23:47 17 November 2019
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    Su-47 (Archivbild)

    Extrem-Jet Su-47 „Berkut“: Warum misslang der Sprung in die 5. Generation?

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    Das Versuchsflugzeug Su-47 „Berkut“ hatte fast alles, um Russlands Kampfjet der 5. Generation zu werden. Der Suchoi-Konzern investierte sogar in die Weiterentwicklung dieser Maschine, doch dann stieß ein anderer Jäger in die Top-Kategorie vor. Das Portal „Swobodnaja pressa“ berichtet.

    Wer will, kann das bizarre Flugzeug dieser Tage besichtigen, und zwar auf der Luftfahrtausstellung MAKS-2019 bei Moskau. Nicht, dass es die Su-47 vorher nicht zu sehen gab: bereits 2001 war die Maschine (damals als Su-37) russischen Fachkreisen vorgestellt worden. Normalsterbliche durften das Versuchsflugzeug aus direkter Nähe aber nicht sehen – bis in diesem Jahr die Geheimhaltung aufgehoben wurde.

    Das Bizarre an der Su-47 ist augenfällig: Ihre Flügel sind nach vorne abgewinkelt, also als sogenannte Tragflächen mit negativer Pfeilung ausgelegt. Die Maschine war lange Zeit die Kandidatin, um Russlands Kampfjet der 5. Generation zu werden. Nicht unberechtigt. Beispielsweise ermöglicht es der „umgekehrte“ Flügel, die Radarsignatur eines Flugzeugs deutlich zu verringern. Berichtet wurde auch, die „Berkut“ habe eine radarabsorbierende Beschichtung aufgewiesen.

    Ab 1983 hatte Suchoi besonders intensiv an der „Berkut“ gearbeitet. 1988 hieß es unvermittelt, die sowjetische Luftwaffe brauche so ein Flugzeug nicht. Dafür zeigte die russische Marine Interesse: Die Su-37 wurde von da an als trägergestützter Kampfjet weiterentwickelt. Selbst als die staatliche Finanzierung Anfang der 1990er zusammenbrach, gab der Suchoi-Konzern die Versuchsmaschine nicht auf. Am 25. September 1997 hob die Su-37 zum Erstflug ab.

    US-Experimentalflugzeug Grumman X-29 (Archivbild)
    US-Experimentalflugzeug Grumman X-29 (Archivbild)

    Vorher hatte es nur zwei flugfähige Prototypen von Kampfjets mit negativgepfeilten Flügeln gegeben: 1984 flog die amerikanische X-29, vier Jahrzehnte vorher war mit der Junkers-287 experimentiert worden.

    ​Die Su-37 bzw. Su-47 hatte beste Chancen, in Serienproduktion zu gehen. Die Maschine erfüllte mehrere Parameter, die sonst nur von Kampfjets der 5. Generation verlangt wurden. Bei der Geschwindigkeit zum Beispiel: Das Versuchsflugzeug erreichte Überschalltempo ohne Nachbrenner.

    Diese Fähigkeit hatte auch etwas mit der Tragfläche der Su-47 zu tun. Die umgekehrte Flügelpfeilung verbesserte die aerodynamischen Eigenschaften des Flugzeugs erheblich, sodass die Höchstleistung beim Tempo mit zwei normalen Triebwerken erreicht werden konnte, wie sie in der Su-27 zum Einsatz kamen.

    Weitere Vorteile dieser Konstruktion: höhere Stabilität im Langsamflug sowie hervorragende Start- und Landeeigenschaften (dies war der Grund dafür, dass die russische Marine sich für die „Berkut“ interessierte). Nicht zu vergessen ist die exzellente Wendigkeit der Su-47: Ihre Flügel ermöglichten größere Anstellwinkel und dadurch besseren Auftrieb in allen Fluglagen.

    Experimentalflugzeug Su-47 im Flug
    © Sputnik / Archiv
    Experimentalflugzeug Su-47 im Flug

    Allerdings haben verkehrt abgewinkelte Flügel auch ihre Macken. Dass Flügel mit negativer Pfeilung größeren Belastung ausgesetzt sind, ist eine davon. Aufkommende Vibrationen bei bestimmtem Flugmodus eine andere. Suchoi gelang es, diese Nachteile größtenteils auszugleichen – durch die Verwendung von Verbundwerkstoffen vor allem an den Tragflächen.

    Die Komposite erhöhten zwar die Steifigkeit des Flügels, konnte die an den Tragflächen auftretenden Vibrationen aber nicht gänzlich beseitigen: Die Su-47 war im Flug relativ instabil und deshalb auf eine computergestützte Steuerung angewiesen.

    Der einzige Erprobungsträger der Su-47 flog viel, was zu Testzwecken erforderlich war. Doch die Zukunft erreichte das Flugzeug nie. 2005 wurde die Weiterentwicklung der „Berkut“ eingestellt, Suchoi musste seine Kräfte für die Arbeiten an einer anderen Maschine bündeln: der PAK FA, der heutigen Su-57.

    Das russische Versuchsflugzeug Su-47 bei der internationalen Luftfahrtmesse MAKS 2019
    © Sputnik / Grigorij Syssojew
    Das russische Versuchsflugzeug Su-47 bei der internationalen Luftfahrtmesse MAKS 2019

    Die Zeit der Su-47 war damit jedoch nicht vorbei. Die Ingenieure nutzten den einzigen Prototyp der „Berkut“ als Testlabor für die Technik, die in der Su-57 verbaut werden sollte. Als Testplattform für künftige Luft-Luft-Raketen soll die Maschine mit der schrägen Flügelform wohl auch eingesetzt worden sein. Jedenfalls weist ein nachträglich in die Su-47 eingebauter Waffenschacht mit größeren Klappen darauf hin.

    Was die exakten Gründe dafür sind, dass die „Berkut“ es nie in die 5. Generation von Kampfjets geschafft hat, kann man heute nur raten. Maßgeblich war sicherlich die Überlastung der gesamten Zelle aufgrund der Flügelkonstruktion. Es hätten Komponenten eingefügt werden müssen, um das Flugzeug massiv zu verstärken.

    Hinzu kam die komplexe Avionik, die zur Stabilisierung des Extrem-Jets notwendig war. Und nicht zuletzt der Wartungsaufwand: Selbst bei geringen Beschädigungen der Tragflächen hätten sie komplett ersetzt werden müssen – keine gangbare Lösung für einen Kampfjet.

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    Tags:
    MAKS 2019, Russland, Kampfjet, Su-57, Su-47