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02:08 21 Juli 2019
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    Stapellauf des Atom-U-Boots „Belgorod“

    Hoffen auf die Serie: Neue Schiffe für Russlands Marine auf Kiel gelegt

    © Sputnik / Pawel Lwow
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    Iswestija
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    Der 23. April 2019 kann als großer Tag für die Flotte bezeichnet werden – vier Schiffe für die russische Marine wurden gleichzeitig auf Kiel gelegt (zwei Fregatten und zwei Landungsschiffe). Außerdem wurde der Rumpf der Kopf-Fregatte des neuen Projekts 20386 gekoppelt und das Spezial-Atom-U-Boot „Belgorod“ vom Stapel gelassen.

    Der Kiellegung der Fregatten in der Nördlichen Werft in St. Petersburg wohnte der russische Präsident Wladimir Putin bei. Darüber hinaus verfolgte er via Videokonferenz die anderen Ereignisse. Die Zeitung „Iswestija“ analysiert die aussichtsreichen Neuheiten der russischen Seestreitkräfte.

    Mehr Fregatten

    Im Rahmen des staatlichen Rüstungsprogramms 2011-2020 sollte die russische Marine mindestens 14 Fregatten bekommen – sechs Fregatten des Projekts 11356 (mit einem möglichen Ausbau der Serie auf neun bis zwölf Schiffe) und acht Fregatten des Projekts 22350. Der Bau der Schiffe des Projekts 11356 wurde als erstes gestoppt – der Bruch der Beziehungen zur Ukraine führte dazu, dass für die letzten drei Schiffe keine Turbinen zu bekommen waren; ihr Schicksal wird bis heute diskutiert. Trotz Berichten über den Verkauf der nicht fertiggestellten Fregatten dieses Projekts an Indien tauchen bisweilen Nachrichten über ihre Fertigstellung für die russische Kriegsflotte auf.

    Das Projekt 22350 wurde ebenfalls durch den Bruch zwischen Moskau und Kiew beeinflusst – der Anteil der ukrainischen Elemente an den Gasturbinen des neuen Typs war deutlich niedriger, und ihre Produktion konnte komplett in Russland lokalisiert werden. Mit der Inbetriebnahme der neuen Turbinenproduktion in Rybinsk 2018 wurde der weitere Bau der neuen Fregatten möglich.

    2018 wurden auch die Probleme mit der Bewaffnung des Schiffs gelöst – in erster Linie durch die Aufstellung des Fla-Komplexes Redut und der Radaranlage Poliment, was die Indienststellung der Kopf-Fregatte „Admiral Gorschkow“ ermöglichte. Die Lösung dieser zwei Hauptprobleme lassen darauf hoffen, dass auch die restlichen Schiffe der Serie innerhalb von zwei bis drei Jahren der Flotte übergeben sowie schneller weitere Fregatten gebaut werden.

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    Zwei Schiffe – „Admiral Amelko“ und „Admiral Tschitschagow“, die in der Nördlichen Werft in St. Petersburg am 23. April 2018 auf Kiel gelegt worden waren, werden nach dem Projekt 22350 gebaut und sollen sich in ihrer Ausstattung nicht besonders stark unterscheiden. Ihr Bau soll bis zu fünf Jahre dauern. Wie Putin in seiner Botschaft an die Föderalversammlung im März sagte, sollen in den kommenden Jahren fünf Schiffe für die fernen Meereszonen auf Kiel gelegt werden. Deshalb kann man vermuten, dass 2020-2021 mit dem Bau von weiteren drei Fregatten dieses Projekts begonnen wird.

    Zudem soll die Flotte bis 2027 weitere 16 Schiffe für die fernen Meereszonen bekommen. Es wird sich dabei wohl um Fregatten des modernisierten Projekts 22350M und Korvetten des Projekts 20386 handeln. Die genannten Fristen sind ziemlich kurz – der Bau der Fregatten des neuen Typs würde bestenfalls mindestens fünf Jahre, und der Korvetten vier Jahre in Anspruch nehmen. Das heißt, dass alle Fregatten, die im Rahmen des neuen Rüstungsprogramms 2018-2027 gekauft werden sollen, bis 2022 und die Korvetten bis Ende 2023 auf Kiel gelegt werden.

    Experten zufolge wäre die optimalste Lösung zur Überwindung des Mangels an Schiffen für die fernen Meereszonen der weitere Bau von Korvetten des Projekts 20380/385, weil Industrie und Flotte schon Erfahrung mit ihnen haben. Diese stark bewaffneten und gut ausgestatteten Schiffe sind ursprünglich Schiffe der nahen Meereszone, können aber auch in der fernen Meereszone eingesetzt werden, wenn die nötige Unterstützung und Versorgung gewährleistet wird. Welche Lösung im Ergebnis gewählt wird, ist bislang unklar.

    Mangel an Landungsschiffen

    Die Kiellegung von zwei Landungsschiffen nach dem modifizierten Projekt 11711 in der Kaliningrader Werft „Jantar“ ist eher ein Palliativ-Beschluss. Lange Zeit galt, dass die Serie dieses Projekts sich auf die beiden ersten großen Landungsschiffe begrenzen wird – „Iwan Gren“ und „Pjotr Morgunow“. Anschließend soll mit dem Bau größerer Hubschrauberträger begonnen werden. Doch die Umsetzung dieses Projekts kann viel Zeit in Anspruch nehmen, während die aktuellen großen Landungsschiffe schon ziemlich veraltet sind – die durchschnittliche Dienstzeit der Schiffe liegt bei fast 40 Jahren. Bis zum Ersatz in Form größerer und stärkerer Schiffe können sie einfach nicht mehr in Fahrt sein, besonders angesichts ihrer intensiven Nutzung während des syrischen Konfliktes.

    Das große Landungsschiff „Iwan Gren“ (Projekt 11711)
    © Sputnik / Igor Sarembo
    Das große Landungsschiff „Iwan Gren“ (Projekt 11711)

    Der weitere Bau von großen Landungsschiffen des Projekts 11711 war unter diesen Bedingungen ein notwendiger Beschluss, doch das Projekt selbst wurde geändert. Nach vorhandenen Informationen werden die modernisierten Landungsschiffe größer als ihre Vorgänger sein und einen größeren Flugzeugverband bekommen – bis zu sechs Hubschrauber statt den früheren zwei. Von außen werden sie sich durch eine entwickelte Heck-Hubschrauberplattform und einen einheitlichen Korpus im Vorschiff unterscheiden.

    Ein weiterer bedeutender Unterschied ist die Entfernung der Artilleriewaffen mittelgroßen Kalibers, wobei die Flugabwehrmittel der Selbstverteidigung beibehalten werden – laut heutigen Konzepten gilt, dass Landungsschiffe nicht selbstständig die Aufgabe der Feuerunterstützung der Landungstruppen erfüllen. Diese Aufgabe soll in erster Linie von den Bordhubschraubern Ka-52K übernommen werden, während die Landung an der Küste mithilfe von Landungsbooten und schwimmender Panzertechnik erfolgen soll.

    Die Kiellegung von zwei neuen Einheiten würde die vielen Probleme der Landekräfte der Marine nicht lösen. Wie im Fall der Fregatten, soll die Serie fortgesetzt werden – mindestens sechs bis acht Einheiten, mit einem weiteren Wechsel zum Bau größerer Schiffe.

    Spezial-U-Boot

    Das am 23. April 2019 vom Stapel gelaufene U-Boot K-329 „Belgorod“ ist eindeutig das markanteste, jedoch das am meisten geheim gehaltene Ereignis. Es wurde ursprünglich als Raketenträger des Projekts 949A im Juli 1992 auf Kiel gelegt und 1994 konserviert. Nach dem Untergang des U-Boots „Kursk“ im Jahr 2000 wurde die Wiederaufnahme der Bauarbeiten beschlossen, allerdings wurde das Projekt kaum finanziert. 2012 berichtete der Befehlshaber der Kriegsflotte über den Wechsel des U-Boots zu einem Sonderprojekt, später tauchten Informationen auf, dass das U-Boot spezielle U-Apparate tragen wird.

    Das Projekt wurde stark verändert. Nach vorhandenen Angaben wurde das U-Boot um 30 Meter verlängert – 184 gegenüber 154 Meter. Die Breite wurde dank Beseitigung der Startanlagen des Raketenkomplexes Granit kleiner. Das U-Boot hatte weiterhin Torpedos, bekam neue hydroakustische Anlagen, doch zu seiner Hauptausstattung gehören Unterwasser-Geräte verschiedener Typen, darunter die neusten U-Drohnen Poseidon mit Atomantrieb. Die „Belgorod“ soll bis zu sechs Poseidon-Drohnen an Bord tragen.

    Bemerkenswert ist, dass die Ergänzung der Sondereinsatzkräfte heute zu den Prioritäts-Programmen der russischen Kriegsflotte gehört. So sollen in den nächsten Tagen neue Transportdocks für Spezial-U-Boote mit kleiner und mittelgroßer Wasserverdrängung auf Kiel gelegt sowie mehrere Versorgungssysteme für sie gekauft werden.

    Doch ohne eine entwickelte und ausgewogene Flotte, die Aufgaben sowohl nahe der Küste als auch in fernen Gewässern lösen kann, werden die Spezialkräfte nicht effektiv sein. In diesem Zusammenhang sollte man hoffen, dass Putins Aufmerksamkeit für die Modernisierung der Marine bei der Schaffung dieser Flotte helfen wird. Wer genau sich damit befasst, wird wohl auch bald geklärt. Gerüchte über einen baldigen Rücktritt des Befehlshabers der Kriegsmarine kursieren schon seit vielen Wochen.

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    Kriegsflotte, Kriegsschiffe, Atom-U-Boot, Fregatte „Admiral Gorschkow, Landungsschiff Iwan Gren, Poseidon, Atom-U-Boot „Belgorod, Ka-52, Marine Russlands, Sewmasch, Russland