Widgets Magazine
13:07 18 Juli 2019
SNA Radio
    Eine gefährliche Annäherung zwischen dem russischen Zerstörer Udaloj und US-Raketenkreuzer USS Chancellorsville am 7. Juni 2019

    Navy-Profi empfiehlt: Fahrt den Russen aus dem Weg

    © REUTERS / U.S. Navy / Handout
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Swobodnaja Pressa
    4739313

    Quert ein Kampfschiff aus Russland eure Route, ändert ihr besser den Kurs. Diese Empfehlung gibt ein erfahrener US-Admiral seinen aktiven Navy-Kollegen. Das Portal „Swobodnaja pressa“ erklärt den Hintergrund.

    Eine russische Fregatte ist ins Karibische Meer eingelaufen, meldet die Küstenwache der Vereinigten Staaten. Die „Admiral Gorschkow“ ist mit ihren 5.500 Tonnen Wasserverdrängung für US-Verhältnisse relativ leicht. Aber sie hat 72 Startschächte an Bord, beladen unter anderem mit 16 „Oniks“-Raketen.

    Nach einem Kuba-Besuch soll das Kampfschiff den Meldungen zufolge nach Venezuela aufbrechen: ein Zeichen der Rückendeckung für die Bolivarische Republik – und eine Gegengeste für den Besuch des US-Zerstörers „Donald Cook“ im Februar im Schwarzmeerhafen Odessa.

    Das ist aber noch nicht der Punkt, warum die Fahrt der russischen Fregatte in der Karibik Aufregung bei den Amerikanern auslöst. Dem Karibik-Besuch der russischen Marine ging nämlich ein Vorfall im Pazifik vorweg: Am 7. Juni kam es im Ostchinesischen Meer fast zum Zusammenstoß von zwei Zerstörern, dem russischen „Admiral Winogradow“ und dem amerikanischen „Chancellorsville“.

    Die Navy-Führung reagierte darauf leicht affektgeladen: Dies sei nicht das erste Mal, dass Russland „nicht ungefährliche und unprofessionelle“ Manöver gegen die Amerikaner und ihre Verbündeten in internationalen Gewässern fahre, erklärte die US-Marine. Was unprofessionell daran sein soll, dass eine Kampfschiffbesatzung Entschlossenheit demonstriert, ohne Unfälle zu verursachen, muss sie allerdings noch klären.

    Ähnlich reagierte die Navy auch am 17. Juni 2016. Da sorgte eine russische Fregatte für Irritationen bei einem amerikanischen Trägerverband im östlichen Mittelmeer, soll sie doch einem US-Zerstörer den Weg abgeschnitten haben. Voll gefährlich, beschwerte sich die Navy.

    Und nur zwei Wochen später soll dieselbe russische Fregatte – die „Jaroslaw Mudry“ – sich einem US-Kreuzer auf rund 40 Meter genähert haben. Die Fregatte beobachtete den US-Flugzeugträger „Dwight D. Eisenhower“.

    Russische Seeleute zeigten mit aller Macht, dass sie die Amerikaner nicht fürchten – selbst, wenn die in Überzahl seien, erklärte später der Navy-Experte Matthew Butson vor Kollegen bei einer Versammlung.

    Tatsächlich verhält es sich so, dass es seit 1972 einen Vertrag gibt zwischen Russland und den USA zum Vermeiden von Zwischenfällen auf See, den sog. INCSEA – eine Art Regelkatalog für den Hochseeverkehr. Diesen Vertrag bestätigen Moskau und Washington jedes Jahr aufs Neue.

    Parallel zu diesem Papier besteht eine weitere stillschweigende Vereinbarung, dass bestimmte rote Linien nicht überschritten werden dürfen. Moskau und Washington haben sich damals in den Siebzigern beispielsweise darauf verständigt, dass ein US-Kriegsschiff sich einem sowjetischen Hafen ohne Einladung nicht nähern darf.

    Wenn das Wort noch etwas gilt, schreibt das Portal, dann müssten die Amerikaner auch heute solche Häfen wie Odessa meiden – trotz der ukrainischen Unabhängigkeitserklärung.

    Stattdessen kommt es immer wieder zu Zwischenfällen und Fast-Kollisionen. Oft verursacht die Navy gefährliche Situationen – und lädt die Schuld dann auf Moskau ab. Nach dem Motto, Russland suche einen Anlass für einen kleinen Clinch. Experte Butson ist sogar überzeugt:

    „Die russische Regierung wird das Risiko eingehen, dass Schiffe oder Flugzeuge kollidieren, um dann die USA zu beschuldigen.“

    Dann müsste Washington mit Moskau irgendwie in Verhandlungen kommen, was den Experten wohl beunruhigt. Man müsste Zugeständnisse an Putin machen, wobei der wahrscheinlich nicht viel verlangen würde: höchstens nur den Abzug von US-Truppen aus Russlands Nachbarländern.

    Auffällig jedenfalls ist, dass US-Experten schon im Mai 2017 eine Taktik diskutierten, wie sich die Navy-Mannschaften bei Begegnungen mit russischen Kampfschiffen verhalten sollten. Ex-Admiral James Stavridis riet damals laut dem Portal, die Crews sollten die Möglichkeit haben, ihre Schiffe und Flugzeuge rechtzeitig aus der Gefahr zu bringen. Mit anderen Worten: Quert ein Russe eure Route, ändert ihr den Kurs.

    Dieselben US-Experten gehen auch davon aus, dass die russischen Marinecrews sich bald noch frecher verhalten werden. Dann nämlich, wenn Fregatten wie die „Admiral Gorschkow“ Hyperschallwaffen erhalten. Die Antischiffsraketen „Zirkon“ zum Beispiel. Für nächstes Jahr ist die Indienststellung geplant.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    USA, Russland, U.S. Navy