18:46 18 April 2019
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    Schiffbau in Deutschland (Archivbild)

    Gemeinsamer Flugzeugträger der EU: Spielt Macron mit Berlins Machthunger in Europa?

    © AFP 2019 / MARCUS BRANDT / DPA
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    Ehrgeizig sind die Rüstungsprojekte allemal, mit denen Berlin und Paris die europäische Einheit bestärken wollen: ein gemeinsamer Kampfpanzer, ein gemeinsamer Kampfjet, jetzt auch, auf Vorschlag der CDU-Vorsitzenden Kramp-Karrenbauer, ein gemeinsamer Flugzeugträger. Groß sind die Pläne – und durchschaubar, schreibt das Portal „Swesda“.

    Am „europäischen Kampfflugzeug der Zukunft“ arbeiten Deutschland und Frankreich bereits, jetzt könnte das nächste „symbolische Projekt“ kommen: der Bau eines gemeinsamen europäischen Flugzeugträgers – so der Vorschlag von Annegret Kramp-Karrenbauer

    Das Vorhaben würde, so die CDU-Vorsitzende, „der globalen Rolle der Europäischen Union als Sicherheits- und Friedensmacht Ausdruck verleihen“. Bundeskanzlerin Merkel hat den Vorstoß ihres Protektionskindes (so das Portal) sogleich gestärkt: Über „eine solche Ausrüstung“ zu verfügen, finde sie „richtig und gut“, sagte die deutsche Regierungschefin. Übrigens: Die Kosten für das Schiff werden auf zunächst 4,5 Mrd. Euro beziffert.

    Das Projekt hat natürlich noch keine Vertragsbasis, was es den EU-Politikern ermöglicht, sich Träumen hinzugeben, schreibt „Swesda“: Träumen hinsichtlich dessen, wie der gesamteuropäische Flugzeugträger die EU zusammenschweißen vermöge und die Idee einer gemeinsamen europäischen Armee vorwärtsbringen könne.

    Wie schon gesagt: Das erste waghalsige und teure Rüstungsprojekt, das Deutschland und Frankreich vorantreiben, wäre der Flugzeugträger nicht. Die Waffenschmiede Krauss-Maffei Wegmann und der französische Rüstungskonzern Nexter entwickeln gemeinsam den neuen europäischen Kampfpanzer. MTU, der deutsche Triebwerkspezialist, und Safran, der französische Hersteller von Flugzeugmotoren, arbeiten am FCAS, dem europäischen Kampfjet der Zukunft. Angedacht ist, alle genannten Projekte bis 2035-2040 zu realisieren. Jetzt kommt noch der Flugzeugträger hinzu – und damit die Frage auf, wozu die EU dieses Schiff überhaupt braucht.

    Man könnte vermuten, das deutsch-französische Tandem ändere seinen militärpolitischen Kurs. Noch gilt der internationale Terrorismus den Europäern als der größte Feind (zur Bekämpfung dessen die EU sicherlich kein Super-Schlachtschiff benötigt), doch inzwischen macht Brüssel einen anderen Gegner aus, eigentlich sogar zwei: China und Russland. Rein hypothetisch könnte man einen dritten Gegner hinzudenken: die USA, schreibt „Swesda“.

    Doch: In allen diesen Rüstungsvorhaben ist allzu deutlich die Hand des energischen und einfallsreichen französischen Präsidenten erkennbar, so das Portal. Schon beim gemeinsamen Kampfjet FCAS zog Emmanuel Macron die Deutschen ins Projekt hinein, nachdem ein ähnliches Vorhaben mit den Briten gescheitert war.

    Was die „Ausrüstung“ für die Marine angeht, so hatte Frankreichs Präsident früher schon einen Ersatz für den französischen Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ angekündigt, der seit 2001 im Einsatz ist. Man achte jetzt genau auf die Zahlen: Die Kosten des Nachfolgers wurden auf exakt 4,5 Mrd. Euro taxiert, schreibt das Portal. Die Bordflugzeuge exklusive. Auch bei den Projektfristen sind Parallelen erkennbar: Nach 2030 sollte Frankreichs neuer Flugzeugträger fertig sein.

    Denkbar ist also, dass Emmanuel Macron, der unlängst sein Reformprogramm für die EU verkündet hat, gekonnt mit Berlins Europa-Ambitionen spielt. Es ist banal, doch könnte Frankreichs Präsident es auf das deutsche Geld abgesehen haben,  um auch seine innenpolitischen Probleme zu lösen. Jedenfalls wären durch den Bau eines gemeinsamen Flugzeugträgers auch französische Rüstungsfirmen wieder ausgelastet, schreibt „Swesda“. Und wenn das Großprojekt dann endlich verwirklicht ist, sind die heutigen Politiker, die die Vorhaben auf den Weg bringen, höchstwahrscheinlich gar nicht mehr im Amt, so das Portal.

    Indes hat der Vorschlag der CDU-Vorsitzenden Kramp-Karrenbauer bei den Fachleuten viele Fragen aufgeworfen. Zurecht verweisen Experten etwa darauf, dass ein Flugzeugträger niemals allein in den Einsatz fährt: Immer sind Schiffe zum Schutz und zur Versorgung dabei. Also müsste man sich mit dem Bau des Flugzeugträgers gleichzeitig auch um die Aufstellung eines Begleitverbandes kümmern.

    Außerdem: Ein Flugzeugträger reicht eigentlich nicht aus, sagen Militärs laut dem Portal. Benötigt würden mindestens zwei, wie am Beispiel der „Charles de Gaulle“ deutlich wird: Während der französische Flugzeugträger vor kurzem 18 Monate lang überholt wurde (Kostenpunkt: eine Mrd. Euro), war er naturgemäß nicht imstande, Europa auf den Weltmeeren zu beschützen.

    Werfen wir noch einen Blick auf die Kosten. Die veranschlagte Summe von 4,5 Mrd. Euro wird vor dem Stapellauf des Flugzeugträgers sicherlich noch mehrmals nach oben korrigiert. Hinzu kommen noch mindestens 40 Bordflugzeuge und, wie gesagt, der Begleitverband.

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    Wäre es da nicht besser, die Deutschen und Franzosen würden dieses Geld beispielweise dafür verwenden, den syrischen Flüchtlingen zu helfen? Das könnte das Problem mit den Flüchtlingsströmen durchaus lösen, schreibt das Portal.

    Aber gewagte Vorschläge beiseite: Die Voraussetzung für den Einsatz eines gemeinsamen Flugzeugträgers wäre „eine gemeinsame Strategie sowie ein zielgerichteter Entscheidungsmechanismus“, twitterte Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, zu diesem Thema. Für Deutschland sei das „Lichtjahre entfernt“.

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    Tags:
    Kampfpanzer, Ausrüstung, Militär, Flugzeugträger, Waffen, FCAS, Safran, MTU, Nexter, CDU, Krauss-Maffei Wegmann, Annegret Kramp-Karrenbauer, Wolfgang Ischinger, Emmanuel Macron, Angela Merkel, EU, Deutschland, USA, Frankreich, Russland, China