18:50 22 November 2019
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    Test einer ballistischen Rakete in Indien am 27. März 2019

    Anti-Sat-Rakete: Indien rüstet sich gegen US-Angriffe aus dem All

    © REUTERS / India's Press Information Bureau / Handout
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    Die USA haben längst den Startschuss für ein Wettrüsten im Weltall gegeben: Immer wieder kündigt die US-Regierung an, eine „Space Force“ zu gründen und Waffen im Erdorbit zu stationieren, schreibt das Portal „Swesda“. Andere Weltmächte reagieren auf die Bedrohung: Nach China und Russland verfügt nun auch Indien über eine Antisatellitenrakete.

    Dass Indien kürzlich einen Satelliten im Erdorbit mit einer vom Boden gestarteten Rakete abgeschossen hat, zeigt vor allem, wie weit das Wettrüsten im All fortgeschritten ist. Der Rüstungswettlauf habe einen „neuen Level“ erreicht, mahnt der Rüstungsexperte Igor Korottschenko, Direktor des Zentrums für die Analyse des globalen Waffenhandels.

    „Die USA haben bekanntlich als erstes Land der Welt damit begonnen, Raumfahrttechnik für Kriegszwecke zu nutzen. Erst dann haben China, Russland und nun auch Indien die Entwicklung von Weltraumwaffen aufgenommen“, erklärt der Analyst. „Es ist völlig klar, dass das System der strategischen Stabilität strapaziert wird. Dass noch ein Land über Weltraumwaffen verfügt, könnte die internationalen Beziehungen und den globalen Waffenmarkt stark beeinflussen. Zu erwarten ist, dass auch andere Länder bald eigene Entwicklungen vorstellen werden, um nicht zurückzufallen hinter die Weltraummächte.“

    Indes feiert die indische Führung den Satellitenabschuss vor allem als eine technische Glanzleistung. Indiens Premierminister Narendra Modi sagte in einer Ansprache, Indien sei dem Kreis der „Weltraum-Supermächte“ beigetreten, „solcher Länder wie USA, Russland und China“. Den indischen Wissenschaftlern sei es zu verdanken, „dass Indien zum Mitglied einer elitären Gruppe von Ländern geworden ist, die über A-SAT-Fähigkeiten verfügen“, twitterte der Regierungschef zudem.

    Die A-Sat-Rakete ist von der Indischen Organisation zur Rüstungsforschung und —entwicklung konstruiert worden. Beim Test wurde die Rakete vom Boden aus gestartet und traf nach drei Minuten einen Satelliten im niedrigeren Erdorbit.

    „Den Startschuss für die Entwicklung von Antisatellitenwaffen haben die USA abgegeben, als sie das Raketenabwehrsystem Aegis getestet haben. Das war schon 2002“, sagt der Experte Korottschenko laut dem Portal.

    Das Raketenabwehrsystem Aegis ist eine Komponente des amerikanischen Raketenschilds. Es dient der Abwehr von ballistischen Kurz- und Mittelstreckenraketen. Das System ist ein Netzwerk aus Ortungs- und Feuerleitradaren sowie Startrampen für Abfangraketen, die auf Kriegsschiffen und mehreren Stützpunkten der US-Streitkräfte stationiert sind. Es soll auch der Raketen- und Satellitenabwehr in Europa dienen.

    Notwendig sei ein „internationales Abkommen für die Länder, die das technische Potential haben, solcherart Waffen zu entwickeln“, fordert der Fachmann. „Solch ein Abkommen würde das Wettrüsten im All eindämmen und garantieren, dass Weltraumwaffen bei einer Eskalation internationaler Spannungen nicht eingesetzt werden.“

    Russische Diplomaten haben bereits einen Vorstoß in diese Richtung unternommen. „Wie die USA sich diesbezüglich verhalten werden, bleibt aber weiter unklar.“ Fest steht jedenfalls, „dass China und Indien ihre Antisatellitenprogramme gestartet haben, vor allem um sich gegen die amerikanischen Weltraumwaffen zu schützen“, so der Experte laut dem Portal.

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    Indiens technischer Erfolg macht nur noch ein Mal deutlich, wie wichtig ein internationales Abkommen ist. Es gilt, die Militarisierung des Erdorbits zu verhindern. Denn einen „Krieg der Sterne“ würde die Welt womöglich nicht überleben.

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    Tags:
    Rüstungswettlauf, Internationale Beziehungen, Satelliten, Rakete, Raumfahrt, Krieg, Waffenhandel, A-Sat-Rakete, Aegis-Raketenabwehr, Igor Korottschenko, Narendra Modi, Indien, USA, Russland, China