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    Der künftige russische Langstreckenbomber PAK DA (Standfoto)

    Amerikanische B-21 und russische Tupolew-PAK-DA: Konzepte beider Stealth-Bomber verglichen

    CC BY 4.0 / Verteidigungsministerium Russlands
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    Russlands und Amerikas neueste strategische Bomber sollen im kommenden Jahrzehnt starten. 2021 wird der Erstflug der amerikanischen B-21 erwartet, 2025 zieht laut Plan die russische PAK-DA nach. Um das Jahr 2030 herum ist mit der Einsatztauglichkeit der beiden Maschinen zu rechnen. Die Zeitung „Iswestija“ hat die beiden Konzepte verglichen.

    Eigentlich wartet die russische Luftwaffe zunächst auf die Tu-160M2, eine radikale Weiterentwicklung des „Weißen Schwans“. Dieses Projekt hat gegenüber der PAK-DA – dem „Zukünftigen Waffensystem Fernfliegerkräfte“ – gegenwärtig Priorität. Zu erklären ist das möglichweise damit, schreibt die Zeitung, dass der künftige russische Langstreckenbomber eine klare taktische Ausrichtung aufweisen werde.

    Ihrer strategischen Funktion wird die PAK-DA trotzdem nicht enthoben: Gedacht ist der Zukunftsbomber vor allem als Ersatz für die gegenwärtig eingesetzten Langstreckenbomber Tu-95 und teilweise für die Überschallbomber Tu-22M3. Die technisch neueren Tu-22M3M bleiben derweil auch nach 2030, wenn die PAK-DA kommt, im Dienst.

    Die amerikanische B-21 soll vordringlich die B-1B ersetzen – die Maschinen, die die USA in lokalen Kriegen als Allzweckbomber einsetzen. Interessant ist, dass die B-52 aus den 1950er Jahren noch bis 2040 bei der USAF dienen soll. Auf den überteuren Nurflügler B-2 kommt indes eine Ausmusterung zu, sobald die B-21 verfügbar ist.

    Beide Maschinen – der russische und der amerikanische Zukunftsbomber – brechen mit dem Überschalltrend im Bomberbau der 1970-80er Jahre: Beide fliegen Unterschall. Und: Beide weisen zwar Tarnkappenfähigkeiten auf, aber sind nicht so rigoros auf Stealth zugeschnitten wie etwa die F-117, der erste einsatzfähige Nurflügler der Amerikaner.

    „Stealth-Eigenschaften sind natürlich gut, bleiben aber ungenutzt, wenn der Bomber einen Marschflugkörper mehrere tausend Kilometer vor dem Ziel, außerhalb des gegnerischen Luftraums absetzen soll“, erklärt Luftfahrtexperte Alexander Jermakow im Zeitungsgespräch. „In lokalen Kriegen kann man die Tarnkappe aber in der Tat gut gebrauchen. Bei solchen Einsatzlagen werden nicht nur Lenkraketen eingesetzt, sondern auch Lenkbomben, unweit von Zielen, unmittelbar im Konfliktgebiet.“

    Ein eigenes Flugzeug für einen speziellen Einsatzzweck (strategisch oder taktisch) zu entwickeln – so etwas konnten sich die Supermächte nur im Kalten Krieg erlauben. Heute wäre das: Verschwendung. Deshalb legen die Russen ihre PAK-DA und die Amerikaner ihre B-21 von Anfang an auf Multi-Role-Einsätze aus. Entsprechend setzt sich die Bewaffnung zusammen.

    Der russische Zukunftsbomber wird laut der Zeitung mutmaßlich eine Waffenlast von 30 Tonnen aufnehmen können. Das allein macht die Maschine zu einer universellen Waffenplattform gegen Bodenziele.

    Hinzu kommt ein großräumiger Waffenschacht. Darin kann die PAK-DA neben allerhand Waffen auch Zusatzsysteme tragen: Aufklärungselektronik, Anlagen zur elektronischen Kampfführung – oder sogar kleinere Trägerraketen zum Stratostart von Weltraumsatelliten. Ein Ansatz, der es ermöglicht die teure Technik auch wirklich zu nutzen, statt es im Hangar auf den Tag X warten zu lassen.

    Wie auf den russischen Bomber zugeschnitten ist der neue Marschflugkörper Ch-101/102. Bis zur Indienststellung der PAK-DA werden sicherlich weitere Modifikationen dieser Lenkrakete entwickelt. Einigen Berichten zufolge soll der Bomber auch mit Luft-Luft-Raketen bestückt werden, zum Selbstschutz vor Abfangjägern.

    Die B-21 ist auch als Stratege und als Taktiker konzipiert. Das Einsatzspektrum ist ähnlich multifunktional wie bei der PAK-DA: Aufklärung, EloKa – Bombenabwürfe und Raketenschläge sowieso. Interessant ist, dass die Entwickler davon ausgehen, die Kosten der amerikanischen Maschine im Vergleich zur Vorgängerin B-2 senken zu können. Fortschritte bei der Elektronik und Avionik sollen das möglich machen.

    Man kann bei der PAK DA und der B-21 schon sagen, dass die eine Maschine das Gegenstück der anderen ist. Jedenfalls beim Einsatzzweck und den annähernd vergleichbaren Eigenschaften. Aber es gibt auch Abweichungen: Der russische Bomber wird beispielsweise auch auf Antischiffsmissionen vorbereitet – ein für die B-21 kaum relevanter Einsatzauftrag.

    Ansonsten: Die beiden Maschinen existieren bisher nur als digitale Entwürfe. Welche Rivalin worin besser ist, lässt sich erst prüfen, wenn ihre technischen Daten bekannt sind und sie wirklich fliegen. Eins ist gewiss: Sich auf erreichten Erfolgen im Flugzeugbau auszuruhen, kann sich weder Russland noch Amerika erlauben – zumal China schon an einem Bomber der gleichen Kategorie arbeitet.

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    Tags:
    Langstreckenbomber, USA, Russland, B-1B Lancer, B-52, Tu-22M3, Tu-160M2, B-21 Raider, B-21, PAK DA