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22:12 19 Oktober 2019
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    Russlands Station der „Krassucha“-Serie (Archiv)

    Komplette Abdeckung: Russland steckt Arktis unter funkelektronische Kuppel

    © Sputnik / Denis Abramow
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    Der russische Teil der Arktis wird mit einem funkelektronischen Schirm abgedeckt: Die Nordflotte hat die entsprechenden Arbeiten zur Ausrüstung des Zentrums für funkelektronischen Kampfführung abgeschlossen.

    Die Langstreckensysteme „Murmansk-BN“ und die Stationen der „Krassucha“-Serie des Zentrums werden demnächst mit neuesten Komplexen „Diwnomorje“ vervollkommnet, wie Quellen im Verteidigungsministerium informierten.

    Da die Komplexe „Murmansk-BN“ auf der Halbinsel Kamtschatka stationiert sind, werden sie die gesamte Nordostpassage abdecken. Sie werden Hindernisse für Kommunikations- und Navigationssysteme der Schiffe, U-Boote und Flugzeuge der potenziellen Gegner schaffen, die Russlands Staatsgrenze verletzen. Dadurch können ihre Aktivitäten ohne Waffeneinsatz behindert werden.

    Derzeit stehen diese einmaligen funkelektronischen Kampfsysteme der Nord-, der Pazifik-, der Baltischen und der Schwarzmeerflotte zur Verfügung, die sie in den letzten fünf Jahren erhalten haben. Die neuesten Waffen wurden bereits erfolgreich getestet. Dabei wurde der hohe Ausbildungsstand des Bedienpersonals der Anlagen bestätigt: Das Zentrum für funkelektronische Kampfführung auf Kamtschatka wurde als einer der besten Truppenteile dieser Waffengattung im Militärbezirk Ost und der Pazifik-Flotte anerkannt.

    Die in Seweromorsk (Gebiet Murmansk) und auf Kamtschatka aufgestellten Komplexe decken die gesamte Nordostpassage ab. Sie liegen unweit ihrer Schlüsselpunkte – von der Bering- und der Karastraße – und garantieren die Sicherheit dieser „Schwachstellen“ des Verkehrswegs.

    Nichttödliche Waffe

    Vor den funkelektronischen Kampfmitteln in der Arktis stehen zwei Aufgaben: die Sicherheit der Schifffahrt in der Nordostpassage zu gewährleisten und die Region im funkelektronischen Bereich zu kontrollieren, so der Militärexperte Viktor Murachowski.

    „In den letzten Jahren wird viel Wert nicht nur auf die Navigations- und die hydrographische Sicherheit sowie auf Rettungseinsätze gelegt, sondern auch auf die rein militärische Sicherheit der Arktis“, betonte er. „In diesem Raum wurden Flugplätze eingerichtet; es wird ein System zur Beleuchtung in der Luft, am und unter dem Wasser entwickelt, die die ganze Region abdecken soll. Funkelektronischer Kampf ist Teil dieser ganzen Arbeit. Das Interesse für die Nordostpassage wird immer größer, und zwar nicht nur seitens Russlands. Im vorigen Jahr erschien dort das französische Schiff ‚Rhone‘ ohne jegliche Benachrichtigung. Das Ziel dieses Einsatzes war laut dem Kapitän, ‚Informationen über diese Region zu sammeln‘. In der Perspektive könnte sich die Nordostpassage als wichtigster Verkehrsweg zwischen Europa und Asien etablieren. Dort könnten bis zu 50 Prozent aller Güter zwischen Europa und Asien für Hunderte Milliarden Dollar befördert werden.“

    „Soft Power“ der „Murmansk“-Waffe

    Der automatisierte funkelektronische Kampfkomplex „Murmansk-BN“ könnte eine nahezu ideale nichttödliche Waffe zur Bekämpfung der Kräfte werden, die Russlands Staatsgrenze im Hohen Norden verletzen wollen. Seine Reichweite beträgt etwa 5000 Kilometer und könnte unter Umständen auf 8000 Kilometer erhöht werden. Dabei ist dieser Komplex schon jetzt in jeder möglichen Hinsicht besser, als alle früheren Modelle.

    Der „Murmansk“-Komplex sammelt automatisch Informationen über Signalquellen im Kurzwellenbereich, klassifiziert sie und bestimmt, welche Hindernisse für diese oder jene Quelle geschaffen werden könnten. Und dann wird das gegnerische Schiff, U-Boot oder Flugzeug die Verbindung mit der Außenwelt verlieren.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Russisches Verteidigungsministerium zeigt neue Militärbasis in der Arktis – VIDEO<<<

    Sehr wichtig ist auch, dass der „Murmansk“-Komplex enorm mobil ist. Eine solche Anlage wird mit sieben Lastwagen transportiert. Sie verfügt über starke Teleskop-Mastantennen und dehnbare Niederfrequenz-Antennen. Eine Mastantenne kann eine Höhe von 32 Metern erreichen. Dadurch können die Einsatzgebiete leicht und schnell geändert werden.

    „Diwnomorje“ eilt zur Hilfe

    Über den modernsten funkelektronischen Kampfkomplex „Diwnomorje“ ist vorerst wenig bekannt. Im Unterschied zur vorigen Generation dieser Waffen („Moskwa-1“, „Krassucha-2“ und „Krassucha-4“) wird er mit einem großen Schleppwagen befördert, so dass seine Mobilität maximal ist. Seine Reichweite beträgt mehrere Hunderte Kilometer. Diese Waffe ist für den Kampf gegen AWACS-Systeme der Typen E-3, E-2 Hawkeye und E-8 JSTAR geeignet, wie auch gegen Hubschrauber und Drohnen, Marschflugkörper und Satellitenradarsysteme.

    Die Zentren für funkelektronischen Kampf bestünden aus mehreren Bataillonen und einzelnen Kompanien, sagte der Militärexperte Dmitri Boltenkow. „Sie verfügen über ein umfassendes Spektrum von funkelektronischen Kampfmitteln.“ Zu den Komplexen „Murmansk-BN“ sagte er: „Wenn sie auf den Halbinseln Kola und Kamtschatka aufgestellt werden, könnten sie die Kurzwellenverbindung die gesamte Nordostpassage entlang ausschalten. Und solche Kampfmittel wie ‚Krassucha-4‘ können die Satellitenverbindung, die GPS-Navigation und Kommunikationskanäle mit unbemannten Flugapparaten eindämmen. Dann wäre der potenzielle Gegner blind, taub und stumm. Und das wäre für ihn ein Anlass, nachzudenken: ‚Es wurde eben die Kommunikation eingedämmt, und gleich könnte eine Rakete fliegen. Und niemand wird jemals erfahren, was hier eigentlich passiert ist‘.“

    Die russischen Streitkräfte in der Arktis können auch jederzeit zusätzlich verstärkt werden, so Experte Boltenkow weiter. Mit Landungsschiffen und Flugzeugen könnten nach seinen Worten  funkelektronische Kampfmittel operativ auf die Insel Kotelny (Franz-Josef-Land) gebracht werden.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Kurs auf Norden: Wie die „russische Arktis“ die Karte Europas verändert<<<

    Russland nimmt die Nordostpassage intensiv unter seine Kontrolle. Anfang dieses Jahres hat die russische Regierung die Regeln formuliert, die ausländische Kriegs- und Hilfsschiffe einzuhalten haben. Jetzt müssen sie Moskau 45 Tage im Voraus über ihre Pläne informieren, in der Nordostpassage zu erscheinen. Zudem müssen sie unbedingt russische Lotsen an Bord nehmen. Unter Umständen können ihre Anträge auch abgelehnt werden, falls das jeweilige Schiff keinen nötigen Eisschutz hat oder die Besatzung keine Navigationserfahrungen im Hohen Norden hat.

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    Flotte, Diwnomorje, Murmansk-BN, Arktis, Russland