13:24 20 November 2019
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    Raketenkomplex S-300 bei der Militärparade in Kiew, Ukraine (Archivbild)

    Geheimer Deal mit ungeheimer Technik: Hat Kiew S-300-Systeme an USA geliefert?

    © Sputnik / Stringer
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    Wie Flugabwehrsysteme S-300 in die Vereinigten Staaten gelangt sind, ist noch nicht geklärt. Ob sie überhaupt echt sind, kann man wohl auch noch nicht sagen. Einуs steht aber fest: Erkenntnisse über neue russische Waffensysteme kann das US-Militär aus der alten Sowjettechnik nicht gewinnen. Die Zeitung „Gazeta“ berichtet.

    Eine mobile Kommandozentrale, ein Feuerleitradar und zwei Startrampen für Abwehrraketen – auf Satellitenbildern aus dem Internet soll ein russisches Flugabwehrsystem S-300PT auf US-Territorium zu sehen sein. Sputnik hat bereits berichtet. Ob es sich bei dem System bloß um eine Attrappe oder um echte Technik handelt, sei nicht bekannt, schreibt das Fachportal „Defense Blog“. Unbestimmt sei auch der genaue Stationierungsort der Flugabwehrsysteme.  

    „Die S-300-Systeme sind mutmaßlich aus der Ukraine in die Vereinigten Staaten gelangt“, sagt der Fachjournalist Igor Korottschenko, Chefredakteur einer russischen Rüstungszeitschrift, laut der Zeitung. „Dass die Ukraine unter Präsident Poroschenko im Rahmen einer Geheimkooperation mit dem US-Verteidigungsministerium den Amerikanern Zugang zu sowjetischer Militärtechnik gewährte, ist bekannt“, so der Experte.

    Gut möglich, dass bei dieser Kooperation auch eine Lieferung alter sowjetischer S-300-Systeme an die USA vereinbart worden sei, „damit Spezialisten der US Air Force sich mit der Funktionsweise dieser Technik vertraut machen und entsprechende Gegenmaßnahmen ausarbeiten konnten“, sagt Korottschenko.

    Amerikanische Streitkräfte nutzen häufig ehemals sowjetische oder russische Waffensysteme bei Übungen und Manövern, um Einsatzlagen möglichst lebensecht zu trainieren, schreibt „Defense Blog“.

    Nur: Die Abwehrsysteme vom Typ S-300 sind in den Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts entwickelt worden, gibt Experte Korottschenko zu bedenken. „Die russische Technik von heute, von der Art eines S-400, hat mit den alten Systemen aus der UdSSR nichts gemein – außer dem Buchstaben ‚S‘ in der Typbezeichnung vielleicht. Dass die USA Zugang zu diesem alten Waffensystem bekommen haben, macht sie nicht wehrfähiger.“

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    Noch im Oktober 2018 erklärte der russische Vize-Verteidigungsminister Alexander Fomin, es sei international anerkannt, dass russische Flugabwehrsysteme bei den technischen Merkmalen unübertroffen seien: „Allen ist klar, dass es kein Waffensystem gibt, das besser als das S-300 oder erst recht als das S-400 wäre.“

    Ob bei der Reichweite, bei der Anzahl der simultan zu bekämpfbaren Ziele oder bei der Geschwindigkeit der Zielobjekte – „unsere Flugabwehrsysteme sind bei allen Parametern überlegen, selbst dem Patriot-PAC3-System“, so der russische Vize-Verteidigungsminister laut der Zeitung.

    Einen Vorsprung haben die russischen Flugabwehrsysteme gegenüber ihren amerikanischen Rivalen demnach beispielsweise beim Reaktionstempo: Die Patriot-PAC3-Systeme bekämpfen Ziele, die mit einer Geschwindigkeit von bis zu 2.000 Metern pro Sekunde fliegen. Die russischen S-400 wehren Zielobjekte ab, die mit bis zu 4.700 Metern pro Sekunde ankommen. „Solche Flugobjekte existieren heute noch gar nicht. Sie werden erst in 2040-50 verfügbar sein“, sagte der Vize-Verteidigungsminister.

    Was die S-300PT-Systeme angehe, die auf den Satellitenbildern zu sehen sein sollen, so können sie aus einer Entfernung von fünf bis 47 Kilometern Ziele abwehren, die in einer Flughöhe von bis zu 2.700 Metern mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1.300 Stundenkilometern anfliegen. Dabei ist die Anlage hochmobil: Sie kann innerhalb von eineinhalb Stunden gefechtsbereit aufgestellt werden, auch in einem Verband unterschiedlicher Flugabwehrsysteme.

    Die S-300-Serie besteht aus vielen Versionen, die sich vor allem durch die technischen Optionen unterscheiden. Je nach Einsatzzweck – zum Schutz im Nahbereich, zur Abwehr von ballistischen Kurzstreckenraketen oder von Flugobjekten in extrem niedrigen Höhen – kann das System mit verschiedenen Radaren, Raketen und EloKa-Modulen ausgestattet werden.

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    Entwickelt wurde die S-300-Serie in den 1970er Jahren. 1979 stellten die sowjetischen Streitkräfte erste Muster in Dienst. 2007 hat die russische Armee das S-400-System übernommen, eine Weiterentwicklung des S-300.

    Russland ist nicht das einzige Land, dessen Streitkräfte das S-300 einsetzen. Über dieses Waffensystem verfügen auch Weißrussland, Kasachstan, die Ukraine, Aserbaidschan, Armenien, Algerien, Iran, China, Griechenland, Venezuela, die Slowakei und nach einigen Angaben auch Kroatien.

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    Lieferung, Technik, Streitkräfte, S-300-System, S-400, USA, Russland, Ukraine