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08:23 21 Juli 2019
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    Eine Expedition in der Arktis (Archivbild)

    Arktis: Moskau geht voran, Peking zieht mit – Washington will aufschließen

    © Sputnik / Maxin Blinow
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Kurze Handelswege, reiche Rohstoffvorkommen und nicht zuletzt die geostrategische Lage – es gibt viele Gründe, warum die Arktis zunehmend zum Hotspot großer Interessen wird. Nächste Woche treffen sich Staats- und Regierungschefs, Politiker, Wissenschaftler und Wirtschaftsleute in Sankt Petersburg, um genau darüber zu diskutieren.

    Allein die Mengen an Öl und Gas, die unter dem arktischen Eismantel lagern, sind es wert, dass Spitzenpolitiker, Top-Manager und Spezialisten zusammenkommen, um sich intensiv mit den Möglichkeiten zu befassen, die die Arktis bietet. Das Forum „Arktis – Raum für Dialog“, das nächste Woche in Sankt Petersburg beginnt, ist eine Plattform für den Austausch.

    Dass die Arktis in naher Zukunft zum starken Treiber des Öl- und Gassektors werden kann, gilt unter Fachleuten als ausgemacht, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“. 90 Milliarden Barrel Öl lagern in der Region, unter dem Meeresgrund. Das sind laut dem Blatt 13 Prozent aller unerkundeten Ölressourcen auf der Welt. Hinzu kommen 48,3 Billionen Gas und 44 Milliarden Barrel Gaskondensat (30 bzw. 20 Prozent der Weltressourcen). Die Arktis ist wahrlich ein „Meer von Möglichkeiten“ – so lautet auch das Motto des anstehenden Forums.

    Sicher, wo Möglichkeiten sind, da sind auch Risiken: Die Gefahr, dass in der Nordpolarregion geostrategische Interessen zusammenprallen, ist real gegeben, schreibt die Zeitung. Nicht nur für Russland ist die Arktis ein wichtiges Gebiet. Aber für die Russische Föderation ist die Region auch ein Wirtschaftsmotor.

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    Moskau hat sein Programm zur Entwicklung der Arktis bis 2025 verlängert, die russische Regierung hat sogar ein eigens dafür zuständiges Ressort: das Ministerium für die Entwicklung des Fernen Ostens und der Arktis. Aber auch das russische Umweltministerium hat deutlich etwas zu sagen, wenn es um die Zukunft der Arktis geht: 118 Projekte zur Erschließung von Rohstoffen und zur Entwicklung der Logistik in der Region hat diese Behörde vorbereitet.

    Und: Der Grenzschutz ist für Russland ein weiterer Grund, in der Arktis verstärkt präsent zu sein, ein sehr wichtiger Grund. Russlands Sicherheitsrat plant laut der Zeitung, bis 2020 jenseits des Polarkreises über 200 Militäreinrichtungen zu reaktivieren, 10 Flugplätze aufzubauen und 20 Flugabwehrstellungen zu stationieren.

    Dass Washington dabei nicht teilnahmslos zusieht, ist naheliegend. Noch spricht die US-Regierung nur von Plänen. Im kommenden Sommer soll ein Kampfschiff der Navy durch die Arktisgewässer fahren, erklärte der zuständige Minister Richard Spencer. Die Mission soll „die Freiheit der Schifffahrt“ in der Region sichern, als Reaktion auf „übermäßige Ansprüche“ einiger Länder in der Arktis. Zudem bereiten die USA die Stationierung von Kampfschiffen und Flugzeugen auf einer Insel vor Alaska vor.

    Washington habe erkannt, die Bedeutung von Einfluss in der Arktis unterschätzt zu haben, schreiben US-Medien laut der Zeitung. Auf die USA kämen nun Probleme zu, weil Russland die Region dank seinen Nordgebieten erschließe, während China sich zu einer „arktisnahen Macht“ erklärt und verkündet habe, einen Zweig der Seidenstraße durch die Arktis zu verlegen.

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    Vor sechs Jahren ist China mit Russlands Unterstützung als Beobachter in den Arktisrat aufgenommen worden. 2018 hat Peking ein Weißbuch zu seiner Arktis-Strategie veröffentlicht. China, Tausende Kilometer vom Nordpol entfernt gelegen, baut Eisbrecher – zwecks Erschließung der Nordostpassage. Denn der Warentransport von China nach Europa über die arktischen Gewässer entlang der russischen Küste verkürzt sich, verglichen mit der Route durch den Suezkanal, um eine Woche.

    Ob Russland allerdings bereit ist, China einen „Vorzugspass“ für die Nordostpassage zu gewähren, bleibt unklar, schreibt „Nesawissimaja Gaseta“. „Würde ein chinesisches U-Boot in der Arktis auftauchen – so in fünf bis zehn Jahren –, würde sich das Kräfteverhältnis natürlich ändern. Für Russland wäre das eine absolut neue Realität mit gänzlich neuen Herausforderungen“, schreibt das Fachportal „Arctic Today“ laut der Zeitung.

    Fakt ist jedenfalls: Regeln für die Durchfahrt ausländischer Schiffe durch die Nordostpassage hat Russland schon ausgearbeitet. Wer durchfahren will, muss 45 Tage vorher die zuständige Behörde in Moskau informieren. Kampfschiffe müssen zudem immer einen russischen Lotsen an Bord nehmen. Bei unangekündigter Durchfahrt behält sich Moskau das Recht vor, das Schiff mindestens zu beschlagnahmen, wenn nicht zu zerstören. Das bedeutet vor allem eins, schreibt „Nesawissimaja Gaseta“: Die Nordostpassage steht bereits unter Russlands Kontrolle.

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    Tags:
    Kampfschiffe, Grenzschutz, Entwicklung, Öl, Gas, Geopolitik, Ferner Osten, Nordpol, Arktis, USA, Russland, China