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06:39 16 Oktober 2019
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    Präsentation des neuen Kampfjets von Turkish Aerospace bei der 53. Luftfahrtmesse in Le Bourget

    F-35 übertrumpft? EU und Türkei feiern eigene Kampfjets in Le Bourget

    © REUTERS / PASCAL ROSSIGNOL
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    F-35 der US-Luftwaffe – ein Jet der Zukunft oder eine Katastrophe? (13)
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    Das Luftkampfsystem FCAS soll das europäische Kampfflugzeug werden, ein Nachfolger von Eurofighter und Tornado. Ein Rüstungskonsortium in der EU soll die Maschine herstellen. Ein Modell des FCAS wurde auf der Fachmesse in Le Bourget vorgestellt. Dort wurde auch ein möglicher Rivale des Euro-Kampfjets präsentiert. Die Zeitung „Gazeta“ berichtet.

    Es wird mitunter als Europas wichtigstes Rüstungsvorhaben der kommenden Jahrzehnte bezeichnet: das FCAS, von den Luftfahrtkonzernen Dassault und Airbus auch NGF genannt, „Next Generation Fighter“. Das Kampfflugzeug soll den Eurofighter, den Tornado und den französischen Rafale ersetzen. Auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget haben die beiden Firmen ein Modell der Zukunftsmaschine vorgestellt.

    Noch weist der Entwurf in Standardgrau keine speziellen Merkmale auf, die besonders neugierig machen würden, schreibt „Gazeta“. Was womöglich daher rührt, dass die Entwickler noch nicht wissen, wie die Kampfmaschine am Ende aussehen soll: Die Indienststellung des FCAS ist für 2040 angesetzt, die technischen Anforderungen an das Flugzeug sind noch nicht ausformuliert. Die Konstruktion sieht aus wie die Tarnkappenjets, die heute schon einsatzfähig sind. Nur etwas größer ist das Modell und etwas platter in der Form.

    Ambitioniertes Vorhaben

    Bei der als feierliche Zeremonie abgehaltenen Präsentation in Le Bourget waren die Verteidigungsministerinnen Deutschlands, Frankreichs und Spaniens anwesend. Im Beisein des französischen Präsidenten Emmanuel Macron haben Ursula von der Leyen, Florence Parly und ihre spanische Kollegin Margarita Robles ein Rahmenabkommen für das gemeinsame Projekt unterzeichnet. Neben Deutschland und Frankreich beteiligt sich auch Spanien an dem Programm.

    „Das ist ein sehr wichtiger Tag für die Erneuerung der deutschen und der französischen Luftwaffe, für die europäische Verteidigung und auch für die europäische Industrie“, erklärte von der Leyen am Präsentationsstand laut der Zeitung. Dass Spanien sich dem Vorhaben angeschlossen habe, betone die Bedeutung des Programms, sagte die Ministerin.

    Auch Top-Manager von Dassault und Airbus‘ Rüstungssparte, Eric Trappier und Dirk Hoke, waren bei der FCAS-Vorstellung dabei. Sie unterschrieben gemeinsam mit den Ministerinnen ein Angebot für den Bau von Erprobungsträgern des NGF. Demnach soll bis 2026 ein fliegender Demonstrator gebaut werden. Also so etwas wie eine lebensechte Machbarkeitsstudie, aber noch kein Serienprototyp.

    Aber vorher, bis 2020, wollen sich die Projektpartner auf die Auslegung des FCAS verständigen. Deutschland und Frankreich wollen den Kampfjet als ein multifunktionsfähiges Waffensystem der 6. Generation verstanden wissen. Eine KI-unterstützte und über eine so genannte Combat Cloud mit anderen Kampfsystemen vernetzte Maschine, eine fliegende Leitzentrale für unbemannte Fluggeräte und Lenkwaffen. Wie letztes Jahr berichtet wurde, soll Europas Kampfflugzeug auch nuklearfähig und auf Flugzeugträgern stationierbar sein – zwei wesentliche Anforderungen an das FCAS.

    Die beiden Triebwerke des künftigen Kampfflugzeuges sollen ebenfalls von einem deutsch-französischen Konsortium gebaut werden: vom Technologiekonzern Safran und dem deutschen Motorenspezialisten MTU Aero Engines. Das entsprechende Abkommen werde noch dieses Jahr unterzeichnet, erklärten Regierungsvertreter aus Berlin und Paris laut der Zeitung.

    Die Präsentation des neuen Kampfjets von Turkish Aerospace im Rahmen der 53. Luftfahrtmesse in Le Bourget
    © REUTERS / PASCAL ROSSIGNOL
    Die Präsentation des neuen Kampfjets von Turkish Aerospace im Rahmen der 53. Luftfahrtmesse in Le Bourget

    Die Entwicklung der Waffen für das FCAS läuft indes bereits. Der französische Rüstungskonzern MBDA ist damit beauftragt worden. Das Management des Konzerns erklärte laut dem Blatt jedoch, die Entwicklung sei sehr kostspielig, weil an neuen Lenkwaffen für gleichzeitig zwei Luftkampfsysteme gearbeitet werde: für das FCAS und das britische Kampfflugzeug „Tempest“.

    Ankaras Überraschung

    Eine weitere Flugzeugstudie, die in Le Bourget vorgestellt wurde, ist der TF-X: Turkish Fighter-X. Die Türkei steht bekanntlich unter Druck aus den USA. Weil Ankara russische Flugabwehrsysteme S-400 kauft, droht Washington, keine F-35-Kampfjets an den Nato-Partner zu liefern. Also entwickelt die Türkei einen eigenen Kampfjet, zumindest war in Le Bourget ein Modell davon zu sehen.

    Die Anforderungen an die neue Maschine seien bereits definiert, es werde nach Zulieferern für den Kampfjet gesucht, erklärten Vertreter des Rüstungskonzerns Turkish Aerospace Industries. Der TF-X soll zu 65 Prozent aus heimischen Komponenten bestehen, so fordert es das Militär.

    Der türkische Konzern Rocketsan arbeitet bereits an der Entwicklung der Waffen für den TF-X. Die Bordelektronik soll ebenfalls aus heimischer Fertigung kommen. Damit befasst sich der Konzern Aselsan. Wer das Triebwerk für den künftigen türkischen Kampfjet bauen wird, ist noch unklar.

    Das Management von Turkish Aerospace Industries verspricht jedenfalls, den besten Kampfjet Europas zu entwickeln. „Für den F-35 baut meine Firma den Mittelteil der Tragflächen. Das heißt, Turkish Aerospace Industries hat hinsichtlich der Produktion genug Möglichkeiten, den Kampfjet TF-X zu bauen“, sagte Temel Kotil, CEO des Luftfahrtkonzerns, in Le Bourget.

    Auch sei das Flugzeug nur ein Modell, „aber 2023 ist es schon ein echter Kampfjet, 2025 erfolgt der Erstflug und 22028 kommt die Indienststellung“, so der Manager.

    Ein Werbeclip des Unternehmens zeigte in Le Bourget eine Maschine, die sehr an den F-35 erinnert. Jedoch soll der TF-X über zwei Triebwerke verfügen. Die Höchstgeschwindigkeit wurde mit 2 Mach angegeben, die Reichweite mit 600 Seemeilen, das maximale Einsatzgewicht mit rund 30 Tonnen. „Das wird der beste Kampfjet in Europa, dazu fähig, die beste europäische Rakete – die ‚Meteor‘ – im internen Waffenschacht zu tragen“, versicherte CEO Kotil.

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    Themen:
    F-35 der US-Luftwaffe – ein Jet der Zukunft oder eine Katastrophe? (13)
    Tags:
    Luftfahrtkonzern Turkish Aerospace Industries, USA, Europa, Rüstung, Präsentation, Kampfjet, internationale Luftfahrtmesse in Le Bourget, Frankreich, Türkei, F-35