, „Admiral Essen“ und „Admiral Makarow“. Die Schiffe haben bereits eine Reihe von Fahrten ins Mittelmeer absolviert. Auf ihr Konto gehen Angriffe mit „Kalibr“-Raketen gegen IS-Stellungen* und erfolgreiche Verfolgungen ausländischer U-Boote. 

    Außerdem zählen zur 30. Schiffsdivision die Zerstörer „Pytliwyj“, „Ladnyj“ und „Smetliwyj“. Das Flaggschiff der Flotte – der Raketenkreuzer „Moskwa“ – sticht bald wieder in See, dann aber in neuer Qualität. Zudem ist nicht ausgeschlossen, dass eine der Fregatten der Klasse 22350, die derzeit noch gebaut werden, ebenfalls zur Schwarzmeerflotte entsandt wird, so die Zeitung.

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    Sehr wichtig ist der Wiederaufbau der einst berühmten U-Boot-Verbände der Schwarzmeerflotte. Nur ein einziges U-Boot der Klasse 877 hatte die russische Marine im Schwarzen Meer 2014. Inzwischen sind es sieben Stück: hinzugekommen sind U-Boote der Klasse 6363. Obwohl diese U-Boote eigentlich der russischen Marinebasis in Noworossijsk angehören, sind sie de-facto in einer Hafenbucht von Sewastopol stationiert. Zwei Boote – die „Weliki Nowgorod“ und „Kolpino“ – sind gegenwärtig unweit des syrischen Tartus im Einsatz.

    Die Schwarzmeerflotte verfügt außerdem über vier Korvetten der Klasse 1239: die „Bora“ und „Samum“ sind mit „Moskit“-Raketen bewaffnet, die „Schtil“ und „Mirasch“ mit Flugkörpern „Malachit“. Gut möglich, dass die beiden letztgenannten Kampfschiffe in nächster Zeit mit dem Raketensystem „Uran“ ausgerüstet werden, schreibt die Zeitung.

    Korvette „Wyschni Wolotschek“ in Sewastopol (Archivbild)
    © Sputnik / Alexey Malhawko
    Korvette „Wyschni Wolotschek“ in Sewastopol (Archivbild)

    Letztes Jahr haben zwei Korvetten der Klasse 21631 die Schwarzmeerflotte verstärkt: die „Orechowo-Sujewo“ und mit „Kalibr“-Raketen an Bord. In diesem Jahr kommen die „Inguschetija“ und „Grajworon“ hinzu. Ebenfalls ab diesem Jahr erhält die Schwarzmeerflotte Korvetten der Klasse 22300, die auch mit „Kalibr“-Raketen bewaffnet sind. Die „Zirkon“ wird als erste Korvette kommen, weitere fünf werden derzeit in den Werften von Kertsch und Feodossija gebaut.

    Weiter stehen der Flotte sechs Korvetten, fünf Raketenboote und neun Minenjagdschiffe zur Verfügung. Von allen russischen Marineverbänden verfügt die Schwarzmeerflotte über die größte Anzahl an Landungsschiffen: sieben sind es insgesamt. Es ist geplant, den Bau von Landungsschiffen fortzusetzen. Bewährt hat sich dieser Schiffstyp bisher unter anderem beim so genannten „Syrien-Express“.

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    Die Krim ist das russische Gebiet, das sich am nächsten zu Syrien befindet, weshalb die russischen Truppen im Syrien-Einsatz von der Halbinsel aus versorgt werden. Von Flugplätzen auf der Krim aus werden Kampfflugzeuge nach Syrien verlegt. Einheiten der Schwarzmeerflotte schützen die russischen Stützpunkte in Syrien und geben den humanitären Konvois aus Russland das Geleit.

    Letztes Jahr hat die Flotte ein Patrouillenschiff der Klasse 22160 in Dienst genommen: die „Wassili Bykow“. Das zweite Schiff dieser Klasse – die „Dmitri Rogatschew“ – wird gegenwärtig noch getestet. Das dritte Schiff der Klasse 22160 ist vor wenigen Tagen erst in Kertsch vom Stapel gelaufen. Bis 2022 soll die Schwarzmeerflotte weitere drei solcher Schiffe erhalten.

    Im kommenden Sommer wird in Sewastopol ein Minenjagdschiff der Klasse 12700 erwartet: die „Iwan Antonow“. Die baugleichen „Wladimir Jemeljanow“ und „Georgi Kurbatow“ sollen folgen. 74 Jahre sind seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs vergangen, doch in den Gewässern an der russischen Schwarzmeerküsten werden immer noch hin und wieder Seeminen gefunden.

    Außer Kampfschiffen erhält die russische Schwarzmeerflotte neue Rettungsschiffe, Schlepper, Tanker und Versorger. Die Fähigkeiten zur Datenerhebung und —auswertung hat das neue Aufklärungsschiff „Iwan Hurst“ verstärkt. In diesem Jahr stellt die Flotte zudem neue Radaranlagen vom Typ „Bussol-S“ in Dienst. Die Lageinformationen, die diese Überwachungssysteme gewinnen, werden an eine automatisierte Zentrale zur Auswertung übermittelt.

    Insgesamt hat die Schwarzmeerflotte seit 2014 über 50 Schiffe, U-Boote, Schnellboote und weitere Wasserfahrzeuge erhalten.

    Zu Lande …

    Im Großen Vaterländischen Krieg schützten Marineinfanteristen die Städte Odessa, Sewastopol, Noworossijsk. Heute ist die 810. Marineinfanteriebrigade der ganze Stolz der Schwarzmeerflotte. Die Einheit hat ihre Radpanzer komplett ausgetauscht: die alten BTR-80 sind durch die neuesten BTR-82AM ersetzt worden.

    Spezialkräfte waren immer schon eine Stärke der russischen Schwarzmeerflotte. 2016 ist eine weitere Sondereinheit entstanden: das „Spezialkommando Küste“ zur Abwehr verdeckter Operationen in küstennahen Gebieten. Entsprechend dem Auftrag ist die Einheit mit Schnell- und Patrouillenbooten „Raptor“ und „Gratschonok“ ausgerüstet.

    Unter der Leitung des 22. Armeekorps versieht die 126. Küstenschutzbrigade ihren Dienst am Schwarzen Meer. Die Brigade verfügt über Panzergrenadier- und Gebirgsjägerverbände. Dem Korps gehört auch die 127. Aufklärungsbrigade an, ausgerüstet mit land- und luftgestützten EloKa- und Überwachungssystemen. Das 475. Fernmeldezentrum kontrolliert den Funkverkehr über der Krim: Die Einheit ist mit der neuesten Störsenderanlage „Murmansk BM“ ausgestattet.

    Bei Bedarf können die Truppenverbände Feuerunterstützung anfordern. Dafür zuständig ist das 8. Artillerieregiment – bewaffnet hauptsächlich mit Artillerieraketensystemen „Tornado“, die derzeit durch „Uragan“- und „Uragan-1M“-Werfer ergänzt werden. Einige Verbände des Regiments sind mit Panzerabwehrwaffen vom Typ „Chrisantema“ bestückt.

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    2014 wurde das System der Schiffsabwehr auf der Krim wiederaufgebaut. Ihr Rückgrat, die 15. Raketenbrigade, bestehend derzeit aus zwei Großverbänden, die mit den mobilen Raketenwerfern „Bastion“ und „Bal“ sowie mit der stationären Raketenanlage „Utjoss“ ausgerüstet sind. Diese Brigade kann jedes fremde Schiff in den Gewässern des Schwarzen Meeres vernichten – garantiert, schreibt die Zeitung.

    Und in der Luft

    Seit langem gilt die Krim als Russlands „unsinkbarer Flugzeugträger“. 2014 wurden auf der Halbinsel vier Luftwaffenregimenter stationiert. Eins davon ist das 43. Marinejagdregiment. Die Einheit verfügt über Jagdbomber vom Typ Su-30SM und Su-24M. Die älteren Su-24 hat der Verband 2016 schon komplett ausgemustert.

    Auf dem Fliegerhorst Gwardejsk ist das 38. Jagdbomberregiment mit den Kampf- und Aufklärungsjets SU-24M, Su-24MR und Su-25SM beheimatet. Das 37. Jagdregiment mit den Jagdflugzeugen Su-27, Su-27SM und Su-30M2 ist auf dem Fliegerhorst Belbek stationiert. In diesem Jahr ist die Modernisierung des Flugplatzes abgeschlossen worden: jetzt können alle russischen Kampfflugzeugtypen dort starten und landen, einschließlich der strategischen Bomber. In Dschankoj sind zudem die Kampfhubschrauber des 39. Hubschrauberregiments stationiert: Mi-28N, Ka-52, Mi-35 und Mi-8AMTSch.

    Vor Luftangriffen schützt die Krim die 31. Flugabwehrdivision. Dazu gehören S-400-Verbände, die in den Städten Dschankoj, Jewpatorija, Sewastopol und Feodossija positioniert worden sind. Unterstützt werden sie von mehreren mit S-300PM- und „Panzyr-S“-Flugabwehrsystemen bestückten Verbänden. Der Himmel über der Halbinsel ist somit lückenlos geschützt.

    Überwacht wird der Luftraum von mehreren Radaren vom Typ „Nebo-M“. Anfang 2018 sind sie auf die Krim verlegt worden und überwachen seitdem das gesamte Schwarzmeergebiet bis zum Bosporus und den Dardanellen.

    Dem 22. Armeekorps gehört das 1096. Flugabwehrregiment an. Noch ist es mit Fla-Systemen vom Typ „Ossa“ ausgerüstet. Diese werden jedoch schrittweise durch „Buk-M2“- und später „Buk-M3“-Systeme ersetzt. Koordiniert werden die Einheiten von einem automatisierten Einsatzleitsystem mit integrierter KI.

    Daran angeschlossen ist das Raketenfrühwarnsystem „Dnepr“, erkennbar an zwei großen grauen Betonblöcken vor der Stadt Sewastopol. Die Anlage überwacht den Himmel in südlicher und westlicher Richtung. In diesem Jahr soll der Bau eines neuen Frühwarnradars in Sewastopol beginnen: das neue „Woronesch-SM“-Radar soll dort entstehen.

    * Der IS, sog. Islamischer Staat — Terrororganisation, in Russland verboten.

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    Küstenschutz, Luftabwehrsysteme, Panzerwagen, Patrouillenschiff, Korvetten, Kampfjets, Küstenwachschiff, Kriegsschiffe, Fregatte Admiral Makarow, Fregatte Admiral Essen, Nebo-M, Zirkon-Raketen, BTR-82AM, Schiff Admiral Grigorowitsch, Panzyr-S, BTR-80, Kalibr-Rakete, Buk-M2, Su-30, Su-24, Uragan-System, Flugabwehrraketen-System Ossa, Su-27, Marine Russlands, Schwarzmeerflotte, Schwarzes Meer, Noworossijsk, Sewastopol, Krim, Russland