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14:55 16 Juli 2019
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    Crew eines sowjetischen Atom-U-Boots (Archivbild)

    Unterwasser-Kampfjet: Wie die Sowjetunion einen U-Boot-Killer baute

    © Sputnik / N. Verinchuk
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    Rossijskaja Gaseta
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    Vor genau einem halben Jahrhundert, am 22. April 1969, lief das Atom-U-Boot K-64 vom Stapel, das erste Schiff des Projekts 705 „Lira“, schreibt die Zeitung „Rossijskaja Gaseta“.

    Dank revolutionären technischen Lösungen konnte die K-64 jedes Ziel im Meer treffen und war selbst unangreifbar. Die damals existierenden Torpedos konnten die „Alfa“ – so wurde das U-Boot von der Nato genannt – einfach nicht einholen.

    Die einzige Waffe des U-Boots des Projekts 705 waren Torpedos – sechs Stück am Bug. Das U-Boot wurde zur Jagd auf gegnerische U-Boote und für Duelle entwickelt. Bei den Fliegerkräften werden solche Maschinen als Kampfjets bezeichnet. Wegen seiner Stromlinienkonturen erinnerte das U-Boot an ein großes Meeresraubtier. Mit einer Sonderverordnung der sowjetischen Behörden wurde dem damals zuständigen Konstruktionsbüro SKB-143 (heute Konstruktionsbüro Malachit) erlaubt, bei Bedarf von den Schiffsbaunormen abzuweichen. Die Konstrukteure erfüllten die gestellte Aufgabe.

    Der Atomreaktor mit Metall-Wärmeträger war launisch und brachte viele Probleme bei der Aufrechterhaltung der notwendigen Temperatur mit sich. Dafür aber erreichte das U-Boot den Vollgang-Betrieb in weniger als einer Minute. Die Geschwindigkeit unter dem Wasser belief sich auf 41 Knoten (76 km/h). Es setzte sich von jedem Torpedo ab und tauchte 450 Meter tief. Das Triebwerk war klein und leicht, doch die Konstruktion von „Lira“ war eine Herausforderung. Meisterhafte Schweißer der „Sewmasch“-Werft bogen Elektroden und nutzten Spiegel, um eine Naht in einem Haufen von Kabeln zu ziehen.

    Das U-Boot war nicht groß – die Wasserverdrängung lag bei 3000 Tonnen. Die Besatzung war nach den Standards der sowjetischen Marine extrem klein – 31 Mann. 24 Offiziere, sechs Fähnriche und ein Schiffskoch.

    „Wenn am Funkgerät nicht ein Matrose aus dem ersten Jahr, sondern ein Kapitän des dritten Ranges steht, ortet er Ziele, die keine Elektronik orten kann“, erzählt Alexej Potechin, der acht Jahre lang eine „Lira“ leitete.

    Die Zahl der Besatzungsmitglieder wurde mit einer umfassenden Implementierung von elektronischen Anlagen erreicht. Die K-64 war das erste U-Boot mit einem Gefechts-Informations- und Steuersystem. Es verfolgte die Lage und den Zustand des Reaktors, der Hydrolokator und die Bewaffnung funktionierten selbstständig, sogar die Bordküche wurde mechanisiert. Die Besatzungsmitglieder mussten nicht einmal Wache in den Abschnitten halten – sämtliche Informationen wurden zum Zentralposten geleitet, der voller Indikatoren war. Die Abschnitte wurden ab und zu besichtigt, eine Kampfschicht an Bord bestand nur aus acht Personen.

    Atom-U-Boot der Alfa-Klasse (Archivbild)
    Atom-U-Boot der Alf-Klasse (Archivbild)

    Bei einer Havarie konnten sich die Besatzungsmitglieder mir einer auftauchenden Rettungskapsel in Sicherheit bringen. Es gab viele technische Probleme, es kam zu Notfällen, doch in den 20 Jahren des Betriebs der sieben U-Boote kam kein einziger Mensch ums Leben. Den Militärs gefielen die U-Boote des Projekts 705 trotz der schwierigen Wartung, des beengten Raums und spezifischen Triebwerks. Sie verstanden, dass dieses U-Boot sie dank seinen einzigartigen Eigenschaften im Kampf retten wird.

    Speziell für die K-64 entwickelte pneumatisch-hydraulische Torpedos ließen sich aus jeder Tiefe abschießen. Der nichtmagnetische Körper des U-Bootes wurde mit einer speziellen Schicht überzogen, die die Signale der Sonaranlagen unterdrückte. Selbst nach der Ortung konnte die „Lira“ Vollgas geben bzw. manövrieren und dem Angriff ausweichen und danach nach weniger als einer Minute nach dem Wenden selber attackieren.

    Während des Dienstes sorgten die „Liras“ für viel Stress bei der US-amerikanischen U-Flotte. Sie kamen in das Gebiet des Bereitschaftsdienstes der strategischen U-Boote der USA, orteten den Gegner und verfolgten ihn. Die revolutionären Anlagen der „Lira“ waren sehr laut, und in den US-amerikanischen U-Booten wusste man, dass man im Visier war, dagegen jedoch nichts machen konnte.

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    Tags:
    Atom-U-Boot, Lira, Maschinenbauwerk Malachit, Marine Russlands, U.S. Navy, Sewmasch, Sowjetunion, USA, Russland