00:33 17 Juni 2019
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    Produktion der Goldbarren in Russland (Archiv)

    Wo kommen die Goldbarren der russischen Zentralbank eigentlich her?

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    Gefahren, Risiken, Unwägbarkeiten – je unsicherer die Welt, desto größer die Nachfrage nach Gold. Was wie eine Floskel klingt, bestätigt sich gegenwärtig wieder: Die Zentralbanken vieler Länder kaufen Edelmetalle auf, als Sicherheit in Zeiten von Sanktionsdruck, imperialen Regimewechseln und Handelskriegen.

    Wie groß die Nachfrage nach Gold ist, wird in der Statistik für das vergangene Jahr besonders deutlich: 2018 kauften die Zentralbanken weltweit 74 Prozent mehr Gold als im Vorjahr. Laut dem World Gold Council, einem Verband der Goldförderer, ist das der höchste Wert seit 1971 – dem Jahr, in dem die US-Regierung die Bindung des Dollars an den Goldstandard aufhob.

    Unter jenen Ländern, die besonders viel Gold kaufen, ist Russland führend, schreibt das Portal „Swesda“. Die russische Zentralbank zielt darauf ab, die Währungsreserven des Landes weitgehend dollarfrei zu machen, und stockt deshalb die Goldbestände in ihren Tresoren auf.

    274 Tonnen Gold hat die Notenbank 2018 bei russischen Edelmetallproduzenten erworben – im Jahr 2014 waren es „lediglich“ 74 Tonnen. Auf 2.113 Tonnen werden Russlands Goldvorräte von 2018 beziffert. Das sind laut dem Portal 18 Prozent der gesamten Gold- und Währungsreserven des Landes. Wer sich ein Bild davon machen will, wieviel das ist, für den lohnt es sich, kurz in die Geschichte zurückzuschauen.

    Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs hatte das Russische Zarenreich über die weltweit größten Goldreserven verfügt: 1.311 Tonnen. Im Jahr der Revolution, 1917, waren es immerhin noch 1.100 Tonnen. Zehn Jahre später hatte Sowjetrussland einen Goldvorrat von gerademal 150 Tonnen, schreibt das Portal: Den Bolschewiki war es gelungen, nicht nur die staatlichen Goldbestände zu plündern, sondern auch Bürger und Kirchen auszurauben.

    Den bisher absoluten Rekord erreichten Russlands Goldreserven kurz vor dem Großen Vaterländischen Krieg: Auf bisher unübertroffene 2.800 Tonnen Gold beliefen sich die Reserven der Sowjetunion 1941. Im Jahr 1954 waren es immer noch 2.500 Tonnen.

    Zum Ende der UdSSR, nach der Perestroika von Michail Gorbatschow, verfügte die Sowjetunion über nur noch 290 Tonnen Gold. Die Reformjahre von Boris Jelzin brachten keine deutliche Steigerung: Auf 384 Tonnen belief sich der Goldbestand der russischen Zentralbank im Jahr 2000. Inzwischen sind es laut dem Portal 2.119,2 Tonnen – der Stand vom Februar dieses Jahres.

    Indes ist ein Zuwachs nicht nur bei den Goldreserven der Notenbanken zu verzeichnen. Auch die Förderung des Edelmetalls ist das zehnte Jahr in Folge gestiegen – auch wenn das Wachstumstempo nachlässt, schreibt das Portal.

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    Im Jahr 2017 wurden weltweit laut dem Portal 3.246,5 Tonnen Gold gewonnen. Am meisten in China (426,1 Tonnen), Australien (295 Tonnen) und Russland (270,7 Tonnen). Für dieses Jahr erwartet der Verband der russischen Goldförderer einen weiteren Anstieg der Goldförderung auf 272 bis 273 Tonnen.

    Auch beim Umfang der erkundeten Goldvorkommen zählt Russland zu den ersten drei Ländern der Welt. In 26 russischen Regionen wird Gold gefördert, am meisten aber in Süd- und Ostsibirien. Experten schätzen übrigens, dass die Goldreserven in der Welt noch für die nächsten 20 Jahre reichen werden.

    Mehr als 80 Prozent der russischen Goldproduktion wird laut dem Portal von Großkonzernen kontrolliert, darunter Branchenriesen wie Polyus Gold, Polymetal International und Nord Gold. Dass die russische Goldwirtschaft für Investoren attraktiv ist, liegt nicht nur daran, dass Russland über riesige Edelmetallvorkommen verfügt – die Goldförderung ist in auch Russland günstiger als im weltweiten Durchschnitt: um 23 Prozent, schreibt das Portal.

    Ausländische Goldförderunternehmer erschließen den russischen Markt hauptsächlich durch Joint-Ventures mit russischen Firmen oder der Übernahme von solchen. Für die kanadische Kinross Gold Corporation etwa ist eine russische Förderfirma in Russland tätig, die zu 100 Prozent den Kanadiern gehört. Große Anteile halten ausländische Investoren beispielsweise auch an der Trans-Siberian Gold oder der GV Gold.

    Nachdem die Regierungen Russlands und Chinas im Februar letzten Jahres ein Abkommen unterzeichnet hatten, konnte auch die chinesische China National Gold Group 70 Prozent an einem russischen Goldförderer erwerben – unter der Bedingung, dass nicht nur die Förderung, sondern auch die Produktion der Edelmetalle in Russland erfolgt. Rund 460 Millionen Dollar wird der chinesische Konzern in die Erschließung neuer Goldvorkommen und den Bau von verarbeitenden Anlagen investieren, schreibt „Swesda“.

    Einige Experten sehen indes eine Gefahr für Russlands nationale Sicherheit darin, dass ausländische Investoren ihre Beteiligungen an der russischen Goldförderwirtschaft vergrößern. Seit 2008 beträgt der Anteil russischer Firmen mit ausländischer Beteiligung am Markt für technologieintensive Dienstleistungen wie Erkundung und Erschließung mindestens 50 Prozent. Allerdings: Die Mehrheitskontrolle an diesen Unternehmen halten immer noch russische Investoren.

    Was die gestiegenen Goldreserven der russischen Zentralbank angeht, so ist ein weiterer Punkt nicht gerade unwichtig: Russlands Gold befindet sich in den „Schatzkammern“ der Bank. Bei vielen Ländern ist das anders: Sie lagern ihre Goldvorräte in der Federal Reserve in New York oder in der Bank of England.

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    Gold gelte in Russland schließlich als ein „100-prozentiger Schutz vor rechtlichen und politischen Risiken“, erklärte Dmitri Tulin, Vize-Präsident der russischen Zentralbank, im August letzten Jahres laut dem Portal. Dieses Gold kann nicht beschlagnahmt werden – im Unterschied zu Währungsreserven oder Wertpapieren, die die Notenbank zumindest zum Teil als Einlage bei ausländischen Banken vorhält.

    Und: Gold verliert nicht an Wert, wenn das dollargestützte Weltfinanzsystem wiedermal einen „Stresstest“ durchlaufen muss, wie beispielsweise 2008, schreibt das Portal. Mit einem Goldschatz im tiefen Zentralbankbunker verringert das Land die Abhängigkeit vom Dollar.

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    Tags:
    Goldreserven, Finanzsystem, Gold, World Gold Council, Russlands Zentralbank, Dmitri Tulin, Boris Jelzin, Michail Gorbatschow, Sowjetunion, Australien, Kanada, USA, Russland, China