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    NATO-Soldaten während der Übungen in Litauen (Archiv)

    Nato im Baltikum: Unheil für die öffentliche Ordnung

    © AP Photo / Mindaugas Kulbis
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    Nato-Soldaten sollten eigentlich die Herzen der Menschen in den baltischen Staaten im Sturm erobern. Die braven Kämpfer sind doch die Beschützer vor der Gefahr, die angeblich im Osten lauert. Stattdessen hinterlassen die Verbündeten in Litauen, Lettland und Estland Spuren einer Arroganz, die zum Himmel stinkt. Die Zeitung „Iswestija“ berichtet.

    Es war vor zweieinhalb Wochen am Freiheitsdenkmal in Riga, der lettischen Hauptstadt: Mitarbeiter eines Überwachungszentrums sahen zwei Männer, die auf der Aussichtsplattform des Monuments ihre Notdurft verrichteten. Eine Streife wurde losgeschickt, um die Vandalen zu stellen. Wie die Polizisten vor Ort feststellten, waren die beiden Männer Staatsbürger der USA – und, das ist außergewöhnlich, nüchtern.

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    400 Euro pro Person kostete die Beiden das Urinieren am Sinnbild der lettischen Unabhängigkeit. Der für die Öffentlichkeitsarbeit des lettischen Verteidigungsministeriums verantwortliche Beamte erklärte, die Polizei habe zwei Angehörigen des US-Militärs eine Strafe auferlegt, die wegen eines Militärmanövers ins Land gekommen seien.

    Das Kommando des US-Militärs werde das Vergehen ebenfalls ahnden – und zwar härter als mit Geldstrafen, so der Sprecher des lettischen Verteidigungsministeriums. Ansonsten bedauere die Behörde sehr, dass auf solche Weise der Ruf „Tausender Soldaten aus den USA und anderen verbündeten Staaten“ beschädigt werde, die in Lettland eingesetzt seien.

    Es sind in der Tat Tausende: Das Nato-Kontingent in den baltischen Ländern wächst unaufhörlich. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums zählt die Nato-Truppe in Litauen, Lettland und Estland rund 10.000 Mann. Und sie verfügen über jede Art von Angriffswaffen, so die Zeitung.

    Die Einheimischen müsste es eigentlich freuen, dass so viele Soldaten aus aller Herren Länder sich zu ihrem Schutz im Baltikum eingefunden haben. Doch dem ist nicht so – weil Vandalismus, Randale und Schlägereien im öffentlichen Raum wie selbstverständlich zum üblichen Tagesablauf der Nato-Kämpfer gehören, schreibt „Iswestija“.

    Ein besonderer Fall, über den mehrfach berichtet wurde, liegt schon etwas länger zurück. Im Mai 2014 hatte ein Nato-Verband im Rahmen einer Übung in der lettischen Hafenstadt Ventspils festgemacht. Gleich darauf gab es in dem Küstenstädtchen mehrere Schlägereien zwischen ausländischen Bürgern. Ein niederländischer Soldat wurde bewusstlos in ein Krankenhaus gebracht.

    „Die Seeleute der Nato benahmen sich wie Schweine. Sie ignorierten das Gesetz, urinierten an Schaufenster, erbrachen sich. Sie tranken Alkohol auf öffentlichen Plätzen, was bei uns verboten ist. Außerdem rissen sie Blumen aus den Beeten, um damit Prostituierte zu beschenken“, schilderte der Bürgermeister der lettischen Stadt die Lage damals. Zu Schlägereien sei es gekommen, weil Einheimische versucht hätten, ihre Angehörigen vor der Soldateska zu schützen, vermutete er.

    Ein anderer Fall: Im Herbst 2016 brach ein betrunkener britischer Soldat einem jungen Mann in Riga im Streit die Nase. Der Brite war Auslöser für die Auseinandersetzung, konnte das Land aber problemlos verlassen, um einer Bestrafung zu entgehen. Erst im Mai letzten Jahres hat ein Militärgericht eine Strafe von über 1.000 Euro gegen den Soldaten verhängt.

    Auch Angehörige der Bundeswehr geben kein gutes Bild ab, was das Benehmen in Gastländern angeht: Im Herbst 2017 endete ein Kneipenbesuch von zwei deutschen Soldaten im litauischen Rukla mit einer Schlägerei. Einer der Beiden musste ins Krankenhaus gebracht werden, andere Soldaten wurden unter Polizeiaufsicht aus der Kneipe in die Kasernen geführt.

    Aber selbst Polizeikräfte sind in ihrem eigenen Land vor Übergriffen der Nato-Soldaten nicht sicher, wie ein Beispiel vom letzten Jahr zeigt. Drei britische Offiziere waren auf Polizisten in der lettischen Hauptstadt Riga losgegangen. Die Beamten mussten Pfefferspray einsetzen, um sich vor den Angreifern zu schützen.

    Das britische Verteidigungsministerium brachte Bedauern zum Ausdruck – doch nicht etwa, weil die lettische Polizei einen Schaden erlitten hat, sondern weil „russische und prorussische Medien den Vorfall nutzen könnten, um die Nato-Truppen im Baltikum zu diskreditieren“, so das britische Amt.

    Schlägereien und Randalen sind nicht das einzige Unheil, das die Soldaten der Nato mit sich bringen. Allein in den ersten zwei Wochen des Saber Strike-Manövers 2018 kam es zu drei schweren Verkehrsunfällen, an denen Angehörige des Nato-Kontingents beteiligt waren. Bei einem der Unfälle, im Südwesten Lettlands, wurden fünf Menschen schwerverletzt. Der Unfallverursacher, ein US-Bürger, konnte das Land ungestraft verlassen.

    Allzu oft ist von den Regierungen der baltischen Staaten zu hören, Russland sei eine Gefahr. Schaut man sich das Verhalten der Allianztruppen im Baltikum an, muss man jedoch zu anderen Schlüssen kommen: Die Nato-Soldaten fühlen sich offenbar gar nicht gefährdet, benehmen sie sich doch eigentlich eher wie im schlimmsten Saufurlaub, so die Zeitung.

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    Wichtig ist auch etwas anderes, schreibt „Iswestija“: Offensichtlich haben Nato-Armeen ein akutes Disziplinproblem. Fehlverhalten, das im zivilen Leben mit Freiheitsentzug bestraft würde, wird häufig nur mit Geldstrafen geahndet. Wenn überhaupt. Denn im Falle des Falles fahren die Nato-Soldaten einfach nach Hause, wo sie niemand mehr belangt.

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    Mitglieder, Problem, Randale, Disziplin, Schlägerei, Vandalismus, NATO, Baltikum, Estland, Litauen, Lettland, USA