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    Luftabwehrsystem des Typs S-300 auf dem Testgelände Aschuluk (Archivbild)

    „Smart Bomb“ gegen S-300: Kann Israel russische Flugabwehr in Syrien knacken?

    © Sputnik / Kirill Kallinikow
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    Israel glaubt einen Weg gefunden zu haben, russische Flugabwehrsysteme in Syrien zu vernichten, ohne Eigenverluste zu riskieren. Eine Bombe – zielgenau und günstig – soll die S-300-Systeme aus sicherer Entfernung sprengen. Das Portal „Swobodnaja pressa“ berichtet.

    Im syrischen Luftraum wildern kann die israelische Luftwaffe nicht mehr, seit Russland Flugabwehrsysteme S-300PM2 an die Syrer geliefert hat. Seitdem entwerfen die Israelis allerhand Einsatzkonzepte, wie man die russischen Abwehrsysteme in Syrien loswerden könnte.

    Kürzlich ist eine weitere Möglichkeit vorgeschlagen worden, eine kostengünstige und vermeintlich effektive: die Lenkbombe Spice-250 des Rüstungskonzerns Rafael. Mit dieser Bombe erhalten die Streitkräfte ein „kompaktes und günstiges Produkt“, erklärte der Vize-Vorstand des Rafael-Konzerns, Oren Uriel, laut dem Portal.

    Der Rüstungsmanager bezeichnet die Spice-250 als eine „smart bomb“, eine kluge Bombe. Dies aus dem Grund, dass die Bombe ihre Ziele selbstständig findet. Ihr optronischer Suchkopf erfasst Objekte am Boden und gleicht sie mit den Bildern möglicher Ziele ab, die in ihrer Datenbank gespeichert sind.

    Gesteuert wird die Bombe von einem inertialen Navigationssystem mit GPS-Unterstützung – ein laut dem Hersteller auch dann störfestes System, wenn das GPS-Signal verzerrt oder gar unterbrochen wird. Die Spice-250 soll auf ihren Einsatz einfach zu programmieren sein. Das kann der Kampfpilot während des Fluges erledigen.

    Die Bombe ist universell einsetzbar: Flugabwehrsysteme sind nicht die einzigen Ziele, auf die sie angesetzt werden kann. Bei Erprobungen beispielsweise wurde die Spice-250 auf einen ferngesteuert fahrenden Pickup abgeworfen.

    Nach Herstellerangaben kann die Bombe bis zu 100 Kilometer weit ins Ziel gleiten, je nach Abwurfhöhe und -geschwindigkeit. Deshalb gehen die Israelis davon aus, ihre Kampfjets müssten in den Wirkungsbereich der gegnerischen Flugabwehr nicht hineinfliegen. Die Spice-250 könne aus einer für die eigenen Kräfte ungefährlichen Distanz eingesetzt werden. Zumal sie wegen geringer Abmessungen für das gegnerische Radar unsichtbar sei.

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    Die Bombe kann je nach Einsatzzweck mit unterschiedlichen Gefechtsköpfen bestückt werden: entweder als Sprengbrandmunition oder als Betonbrecher. Die Zielabweichung beträgt bis zu drei Meter, was bei einem Gefechtskopf von rund 60 Kilogramm Gewicht laut dem Portal kein außerordentlich guter Wert ist.

    Panzerbrechende Gefechtsköpfe sind für die Bombe bisher nicht vorgesehen, können jedoch womöglich in ihren künftigen Varianten eingebaut werden. Geplant ist, dass die Luftwaffe Israels die Bombe in der zweiten Hälfte dieses Jahres erhält.

    Eine israelische F-16 kann, bedingt durch die Anzahl der Außenlaststationen, bis zu 16 Spice-250-Bomben tragen. Doch die Hoffnung der Israelis, die Bomben gegen die russischen Flugabwehrsysteme in Syrien einsetzen zu können, ohne Mensch und Maschine zu gefährden, könnte sich als trügerisch erweisen, schreibt das Portal.

    Die an Syrien gelieferten Systeme S-300PM2 könne Ziele auf 200 Kilometer bekämpfen. Die Radarstation des Systems erfasst Luftziele auf 300 Kilometer. Dass die Spice-250 mit einem Radar schwer zu orten sein soll, ist für das S-300PM2 laut dem Portal kein Problem.

    Dessen Niederfrequenzradar 76N6 ortet Ziele mit einem Radarquerschnitt von 0,02 Quadratmetern in einer Entfernung von 90 Kilometern. Einen geringeren Radarquerschnitt kann die Spice-250 unmöglich aufweisen, schreibt das Portal. Das heißt, sie würde von dem russischen Flugabwehrsystem gleich nach dem Abwurf erfasst.

    Zu bedenken ist außerdem, dass Lenkbomben mit Unterschallgeschwindigkeit ins Ziel gleiten. Ein S-300-System hat also genug Zeit, um auf jede der 16 abgeworfenen Bomben zu reagieren. Denn das Fla-System gibt alle drei Sekunden einen Schuss ab.

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    Und: Die in Syrien stationierten S-300PM2 zählen zu Mittelstrecken-Fla-Systemen. Sie operieren niemals, ohne durch Nahbereich-Abwehrsysteme gedeckt zu werden. In Syrien dienen dazu die mit Raketen und Maschinenkanonen bewaffneten mobilen Systeme Panzir-S1.

    Wie smart die Bomben auch sein mögen, das Panzir-S1 kriegt sie. Es bekämpft Ziele auf 20 Kilometer Entfernung in 15 Kilometern Höhe – auch solche, die mit dreifacher Schallgeschwindigkeit anfliegen. Der Radarquerschnitt eines Ziels beträgt mindestens 0,03 bis 0,06 Quadratmeter. Alle eineinhalb Sekunden ist ein Raketenschuss möglich.

    Bomben der Spice-Familie stehen bereits im Dienst der israelischen Luftwaffe. Es handelt sich dabei um 1000 und 2000 Pfun schwere Lenkbomben. Sie nutzen den gleichen Suchkopf wie die Spice-250. Die Israelis setzen diese Bomben bereits bei Luftschlägen auf syrischem Gebiet ein. Nur: Bisher ist keines der 24 in Syrien stationierten S-300-Systeme davon getroffen worden.

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    Luftabwehr, Panzir-S1, Flugabwehrsystem, Luftabwehrsysteme, F-16, S-300, Nahost, Israel, Russland, Syrien