17:12 17 November 2019
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    Nato-Manöver unweit von der Militärbasis Vaziani in Georgien (Archivbild)

    Bomben auf Iran: Würde Georgien mitmachen?

    © Foto: 173rd Airborne Brigade / Sgt. Timothy Pike
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    Es sind Meldungen aufgetaucht, im Fall eines Angriffs auf den Iran könnte Georgien seine Flugplätze für die US Air Force öffnen, damit von dort Luftschläge gegen iranische Städte geflogen werden. Wäre das technisch möglich? Und würde Tiflis das wirklich wagen? Die Zeitung „Gazeta“ analysiert.

    Militärische Flugplätze gibt es in Georgien nicht viele. Insgesamt keine zehn. Davon nutzen die georgischen Streitkräfte eigentlich nur drei: einen Fliegerhorst in Senaki, einen in Vaziani und einen in Marneuli. Verlässliche Angaben zum technischen Zustand dieser Stützpunkte fehlen. Feststeht nur, dass viele Start- und Landepisten im Fünf-Tage-Krieg im August 2008 teilweise schwer beschädigt wurden. Damals verlor Tiflis auch seine Luftwaffe als solche: die wenigen übriggebliebenen georgischen Flugzeuge sind heute den Bodentruppen zugeteilt.

    Die operative Kapazität der Flugbasen in Georgien dürfte also recht mager sein. Selbst in ihren besten (Sowjet-)Zeiten waren darauf Verbände stationiert, die nie größer waren als Geschwader. Eine Luftstreitmacht, die auf den Iran bedrohlich wirken würde, wäre auf den georgischen Flugplätzen heute erst recht nicht unterzubringen. Zwar gibt es immer wieder Berichte, die georgischen Flugbasen sollen auf Nato-Standard modernisiert werden. Ob diese Informationen wirklich stimmen, lässt sich jedoch nicht prüfen.

    Aber angenommen, Georgien öffnet seine Start- und Landeplätze für die US-Luftwaffe. Damit wäre es ja noch nicht getan, denn es müssten außer den Flugzeugen noch andere Technik und vor allem große Materialvorräte nach Georgien verlegt werden. Möglich wäre das nur auf dem See- und dann auf dem Schienenweg.

    Das können wir am Beispiel von Treibstoff durchexerzieren. Das Kerosin für die Jets würde zuerst mit einem Tankschiff in den Hafen von Poti gebracht. Dort müsste es in die Kesselwagen umgefüllt werden. Anschließend transportiert die Bahn den Treibstoff bis zu den Flugplätzen (jenen mit Gleisanschluss). Am Bestimmungsort wird das Kerosin nochmal umgefüllt, in die Sammelbehälter des Tanklagers. Danach kann es auf die Flugzeuge verteilt werden – vorausgesetzt, es sind genug Tankwagen auf den georgischen Flugplätzen vorhanden, um die amerikanische Luftarmada abfertigen zu können.

    Damit wäre nur das Treibstoffproblem gelöst. Es müsste aber noch die ganze Bodentechnik, die Waffen, die Infrastruktur für das Personal nach Senaki, Vaziani und Marneuli gebracht werden. Das allein lässt schon daran zweifeln, ob es zweckmäßig wäre, die georgischen Flugplätze für einen Anti-Iran-Einsatz zu nutzen. Doch damit nicht genug.

    Noch nie ist in Georgien ein Manöver abgehalten worden, das dem erforderlichen Aufwand im Falle eines Einsatzes gegen den Iran entsprochen hätte. Eine Logistikoperation von beschriebenem Ausmaß hat das georgische Militär im echten Leben noch nie geübt.

    Wie wichtig solche Übungen sind, zeigt der Afghanistan-Einsatz der USA. Als die Operation 2001 begann, wurde viel darüber gesprochen, die Amerikaner könnten doch die ehemals sowjetischen Flugplätze in Zentralasien für den Nachschub nutzen. Geworden ist daraus nicht viel: nur einige Such- und Rettungstrupps und Versorgungseinheiten wurden dort mal stationiert.

    Dies aus einfachem Grund: Hätten die USA in Zentralasien ihre Luftwaffe stationiert, hätten sie mehrere Hunderttausend Tonnen Güter über viele Landesgrenzen hinweg transportieren müssen. Immer wieder. Offenbar haben die Amerikaner es vorgezogen, sich keine überdimensionierten Probleme zu machen.

    Davon abgesehen verfügen die USA über ein gut ausgebautes Stützpunktnetz am Persischen Golf. Diese Basen funktionieren, schließlich haben die Vereinigten Staaten in den letzten knapp 30 Jahren drei Großoperationen in der Region durchgeführt: Desert Storm 1991, Desert Fox 1998 und Iraqi Freedom 2003. Ein Bedarf an Flugplätzen in Georgien war dabei nicht festzustellen.

    Noch ein Umstand kommt erschwerend hinzu: Georgien grenzt nicht an den Iran. Würde die US Air Force ihre Flugzeuge von Georgien aus einsetzen, müsste sie bei jedem Einsatz von drei weiteren Ländern Überflugrechte einholen – von der Türkei, von Armenien und Aserbaidschan. Dass diese Länder sich darauf einlassen würden, ist eher mehr als fraglich. Weder Ankara noch Jerewan oder Baku wollen Probleme mit ihrem großen Nachbarn.

    Tiflis kann zusätzliche Schwierigkeiten bestimmt auch nicht gebrauchen. Das Land liegt in der Schussweite iranischer ballistischer Raketen. Würde Georgien seine Flugplätze den Vereinigten Staaten zur Verfügung stellen, würde es für Teheran umgehend zu einem Kriegsgegner. Die iranische Vergeltung muss dann nicht unbedingt konventionell ausfallen. Ob Sarin oder irgendein radioaktiver Stoff – die ballistischen Raketen können mit unterschiedlichsten Gefechtsköpfen bestückt werden.

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    Tags:
    NATO, Iran, USA, Georgien