06:55 16 Juni 2019
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    US-Transportflugzeug des Typs C-17 in Afghanistan (Archivild)

    US-Militär: Staut sich der Nachschub, wird es eng mit dem Krieg

    © Foto: DoD / U.S. Air Force / Maj Brandon Lingle
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    Ohne zügige Logistik kann keine Militärmacht bestehen. Das weiß natürlich auch das Pentagon. Doch ausgerechnet in der Versorgung gibt es Engpässe bei der US-Armee. Eine Analyse vom Fachportal „Swesda“.

    3.500 Nationalgardisten wurden von Juli 2018 bis März 2019 von ihren Stützpunkten in Kansas und Mississippi in den Nahen Osten verlegt. „Spartan Shield“ hieß die Operation, die größte Mobilmachung der US-Nationalgarde der letzten zehn Jahre, schreibt das Portal „Defence News“. Das Kampfgerät wurde mit den Schiffen, das Personal mit den Flugzeugen des US Transportation Command verlegt. Im April dieses Jahres war die Verlegung abgeschlossen.

    Zehn Monate für einen Logistikeinsatz dieser Größenordnung sind in Friedenszeiten laut dem Portal vertretbar – in Krisenzeiten sind aber nur 90 Tage die Norm. „Spartan Shield“ hat also einen Missstand aufgedeckt, der inzwischen zur Achillesferse der US-Militärmacht geworden ist.

    Vieles hat sich bei der US-Armee in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten verändert:  Für die Navy und die Air Force wurden Gelder bereitgestellt, für die Entwicklung zukünftiger Waffenmuster vor allem. Das US Transportation Command aber wurde wie beiläufig finanziert. Neues Transportgerät für die interkontinentale Truppenverlegung können die Logistiker der US-Streitkräfte nicht bieten.

    Um zwei Armeebrigaden vorschriftsmäßig nach Europa verlegen zu können, bräuchten die USA zehn Frachtschiffe mehr, bemängelte John McCain, seinerzeit Vorsitzender vom Verteidigungsausschuss im Senat.

    Es fehlen zehn Transportschiffe, so schlimm ist die Lage. Und die Frachter, die gegenwärtig vorhanden sind, sind im Durchschnitt über 40 Jahre alt. Mehr als 60 Prozent der Schiffe waren noch nie an Manövern beteiligt. Ein Drittel der 27 verfügbaren Transporter wird bis 2025 ausgemustert.

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    2014 erst hat die US-Militärführung beschlossen, mit einem Konzept für die Jahre 2020-2040 gegenzusteuern. Um in einer „komplexen Welt“ zu gewinnen, müsse die US-Armee sich auf den Kampf gegen starke Gegner wie Russland und China einstellen, heißt es in diesem Strategiepapier. Damit die Armee wirklich kampfbereit ist, müsse es möglich sein, die Truppen „schnell und effektiv“ aufzustellen, um rasch die „Kontrolle über ein konkretes Gebiet“ zu erlangen.

    Truppentransport für Profis

    Am schnellsten verlegen die Truppen bekanntlich auf dem Luftweg. Diesbezüglich ist das TRANSCOM aber ziemlich eingeschränkt: General Darren McDew, Oberbefehlshaber des Transportation Command, erklärte im Mai 2017, die derzeit verfügbaren Transportflugzeuge C-5 und C-17 könnten allerhöchsten eine mechanisierte Brigade innerhalb von 30 Tagen auf eine Entfernung wie zwischen den USA und Südkorea verlegen.

    Dabei fordern die Planer im Pentagon, die Mobilität und die Reaktionsgeschwindigkeit der Truppen rasch zu erhöhen. Denn das sei die Grundlage dafür, auf schnelle Lageänderungen lokal und global reagieren zu können. Die unterbrechungsfreie Materialbewirtschaftung ist eine Kernkompetenz des TRANSCOM, heißt es in einer Entwicklungsstrategie der US Air Force für die nächsten 30 Jahre, die das Pentagon 2014 veröffentlicht hat.

    Im selben Jahr hat das Pentagon auch die Finanzierung der Transportfliegerkräfte aufgestockt, um deren Fähigkeiten zu erweitern. Über 1 Mrd. Dollar wurde für das Upgrade von 52 Frachtflugzeugen C-5B „Galaxy“ auf die Version C-5M „Super Galaxy“ bereitgestellt. Über 950 Mio. Dollar stehen zur Verfügung, um Transportflugzeuge für die Sondereinheiten des US-Militärs zu beschaffen: vor allem „Hercules“-Maschinen und Kipprotorflugzeuge. Weitere 72 Frachter sollen generalüberholt werden, Kostenpunkt: rund 575 Mio. Dollar. Insgesamt soll das Transportation Command in den Jahren 2025-2040 laut dem Portal mehr als 300 schwere strategische und 500 taktische Transportflugzeuge erhalten.

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    Eine Kernkomponente des globalen Lufttransports ist und bleibt die Nachbetankung in der Luft. Die amerikanische Tankerflotte, bestehend hauptsächlich aus KC-135- und KC-10-Flugzeugen, muss jedoch ersetzt werden – über 400 Maschinen insgesamt. Als Nachfolger ist der KC-46A vorgesehen. Geplant ist, bis 2040 mehr als 600 dieser Tankflugzeuge in Dienst zu stellen.

    Das A & O: Koordination der Teileinheiten

    Die komplette Luft-Armada zu führen, diese Aufgabe wird künftig auf das „Theater Air Control System“ (TACS) übertragen, ein Managementsystem zur Planung, Kontrolle und Ausführung gemeinsamer, auch multinationaler Luftoperationen. Die Hauptelemente dieses Systems sind mit den AWACS- und den JSTARS-Flugzeugen vernetzt.

    Entsendung der US-Truppen an die türkisch-syrische Grenze (Archivbild)
    © Foto : U.S. Air Force/ Senior Airman Caitlin O’Neil-McKeown

    Dass das TACS gerade auf komplexe multinationale Einsätze ausgelegt wird, ist ja nicht unwesentlich. Das Logistikkonzept der US-Streitkräfte zielt auch auf die Infrastruktur in Europa ab. Bei den vielen Nato-Manövern, die in den letzten Jahren auf europäischem Gebiet stattfanden (Joint Forcible Entry, Baltops, Summer Shield, Saber Strike und Trident Juncture), ist allzu deutlich geworden, dass die Truppenverlegung von West nach Ost eine kostspielige, komplizierte und zeitaufwendige Operation ist.

    Probleme gab es mit Straßen, Brücken, Unterführungen, Häfen, Bahnstrecken und nicht zuletzt mit der Bürokratie innerhalb der EU. Selbst militärische Flugplätze werden logistischen Anforderungen künftiger Krisen und Konflikte nicht gerecht, wie die Verantwortlichen feststellen mussten.

    Den Hebel zur Behebung dieser Missstände setzt das Pentagon nun vor allem bei Deutschland und Polen an. Diese Länder werden zu Versorgungsrouten, um die Mobilität von US-Truppen auf europäischem Gebiet weiter zu steigern.

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    So wird etwa die Ramstein Air Base erweitert, damit noch mehr Frachtflugzeuge des US Transportation Command dort starten und landen können. Der derzeitige Bestand an C-130-Flugzeugen soll um 14 Maschinen vergrößert werden.

    In Polen steht der Bau eines militärischen Logistikzentrums kurz vor dem Abschluss. Es entsteht eine Drehscheibe zur Versorgung der Nato-Truppen in den Baltischen Staaten, im Norden der EU, in Bulgarien und Rumänien.

    Die europäischen Nato-Länder machen beim Aufbau militärischer Logistikkapazitäten fleißig mit. Die Regierungen dieser Länder verstärken ihre Aktivitäten für den Bau und die Modernisierung von Frachtflugzeugen, Tankern und Transporthubschraubern. Um nur ein Beispiel zu nennen: Sieben Nato-Länder – Großbritannien, Frankreich, Deutschland, die Türkei, Spanien, Belgien und Luxemburg – sollen bis 2021 insgesamt 160 Airbus-Transporter A400M beschaffen. Über 62 solcher Maschinen verfügen die Nato-Länder momentan.

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    Tags:
    Logistik, Ramstein, US-Armee, USAF, USA, Frachtflugzeug, Transportflugzeug, Hercules C-130, c-130, Lockheed C-5 Galaxy